Der papst ist tot, es lebe der Papst!

Gamer-Kolumne: Kommt das Spiel zum Papst?

Johannes Paul II. geht, Benedikt XVI. kommt. In der Zwischenzeit wird der kleinste Staat der Welt zum Mittelpunkt derselben; alles blickt nach Rom oder gelangt auf einem der vielen Wege dorthin. Nur die Engländer wollen in Joseph Ratzinger den 78-jährigen Hitlerjungen sehen. Ansonsten haben sich aber alle lieb. Sogar der treue Marilyn Manson-Fan kramt dieser Tage das eingemottete Gebetsbuch hervor.

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Die Wachablösung im Vatikan: ein popstargleiches Spektakel von interreligiöser Bedeutung. Selbst der miesepetrige Hardcore-Moslem scheint den Sprengstoffgürtel vorübergehend enger zu schnallen. "Papst for President", ist man im heilsgewissen Taumel zu skandieren geneigt.

Nur fehlt eine Kleinigkeit. Denn wenn große Ereignisse ihre Schatten voraus werfen, werfen findige Firmen das Spiel zum Happening gleich hinterher. Wenn mindestens ein sechstel der Weltbevölkerung für Tage und Wochen nur ein Thema beherrscht, dann wird daraus Unterhaltungssoftware, so ist das in der multimedialen Zeit. Kommt es also, das Spiel zum Papst?

Es bedarf keiner himmlischen Gabe, einem solchen Projekt reißenden Absatz zu orakeln. Papst am PC spielen, das ist doch irgendwie viel zeitgemäßer als nur olle Souvenirs à la Ratze-Rosenkranz. Welcher aufgeschlossene Katholik träumt nicht davon, einmal als Pixel-Pontifex vom Vatikanbalkon zu winken? Zuvor bestaunt man gespannt den Rauch über der Sixtinischen Kapelle. Ist er noch schwarz? Oder schon weiß? Hauptsache, er ist volumetrisch, der Rauch. Denn nur dann gibt auch der anspruchsvolle Gamer seinen Segen - Amen.

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