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WLAN-Router im Test: Der Zyxel Prestige 660HW
Fortgeschrittenes Gerät mit dem (ungewollten) Sicherheits-Plus

von Christian Grohmann Uhr veröffentlicht

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Der Prestige 660HW ist nicht mehr der Jüngste. Trotzdem wartet das Gerät aus dem Hause Zyxel mit einigen Leckerbissen auf, die den aktuellen Stand der Technik immer noch vertreten. Immer funktionieren davon aber nicht alle auf Anhieb.

Der Prestige 660HW ist nicht mehr der Jüngste. Trotzdem wartet das Gerät aus dem Hause Zyxel mit einigen Leckerbissen auf, die den aktuellen Stand der Technik immer noch vertreten. Immer funktionieren davon aber nicht alle auf Anhieb.

Der Prestige 660HW, kurz P660HW, fällt unter die Klasse der alltagstauglichen All-in-One-Lösungen. Neben ihm sind im kleinen Netzwerk mit bis zu vier kabelgestützten Clients keine weiteren Netzwerkgeräte mehr nötig. Für weitere, kabellose Ports sorgt der integrierte Access-Point. Der versorgt seine Clients sogar mit dem 802.11g+ - Standard; falls die Gegenstelle diesen ebenfalls unterstützt.

Kompakte Erscheinung

Der P660HW selbst ist kaum größer als manch einfaches DSL-Modem - lediglich die vergleichsweise groß ausgefallene Antenne unterscheidet die Geräte auf den ersten Blick. Sieben LEDs signalisieren den Betriebsstatus. Schaut man sich die Rückseite an, findet man alles, was ein Router für zu Hause braucht: einen DSL-Eingang (WAN), vier LAN-Anschlüsse, einen Haupt- und einen Reset-Schalter. An der Unterseite befindet sich eine Vorrichtung zur Wandmontage.

Den P660HW liefert Zyxel in einem kleinen Karton, zusammen mit dem nötigen Zubehör: 12-Watt-Netzteil, ein kurzes WAN-Anschlusskabel, ein ausreichend langes LAN-Kabel, CD und deutsches Handbuch. Letzteres kommt uns mit seinen 55 Seiten zwar recht dünn vor, doch auf der Innenseite prangt die Bezeichnung "Kompakthandbuch" - das eigentliche Handbuch befindet sich auf der CD, ist 449 Seiten stark und in englischer Sprache verfasst.

Inhaltlich deckt das Handbuch im PDF-Format nahezu Alles ab - von der Installation eines DSL-Splitters über die TCP/IP-Konfiguration in den verschiedenen Betriebssystemen bis hin zu den Regeln für das Erstellen eines VPN-Tunnels ist alles dabei, allerdings auf Kosten der Konfigurations-möglichkeiten mancher Routerfunktionen. Trotzdem Respekt: Ein derart umfangreiches Handbuch haben wir bisher bei keinem Router gefunden.

Zu leicht installiert?

Füttert der Netzwerk-Installateur den P660HW nach dem Verkabeln das erste Mal mit Strom, hat er leichtes Spiel: Auch Clients mit fester IP-Adresse lässt der Router trotz aktiviertem DHCP-Server sofort an sich arbeiten. Das webgestützte Interface funktioniert zwar ohne Murren, die Internetverbindung lässt sich so aber nicht durchstellen - eine Störquelle, die Windows sonst als Konflikt zwischen DHCP und fester IP meldet.

Im Menü vorkonfiguriert sind die Provider AOL, Lycos und Tiscali. Bei anderen Providern ist die Eingabe etwas komplizierter, für den Profi aber nützlich. Ist dagegen der DSL-Einsteiger mit der Einrichtung fertig, könnte er leicht glauben, die Arbeit sei erledigt. Steht nämlich der P660HW unter Strom, sind gleich alle Module aktiv - darunter auch das Wireless-LAN, das sich dann ungeschützt auf jeden (Daten-)Verkehr einlässt.

Andere Hersteller machen das besser: Hier wird das WLAN erst vom entsprechenden Assistenten aktiviert. Wer schon ein bisschen Erfahrung mitbringt oder sich wirklich mit der Dokumentation auseinandersetzt, findet jedoch genug Möglichkeiten, das WLAN - und auch alles Andere - ausreichend abzudichten. Lobenswert ist die sofortige Aufforderung des Menüs, das Admin-Passwort zu ändern.

Linux-Browser: Wir müssen leider draußen bleiben

Das Konfigurationsmenü ist einfach aufgebaut - keine Grafiken, keine überflüssigen Gimmicks. Das lässt vermuten, dass kein Browser hier Probleme bereiten sollte. Stimmt aber nur teilweise - Opera und Internet Explorer unter Windows greifen zwar mustergültig zu, Konqueror und Mozilla unter Linux bekommen die Eingabeaufforderung für das Kennwort jedoch gar nicht erst angezeigt - trotz funktionierendem Internet-Zugriff.

