Kein Modem: Die neuen Tricks der Dialer-Abzocker (Update)
Unseriös mit seriösen Mitteln
So verlangt Vornamen.de für ein Abo von drei Tagen 9,99 Euro. Diese Summe wird unten rechts im Fenster angegeben. Der Kunde gibt seine Handynummer ein und erhält per SMS einen Zugangscode. Wird dieser eingegeben, werden die zehn Euro von der Handy-Rechnung abgebucht. Der Hinweis auf die Kosten des völlig überteuerten Angebots finden sich nur unten rechts in dem Pop-Up, das erscheint, wenn man einen Link auf Vornamen.de anklickt.
Dabei ist Payray nicht dafür verantwortlich, welche Summen die Anbieter verlangen. Theoretisch sind 1000 Euro pro Abbuchung und mehr drin. Solange der Kunde den Code anfordert und eingibt, bewegt sich alles im Rahmen gültigen Rechts, zeigt der "Dialer" doch an, mit welchen Kosten zu rechnen ist. Der Anwender bleibt auf den Kosten sitzen. Allerdings gibt es einen Lichtblick: Man kann sich jederzeit auf der Payray-Seite von dem Dienst abmelden. Vorausgesetzt, man hat sein Passwort zur Hand.
Eine weitere Masche findet sich auf der seit längerem dialerverseuchten Website Hausaufgaben.de. Hier öffnet sich beim Klick auf einen der zahlreichen Links ein Fenster mit der Aufforderung, Namens- und Kontodaten einzugeben. Das sollte skeptisch machen. Und spätestens der Blick auf das Kleingedruckte über dem Eingabefenster zeigt auch, warum: 29,95 Euro sind für den monatlichen Zugang fällig. Nur die ersten drei Tage sind für einen Euro zu haben.

Bezahldienste, die Zweite
Das alles wäre halb so schlimm, würde sich der Zugang nicht automatisch verlängern, wenn er nicht fristgerecht gekündigt wird. Fristgerecht, das bedeutet: Wer vergisst, den 3-Tages-Zugang vor seinem Ablauf zu kündigen, wird automatisch auf einen 30-Tage-Zugang geupgradet. Kündigen ist dann erstmal nicht mehr möglich, die Kündigungsfrist für den 30-Tage-Zugang für Hausaufgaben.de beträgt, wie sollte es anders sein: 30 Tage. Das heißt, selbst wenn man unmittelbar nach der versehentlichen Verlängerung kündigt, darf man zwei Monate lang für den "Dienst" bezahlen.
Das Kündigungsformular, das sich nur von der Hilfe-Seite erreichen lässt, führt zum "führenden Onlineabrechner" Afendis.de. Deren Betreiber sind zufällig die gleichen wie die von Hausaufgaben.de und noch einigen anderen Websites. Die Namen: Andreas und Manuel Schmidtlein GbR. Natürlich kann man die Unternehmung der Brüder nicht unbedingt als Abzock-Versuch deuten, doch alles in allem scheint es durch die hohen Preise nicht wirklich seriös zuzugehen. So bleibt nur die Warnung: Finger weg von Websites, die "kostenlose Zugangstools" oder "sichere Zugänge" verkaufen möchten.
Update: Payray erklärt
"Wir klingeln zur Zeit alle Redaktionen an", so Alper Iseri von der Netpayment GmbH, die sich auch für PayRay verantwortlich zeigt. "Unser System ist auf 9,99 Euro beschränkt. Wir möchten mit den Dialer-Geschäften nichts zu tun haben." Das System sei durchaus seriös und es läge an den Website-Betreibern, welches Abrechnungsmodell gewählt würde. Der Rest liegt beim User. Allerdings gestand er Fehler in der Eingabemaske ein. Aktuell feilt der Anbieter daran, den Dienst eindeutiger zu machen.
So wurde das Fenster farblich überarbeitet, auch die Wortwahl das Abonnement betreffend ist eindeutiger. Iseri erklärt die Vorgehensweise: Kunden bekommen zwei SMS, die sowohl über den Abschluss des Abos, als auch über den Benutzernamen samt Passwort informieren. Hier kann jederzeit gekündigt werden, ohne Kündigungsfrist. Iseri: "Es war bisher nicht so optimal."
