RFID-Chips in Sicherheit
RFID-Phobie? Wickeln sie den Chip ein!
Christian Rentrop
Die RFID-Krise ist vorprogrammiert: Immer mehr Gegenstände des täglichen Lebens werden mit den gesprächigen Chips ausgestattet. Die Angst vieler Verbraucher: Die Erstellung lückenloser Persönlichkeits- und Bewegungsprofile. Da ist es gut, wenn jemand etwas gegen die RFID-Verpestung unternimmt.
Die Versuche der Datenschützer, RFID in ein Datenschutz-Muster zu zwängen, gleichen den Versuchen, SMS nachträglich zu verbieten: Sie sind nahezu unmöglich und niemand hält sich daran. Stattdessen setzt die RFID-Industrie auf Eigenverantwortung: Die Verbraucher müssen die Chips selbstständig deaktivieren. Die Frage ist nur, wie?
Bringt ihn zum Schweigen!
Der japanische Konzern Toppan Printing hat nun die passende Lösung entwickelt, im Gedenken an den Kaugummi: Damit der nicht mehr klebt, wickelt man ihn in Papier ein - keine dumme Idee. Analog dazu haben die Papier-Experten ein Papier entwickelt, das RFID-Chips zum Schweigen bringt: Der RFID-Chip wird eingewickelt und hält danach die Klappe.
Dabei funktioniert das Papier wie ein faradayscher Käfig. Ein faradayscher Käfig macht sich einen elektrischen Effekt zunutze, der dafür sorgt, dass sich elektrische Felder nur an der Außenseite der eines Leiters fortpflanzen. Dabei hilft eine hauchdünne Metallschicht im Inneren des Papiers, ähnlich wie bei Kaugummi-Papier. Die Dicke der provisorischen Schutzhülle beträgt nur 0,2 Millimeter, der RFID-Blocker soll ab Herbst erhältlich sein.
Chip in Quarantäne
Das Funktionsprinzip ist einfach: Da RFID-Chips ohne eigene Stromversorgung arbeiten, müssen sie von einem Lesegerät aktiviert werden. Genau hier setzt das Anti-RFID-Papier an: Dank des Faraday-Effekts können die elektromagnetischen Strahlen für die Energieversorgung des RFID-Chips nicht mehr zum Chip durchdringen. Das Resultat: Der Chip ist in Quarantäne, bekommt nichts mehr von der Außenwelt mit.
Sollte das Anti-RFID-Papier funktionieren und sich durchsetzen, könnte den Spionage-Ansinnen der RFID-Industrie recht einfach ein Schnippchen geschlagen werden. Das Kernproblem mit RFID allerdings bleibt weiterhin bestehen: Die Chips kommen immer öfter in Alltagsprodukten zum Einsatz und sind oft genug fast unsichtbar angebracht. Und wo niemand weiß, dass ein RFID-Chip funkt, da ist auch nicht mit Schutzpapieren nichts zu reissen.
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