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DRM: Neue Aufgaben bringen nicht nur Nachteile
Digitale Rechteverwaltungen können auch Vorteile haben

von Christoph Scholl Uhr veröffentlicht

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Von DRM (Digital Rights Management)-Systemen hört man meist nur negative Dinge. Die meisten Kunden von Download-Portalen wie dem iTunes Music Store oder Musicload würden wohl am liebsten auf die digitale Rechteverwaltung (oder wie böse Zungen behaupten: Rechtebeschränkung) verzichten.

Von DRM (Digital Rights Management)-Systemen hört man meist nur negative Dinge. Die meisten Kunden von Download-Portalen wie dem iTunes Music Store oder Musicload würden wohl am liebsten auf die digitale Rechteverwaltung (oder wie böse Zungen behaupten: Rechtebeschränkung) verzichten.

Zu kompliziert und umständlich erscheint vielen Kunden der Umgang mit den DRM-Lizenen. Diese sind beispielsweise dafür verantwortlich, dass manche Songs auf mobilen Playern nicht abgespielt werden können. Außerdem verhindern sie das Kopieren von Musikdateien (auch für den privaten Gebrauch) und schreiben vor, wie oft ein Musikstück auf CD gebrannt werden darf.

Vor allem, dass DRM-behaftete Musikdateien auf einigen (meist älteren) portablen Geräten nicht wiedergegeben werden können, sorgt bei vielen iTunes- und Musicload-Kunden für Enttäuschung. In zahlreichen Foren wird dem Frust durch Beschwerden und Diskussionen Luft gemacht.

Verständlich: Ist man als Kunde schon bereit, statt den kostenlosen Tauschbörsen, einen legalen, kommerziellen Dienst zum Download von Musik zu nutzen, darf man auch erwarten, dass die heruntergeladenen Songs auf allen Geräten abgespielt werden können.

Vorteile von DRM

Durch diese negativen Eigenschaften bekommt der Begriff DRM oft einen bitteren Beigeschmack. Dabei lassen sich DRM-Systeme für den Kunden auch durchaus vorteilhaft einsetzen.

Statt durch DRM nur Kopierschutz-Mechanismen umzusetzen, können mit Hilfe der digitalen Rechteverwaltung beispielsweise auch neue Vertriebswege erschlossen werden. Zu den besten Beispielen dafür zählen die legalen Tauschbörsen PeerImpact und Weedshare. Mit Hilfe von DRM-Systemen werden hier Möglichkeiten umgesetzt, mit gekauften Musikdateien legales Filesharing zu betreiben.

Ausführliches Probehören

Bei Weedshare etwa, kann man völlig legal Songs an Freunde und Bekannte weitergeben, die sich die Musikstücke dann ohne den Kauf der dazugehörigen Lizenz anhören können. Das klappt bis zu drei mal. Erst beim vierten Abspielversuch wird man dazu aufgefordert das Musikstück zu kaufen.

Einen so ausführlichen Hörtest bietet eigentlich nur der Plattenladen um die Ecke. Bei vielen Download-Portalen dagegen wird man meist nur mit kurzen Hörproben von einer halben Minute abgespeißt.

Superdistribution als Kundenbindung

Auch das Weiterverkaufen von Musikdateien durch die eigenen Kunden ist ein Thema, mit dem sich Projekte wie Weedshare oder PeerImpact beschäftigen - und das mit einem DRM umgesetzt wird.

Diese so genannte Superdistribution ermöglicht es den Kunden, sich durch die Weitergabe von heruntergeladenen Musikstücken etwas Geld dazuzuverdienen - vorausgesetzt der Freund oder Bekannte, an den man die Musikdatei (zunächst kostenlos) weitergereicht hat, kauft den Song auch.

Dann wird über ein DRM-System festgehalten, wer der Verkäufer des Musikstückes war. Eine kleine Provision (gutgeschrieben auf ein PayPAL-Konto oder auf einem internen Nutzer-Account) belohnt den Verkäufer des Musikstückes und soll für Kundenbindung sorgen.

Abo-Dienste anstatt Abrechnung pro Song

Die nächsten großen Umsatzerzeuger im Internet-Musik-Markt sollen Abo-Dienste werden. Statt für jeden heruntergeladenen Song einzeln zu bezahlen, soll von den Kunden eine monatliche Pauschale entrichtet werden. Die Anzahl der Downloads ist dann unbegrenzt und der Musikfan kann Songs herunterladen bis die Leitung qualmt.

Wird das Abo gekündigt, können die Songs - dank DRM - auch nicht mehr abgespielt werden. Will man die Lieder nicht nur auf dem PC hören, sondern auf CD brennen oder auf ein mobiles Gerät übertragen, muss dazu eine zusätzliche Lizenz erworben werden.

Gute Ideen - Schlechte Umsetzungen

Ob DRM-Systeme durch ihre neuen Einsatzbereiche etwas von ihrem schlechten Ruf verlieren, ist eher unwahrscheinlich. Sowohl bei Weedshare als auch bei PeerImpact und den neuen Abo-Diensten, haben die DRMs neben ihren zusätzlichen Aufgaben wie ausführlichem Probehören, Superdistribution und Abo-Verwaltung vor allem eine Aufgabe: Den Schutz vor unbbefugter Vervielfältung und Weitergabe.

Ein mehr oder weniger kompliziertes Hantieren mit Lizenzen bleibt dem User also auch bei den neuen Anwendungen von DRM nicht erspart. Dabei sind die Ansätze der Musikindustrie, mit DRM mehr Kundenfreundlichkeit zu schaffen, gar nicht schlecht. Gerade ein langes und ausführliches Probehören der Songs, sowie die Möglichkeit die gekauften Musikstücke an andere Musikfans weiterzuverkaufen, finden sicherlich Anklang bei vielen Usern.

Leider werden die neuen Features immer noch von kundenunfreundlichen Kopierschutz-Mechanismen überschattet. Solange diese immer noch für Enttäuschung und Frust bei den Usern sorgen, werden DRM-Systeme wohl auch weiterhin ein böse diskutiertes Thema (nicht nur) in vielen Internet-Foren bleiben.

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DRM: Neue Aufgaben bringen nicht nur Nachteile
Von DRM (Digital Rights Management)-Systemen hört man meist nur negative Dinge. Die meisten Kunden von Download-Portalen wie dem iTunes Music Store oder Musicload würden wohl am liebsten auf die digitale Rechteverwaltung (oder wie böse Zungen behaupten: Rechtebeschränkung) verzichten.
http://www.netzwelt.de/news/70701-drm-neue-aufgaben-bringen-nur-nachteile.html
2005-04-05 18:54:00
News
DRM: Neue Aufgaben bringen nicht nur Nachteile