Dänen mit dänischen Problemen

Sicherheit: Blinder Cracker legte Telefonzentralen lahm

Eine der goldenen Regeln in James Bond-Filmen lautet: Der Bösewicht muss in irgendeiner Form behindert sein. Das heißt, dass er schlimmstenfalls nur ein halbes Gehirn hat und im Rollstuhl sitzt. Bestenfalls bedeutet es, er hat einen Schmiss im Gesicht und ist Deutscher. Irgendwie auch eine Form der Behinderung, zumindest aus britischer Sicht.

Blind und gelangweilt

Werbung

Ein solcher James-Bond-Bösewicht hat sich nun vor Gericht zu verantworten. Ein 25-jähriger blinder Däne hatte es sich zum Hobby gemacht, Telefonzentralen lahm zu legen. Darunter die Zentrale des Telekommunikations-Konzerns TDC sowie weitere Unternehmen und Behörden. Der Cracker handelte "aus reiner Langeweile", wie er sich selbst gegenüber der Richterin ausdrückte. Ist auch logisch: Für blinde Cracker fällt die Cracker-Hauptbeschäftigung schlechthin ja leider aus: Videospielen. Und dann langweilt man sich eben.

Über den Zeitraum von zwei Jahren wunderte man sich bei diversen dänischen Firmen und Behörden über völlig überlastete Telefonanlagen. Die dänische Zeitung "Politiken" berichtete, dass der Telefonterror solche Ausmaße annahm, dass die Telefonanlagen ausfielen. Behörden waren nicht mehr erreichbar, Unternehmen konnten nicht mehr telefonieren. Dabei verhinderte er auch wichtige Kommunikation, zum Beispiel zwischen Lokführern und der Eisenbahngesellschaft. Der Schaden geht in die Hunderttausende.

Telefonisches Flächenbombardement

Doch wie konnte ein blinder Mann eine derart groß angelegte Denial-of-Service-Attacke gegen eine an für sich als fehlerunanfällig geltende Infrastruktur fahren? Der Mann hat laut Politiken ein gut ausgeprägtes Zahlengedächtnis. Mit Hilfe des Internets knackte der Mann die Sicherheitscodes und bombardierte die entsprechenden Telefonnummern automatisiert via IP-Telefonie. Mit dem Erfolg, dass die Nummern und die Telefonanlage dahinter ausfielen.

Wie gefährlich seine Angriffe hätten sein können, war dem Cracker nicht bewusst. Gegenüber der Richterin sagte er, er habe "keine Ahnung" gehabt, was er mit den Attacken hätte anrichten können. Der Staatsanwalt verlangte deshalb, ambulante psychiatrische Behandlung ins Urteil einfließen zu lassen. Ideale Voraussetzungen, im Gefängnis aus dem Wannabe-Bond-Fiesling einen echten Bond-Bösewicht zu machen. 007 wird sich freuen.

Links zum Thema