Ein hoffentlich abschreckendes Beispiel
Ebay-Platte: Das Persönlichkeitsprofil eines Filesharers
Michael Knott
Der Audi ist Schrott
So erfährt der wissbegierige Nutzer schnell, dass unser Festplatten-Verkäufer etwas mit dem Unfall eines Audi zu tun haben muss. Es finden sich diverse Bilder eines silbernen Audi A3, dessen Türregion überaus ungesund aussieht. Wie nach einem Seitenhieb mit einem Laternenpfahl oder etwas Derartigem. Und natürlich die Katze. Außerdem lernen wir Rudis Eltern kennen, ein Urlaubsbild, offensichtlich irgendwo unter südlicher Sonne aufgenommen, zeigt den gelangweilten Rudi zusammen mit einem mittelalten Pärchen. Das Bild heißt bezeichnenderweise "Urlaub.jpg".
Doch was treibt Rudi eigentlich so, wenn er gerade keine Dateien tauscht? Vielleicht arbeiten? Zum Beispiel als IT-Experte im Außendienst. Dafür jedenfalls spricht die Arbeitszeit-Abrechnung für Januar 2005, die sich ebenfalls im bösen Bilder-Ordner versteckt hatte. Außerdem scheint er Autofan zu sein, neben diversen Folgen "Pimp my Ride" befinden sich auch Handy-Photos von aufgemotzten Fahrzeugen im Handybilder-Ordner.
Adressensammlers Liebling
Zusätzlich befinden sich diverse Rechnungen auf dem Laufwerk, offensichtlich von Kunden. Die sind ungeschützt und könnten von bösartigen Zeitgenossen missbraucht werden. Zum Beispiel von Adressensammlern. Doch dazu sind es zu wenige. Letztendlich kann vermutet werden, dass Rudi es als Service am Kunden sah, seine vollgesharte Festplatte weiterzuverkaufen. Denn der Benutzerordner fehlt und damit die wirklich interessanten Sachen im Ordner "Eigene Dateien".
Eine kurze Zusammenfassung also: Rudi ist Anfang 20, ein Filesharer, übergewichtig und Katzenfreund. Er mag schnelle Autos und nacktes Fleisch. Er hat eine Vorliebe für Blowjobs und arbeitet als IT-Techniker im Außendienst. Seine Adresse ist der Redaktion bekannt. Genug also, um ihn mit den paar vergessenen Daten auf der Festplatte sozial zu zerlegen. Weshalb hier auf die Nennung des Heimatortes verzichtet wird.
Besser knallhart alles löschen
Der Test beweist es: Es gibt keine vollständige Sicherheit gegen Datenklau, wenn die Platte nicht wirklich gelöscht wurde. Denn bei den aktuellen Festplatten-Größen passiert es schnell, dass man den ein oder anderen Datensatz übersehen hat. Gerade bei Windows-Systemen ist das ein Problem, da die Dateisysteme von allen Betriebssystemen gelesen werden können und zusätzlich noch keine wirklich klaren Ordnerstrukturen bestehen. Unix-Systeme ordnen nämlich wenn möglich in Unterordnern des Benutzers ein. Sinnvoll, wenn man sich daran hält, dann reicht es nämlich meist, den Benutzer zu löschen und ein paar Dateien auf die Platte zu kopieren, um die Daten zu vernichten.
In Zukunft also vorsichtig sein, welche Datenträger wo verteilt werden. Festplatten und Disketten sollten komplett gelöscht werden, CDs und DVDs sollten vor der Entsorgung physisch vernichtet werden, normalerweise hilft durchbrechen. Damit niemand auf die Idee kommt, sich aus der Mülltonne Daten zu besorgen, die möglicherweise viel Geld wert sind.
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