Teenie-Weblogs auf AOL
AOL: Liebes Dr. Blogger-Team...
Christian Rentrop
Layout-Perversionen
Unmögliche Farben sind aber auch ein pubertärer Schutzreflex: AOL hat vor der Einrichtung des Blog-Dienstes Marktforschung betrieben. Dabei kam heraus, dass 49 Prozent aller Jugendlichen Geheimnisse lieber einem Blog als ihren Eltern anvertrauen. Doch nur 16 Prozent der Jugendlichen wollen, dass ihr Blog wirklich gelesen wird. Da kann ein möglichst perverses Layout Wunder wirken.
Spätestens, wenn die Blogs ins Triviale abrutschen, sind sie dann vollkommen uninteressant. Wenn sich zum Beispiel Martin, 15, darüber Gedanken macht, ob er mit seiner schweren Akne jemals ein Mädchen abbekommen wird. Oder wenn jugendliche Egozentriker und Narzisten ihre selbstgemalten, -geschriebenen oder photographierten Meisterwerke der Weltöffentlichkeit präsentieren, wird auch der letzte Betrachter aussteigen.
Schnell weg damit
Da tut AOL ganz gut daran, die Blogs zu löschen, wenn sie 75 Tage lang nicht aktualisiert wurden. Und das, obwohl AOL jedem Kind die Einrichtung von bis zu zehn Blogs erlaubt. Die fünf beliebtesten Blogs werden jede Woche in einem Ranking angeordnet. Auf diese Weise wird garantiert, dass das Interesse an den Web-Tagebüchern nicht so schnell abnimmt.
Ein AOL-Sprecher betonte, dass Blogs für Kinder und Jugendliche interessanter sind als gewöhnliche Websites. Zum einen, weil ein Blog sehr persönlich ist, zum anderen, weil sie dort ihre Kreativität und Individualität ausdrücken können. Und natürlich, weil man dort Kontakt zu anderen Opfern irgendwelcher pop- und jugendkulturellen Strömungen aufnehmen kann.
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