Der alte Mann und die Arcor-Warteschleife

Üben für's Altenheim

An dieser Stelle wird der Bericht etwas gekürzt, um den Leser nicht unnötig zu langweilen. Wer sich die unendlich weit verzweigten Menüs anhören möchte, kann jederzeit die kostenfreie Rufnummer 0800/1071020 wählen und sich selbst durch die Menüs hangeln. Nichts für die Altvorderen, ohne Frage. Glücklich, wer hier ein Telefon mit Tonwahl hat. Wer sich bei der ersten, alles entscheidenden Frage für Sprachwahl entscheidet, ist verloren. Jeder Versuch, dem schwehörigen Computer etwas mitzuteilen, wird mit einem sturen "Ich habe Sie leider nicht verstanden" quitiert.

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Natürlich könnte man nun böse und zynisch sein und einfach etwas denken wie: "Ja, ist doch prima, dann üben die Alten schonmal für's Altenheim!" Soviel jedenfalls zum Thema Schwerhörige anbrüllen. Aber das ist nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, dass man es vielleicht durch eine genaue Tastenkombination relativ schnell am Laber-Rechner vorbei in die Warteschleife schafft. Den Cheat hat der Autor leider gerade vergessen, deshalb darf jeder selbst probieren, vielleicht gibt es ja auch irgendwo ein Extraleben.

Einmal in der Warteschleife angelangt ist der Spaß aber noch nicht vorbei: Es geht darum, die nötige Hartnäckigkeit an den Tag zu legen, sich nicht von der offensichtlich chronisch unterbesetzten Call-Center-Mannschaft abwimmeln zu lassen. Denn jetzt gilt es erst einmal, sich etwa 30 bis 60 Minuten die alberne Weltmusik in der Warteschleife anzuhören, regelmässig unterbrochen von einem vom Computer gesäuselten "der nächste freie Mitarbeiter wird gleich für Sie da sein." Na dann...

Telekom war's mal wieder!

Während dieser Tortur sitzt die Erbmasse neben einem, feixend. Um sich umgehend in betender Haltung auf die Knie zu werfen, wenn man es tatsächlich schafft, jemanden an die Leitung zu bekommen. Erbe gerettet, aber der Arcor-Anschluss? Eine Frage, was mit dem Auftrag sei und tatsächlich: Die Telekom sei schuld, die müsste die letzte Meile schalten. Und die Auftragsnummer erfährt man dann auch, wenn man nett fragt. Offensichtlich nimmt Arcor die Telekom gern als Sündenbock, wenn etwas nicht funktioniert. Und offensichtlich nimmt die Telekom sich mit Absicht Zeit bei der Schaltung der Mitbewerber.

"Ich habe das 15 mal probiert!" behauptet der Altvordere plötzlich und quatscht in die überaus wichtigen Verhandlungsgespräche. Schhhhh! Ruhe bitte. Was ist eigentlich mit der ISDN-Flat, wird die umgewandelt? "Nein, die ISDN-Flat muss separat gekündigt werden. Aber Moment, ich hänge sie mal eben kurz in die Warteschleife..." Auch eine Methode, seinen freien Tag zu verbringen.

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