Manche Menü-Ebenen sind allerdings etwas unübersichtlich strukturiert - so gibt es den Punkt "Media Bandbreiten-Management" gleich zweimal, aber mit unterschiedlichen Inhalten. Die Online-Hilfe popt in einem separaten Fenster auf und ist mit schlechter Übersetzung in manchen Fällen wenig hilfreich, so zum Beispiel: "Wahlen Sie ohne, nur SUA oder alle vom von Tropfen gesaten Menu aus."

Bis zur absoluten Sicherheit

Wer einmal das Konfigurations-Fenster schließt, ohne sich vorher abzumelden, verliert ganze fünf Minuten, bis er sich wieder anmelden kann - eine erneute Passworteingabe ist in diesem Zeitraum nicht möglich. Man muss warten, bis der angemeldete Admin-Account ein TimeOut erfahren hat.

In der "erweiterten" Fernverwaltung kann der Zugriff von WAN, WLAN und sogar LAN gesperrt werden. Sperrt man alle drei, ist der P660HW nicht mehr konfigurierbar - da hilft nur der Reset-Knopf. Was dem Einen als Programmierfehler aufstößt, ist für den anderen das ultimative Plus an Sicherheit: Selbst eine Brute-Force-Attacke aus dem LAN kann dem Router nichts mehr anhaben. Das erinnert sehr an Linux: Hier kann der Admin sogar seinen eigenen Account löschen.

WLAN-Sicherheit: Standard plus Blindgänger

Die Verschlüsselungstechniken WEP und WPA-PSK als auch der MAC-Filter arbeiten auf dem P660HW zuverlässig. Wie auch manch anderer Router in der gehobenen Klasse verfügt der P660HW über die Möglichkeit, einen RADIUS-Server zur Authentifizierung der WLAN-Clients zu nutzen. Wer so einen Server nicht für seine höchstens 30 WLAN-Nutzer einrichten will, soll mit einer Routerinternen Nutzer-Datenbank Ähnliches bewirken können.

Das lässt sich unter Windows aber nicht ohne Weiteres bewerkstelligen. Selbst wenn man sich durch die Authentifikations-Einstellungen gefressen hat, bleibt der Zugriff verwährt - während der Router nur unverschlüsselte Funknetzwerke mit der Nutzer-Datenbank verwalten kann, akzeptiert Windows nur solche mit WEP-Schlüssel. Ein Kommunikationsproblem, das angeblich seit dem XP-Servicepack 1 auftritt.

Schnell und gut gefunkt

In Sachen Reichweite und Geschwindigkeit überzeugt der Access-Point des P660HW: Im Vergleich mit der Reichweite des RangeMax-Routers von Netgear steht unser Prestige innerhalb eines Gebäudes in nichts nach. Die Geschwindigkeit stimmt auch, wenn spezielle 802.11g+ - Geräte zum Einsatz kommen. Dann wirbt der P660HW auch mit 100 Megabit pro Sekunde, die sich real jedoch auch an den 43 Mbit/s vergleichbarer Geräte orientieren werden.

Trumpft der P660HW noch im WLAN gegenüber einfachen 802.11g-Routern, muss er sich im Speedtest einem älteren Teledat-Modem an der gleichen 1000er-DSL-Leitung unterordnen. Durchschnittlich 3,5 Kilobyte pro Sekunde ist das Modem im Up- als auch im Downstream schneller.

Altersvorsorge

Damit ein älterer Router nicht so schnell zum Elektronikschrott wird, hat Zyxel vorgesorgt: ADSL2+-Kompatibilität und Bandbreitenmanagement (QoS) auch für Voice-over-IP mittels SIP-Protokoll sollten den P660HW bei seinem Erscheinen im Mai 2004 für die Zukunft rüsten. Das war eine gute Entscheidung - allerdings verdient das Bandbreitenmanagement auch ein eigenes Kapitel im Handbuch, denn für die wenigen Einträgen in der Online-Hilfe ist dessen Aufbau zu kompliziert.

Für den Prestige 660HW spricht inzwischen auch der Preis. Sollte das Gerät zu Beginn 249 Euro kosten, hat Zyxel die Preisempfehlung im April 05 auf 139 Euro herabgesetzt. Mancher Online-Shop unterbietet das noch einmal um bis zu 20 Euro. Unter Wert verkaufte auch Tiscali den Router nicht lange: Als subventionierte Hardware kostete der P660HW zuerst knappe 30 Euro, zeitweise gab es ihn für DSL-Einsteiger umsonst, dann waren es wieder 20 Euro.

Ein Fazit

Eine allgemeingültige Empfehlung zu geben fällt uns schwer, obwohl uns der Prestige 660HW eigentlich gefällt. Mit seinen umfangreichen Zusatzfunktionen ist er jedoch für den Unerfahrenen sicherlich eine Nummer zu kompliziert. Ein Button um die Experten-Einstellungen auszublenden oder ein Setup-Assistent wären da hilfreich.

Fortgeschrittenen Benutzern und Profis sollte der Prestige 660HW dagegen gerade recht kommen, es sei denn, man legt besonderen Wert auf die Authentifizierungs-Sonderfunktion der WLAN-Clients.

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http://www.netzwelt.de/news/71311-wlan-router-test-zyxel-prestige-660hw.html
2005-05-26 12:45:00
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WLAN-Router im Test: Der Zyxel Prestige 660HW