Verkehrte Netzwelt: Filesharing unplugged - die Neunziger

Schwarzhandel

So haben wir Alben getauscht. Und richtig cool waren die Leute, die Videos überspielen konnten. Die hatten zwei Videorecorder und konnten irgendwie den Kopierschutz aushebeln. Damals durfte man das noch. War ja eh alles analog.

Aber auch damals gab es schon richtige Filesharer: Aus dunklen Kanälen trieben sie Kopien von aktuellen Spielen auf. Oft auch gecrackt, aber nicht immer. Aber das ganze ähnelte damals noch mehr einem Tauschhandel als heute: Man traf sich auf dem Schulhof oder auf dem Bolzplatz mit einem Stapel 3,5-Zoll-Disketten:

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"Haste Indy 4 dabei?"
"Klar. Macht neun Disketten."
"Hab ich. Willste Monkey Island?"
"Hab ich schon. Was ist mit Larry 5?"
"Prince of Persia könnt ich Dir geben."
"Na dann mach mal. Schuldest mir aber immer noch ein paar Disketten."

Schon damals waren Kopien illegal, und die Hersteller hatten was dagegen. Süß war damals der Kopierschutz: Mitten im Spiel wurde man unvermittelt gefragt, welches das siebte Wort in der elften Zeile auf Seite 25 in der Anleitung ist. Die Anleitung hatten sich die meisten Leute aber nicht kopiert - dafür hätte man ja Geld bezahlen müssen am Schulkopierer. Und das Geld hatte man ja meist schon für Disketten und Competition-Pro-Joysticks ausgegeben - man verschliss ja ungefähr jeden Monat einen.