Jugend forsch
Test: Grand Theft Auto: San Andreas
Viele Spiele sind umstritten, weil sie schlecht sind, andere, weil sie angeblich schlecht machen - so wie dieses. Seit Juni können sich auch PC-Spieler von der Gangstersimulation verderben lassen.
Inhaltsverzeichnis
- 1Diebstahl in nicht mehr zählbaren Fällen
- 2Geld regiert die Unterwelt
- 3Große Unterhaltung für moralisch Gefestigte
- 4Und Verbrechen lohnt sich doch
Carl Johnson hat eine Jugend verbracht, wie sie im Buche steht - im Strafgesetzbuch nämlich. Gewalt, Raub, Bandenkriminalität: nichts ließ der junge Farbige aus. Doch das ist fünf Jahre her. So lang blieb er seiner Heimat fern, jener verrufenen Stadt Los Santos im fiktiven US-Staat San Andreas. Dann, Anfang der 90er, führt ihn der jähe Tod seiner Mutter dorthin zurück. Hier heißt Carl Johnson plötzlich wieder CJ, hier gibt es ein Wiedersehen mit korrupten Cops, gefährlichen Gangs, aber auch mit den alten Freunden. Hier kommt Carl Johnson zu dem Schluss, dass es eigentlich ziemlich cool gewesen ist, ein krimineller Rabauke zu sein.
Diebstahl in nicht mehr zählbaren Fällen
Der fiktive Staat San Andreas ist groß, mit dem Fünffachen der Gesamtfläche des Vorgängerspiels sogar sehr groß. Um die drei ungleichen Metropolen, die eine befahrbare Landschaft miteinander verbindet, erkunden zu können, greift CJ auf einen reichhaltigen Fuhrpark zurück: Fahrräder, Feuerstühle, Autos, Nutzfahrzeuge, Boote, Flugzeuge - kein Fortbewegungsmittel ist vor dem Langfinger sicher. Je häufiger und intensiver Carl von einer bestimmten Fahrzeugklasse Gebrauch macht, desto besser beherrscht er sie. Das zahlt sich wiederum bei gewinnträchtigen Wettbewerben, illegalen Rennen oder Verfolgungsjagden aus. Derselbe Lerneffekt ergibt sich im Umgang mit Waffen oder der Ausübung bestimmter Kampftechniken.
Geld regiert die Unterwelt
Obwohl man in San Andreas alle spielerischen Freiheiten genießt, schreitet die Story nur durch das Abschließen vorgegebener Missionen voran. Diese nehmen in der kriminellen Tragweite immer stolzere Ausmaße an. Ließe sich das Übersprühen fremder Graffitis noch mit künstlerischem Elan rechtfertigen, oder der Einbruch in das Depot der Nationalgarde mit jugendlichem Leichtsinn, so gäbe es spätestens für den Raubmord in einem Kasino berechtigte Schimpfe vom Jugendrichter. Anderseits muss CJ natürlich irgendwie Kohle machen; zur Not sogar auf ehrliche Weise, etwa als Feuerwehrmann, Hilfspolizist, Taxifahrer oder Zuhälter.
San Andreas
Für grobe Vergehen setzt es Fahndungspunkte. Zwei davon, und CJ muss seine aktuelle Karre neu lackieren lassen, will er die Polente abschütteln. Bei drei oder mehr Fahndungspunkten schwirren Hubschrauber an
Unsterblich: Wenn die Lebensenergie verbraucht ist, wacht CJ im Krankenhaus auf mit weniger Geld und ohne Waffen
Gelegenheiten, dieses Geld auf den Kopf zu stellen, bieten sich reichlich. Ein beträchtliches Sümmchen geht allein für Tätowierungen, Frisuren, Klamotten und Fahrzeugmodifikationen drauf. Die regelmäßigen Abstecher ins Schnellrestaurant, wo zwischen Mord und Totschlag diverse Häppchen eingeworfen werden, fallen dagegen kaum ins Gewicht. Gewicht zulegen kann Carl durch zügellose Nahrungszufuhr übrigens sehr wohl. Weil das aber nicht nur seine Fitnesswerte beeinträchtigt, sondern auch das Attribut Sexappeal, sollten etwaige Fettpolster im Kraftraum beseitigt werden. Das Spiel mit Muskeln und Fett ist weit mehr als nur ein grafischer Gag. Ein dicker CJ kann zum Beispiel keine Mauern erklimmen, was sogar bestimmte Missionsvorgaben unlösbar macht.
