Deutsche Webradios im Ausland schließen ihre Pforten
Webradio: Reicht der Arm der GVL bis ins Ausland?
Christoph Scholl
Noch vor wenigen Wochen berichtete die netzwelt.de vom deutschen Webradio-Sender radio42. Um den hohen GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH)-Gebühren zu entgehen, hatte sich der Betreiber des Radiosenders, Bernd Niedergesäß, dazu entschlossen, den Sendebetrieb von Hamburg nach Gambia/Afrika zu verlegen.
Dort sollte das private Radioprojekt vor den immensen Gebühren, die seit dem 1. April für Webradios aus Deutschland fällig werden, sicher sein. Oder doch nicht?
Aus "gut informierten Kreisen", wie uns Niedergesäß im Interview bestätigte, habe er erfahren, dass einige Major-Labels unter der Führung der Bertelsmann Gruppe eine Klage an die GVL vorbereiten. Darin soll die GVL aufgefordert werden, auch die deutschen Webradios, die ins Ausland abgewandert sind, in ihre Gebührenerhebung einzubeziehen.
Senden aus dem Ausland nur Schutzbehauptung
Und dazu gehören neben radio42 auch zahlreiche weitere Internet-Radioprojekte, denen die neuen GVL-Gebühren zu teuer geworden sind. Aus Angst vor einer Klage oder massiv erhöhten Gebühren, haben jetzt einige der deutschen Webradios im Ausland (so auch radio42) ihre Pforten geschlossen.
In der Klageschrift der Plattenlabels an die GVL soll davon die Rede sein, dass das Senden der Radioprogramme aus dem Ausland nur eine Schutzbehauptung der Internet-Radiomacher sei. Die verantwortlichen Personen säßen nach wie vor in Deutschland. Auch die zu den Radioprogrammen zugehörigen Internetseiten wären meist in Deutschland registriert.
Wann die Klage der Plattenlabels an die GVL geht, ist derzeit noch unklar. Bernd Niedergesäß hat jedoch schon (wie viele seiner Kollegen auch) einen Rechtsbeistand zu Rate gezogen. Man will in einem ersten Schritt prüfen, ob die neue Gebührenerhebung der GVL nicht rechtlich umgangen werden kann.
Zu wünschen wäre dies sicherlich. Sollten die beliebten Webradios tatsächlich für immer ihr Programm einstellen müssen, würde ein großes Stück Musikvielfalt aus dem Internet verschwinden.
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