Diebe klauen Finger statt Schlüsseln

Privacy Watch: Droht eine Welt von Biometrie-Krüppeln?

Daumenabdruck oder Iris-Scan: Biometrie erhöht die Fälschungssicherheit. Das jedenfalls ist die von Politik und Wirtschaft über die neue Technik gern propagierte Theorie. In der Praxis lassen sich Daumen und Augen aber auch ohne ihren Besitzer verwenden, wie ein aktueller Fall in Malaysia zeigt. Dort schnitten Autodiebe dem Besitzer einer biometrisch gesicherten S-Klasse kurzerhand den Schlüssel-Finger ab. Droht eine Welt von fingerlosen Raubopfern mit leeren Augenhöhlen?

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Finger ab, Auto weg
  2. 2Herausgelöffelte Augen
  3. 3Skrupelloses Diebesvolk
  4. 4Biometrie muss Leben erkennen

Der Biometriker hat es leicht. Daumen hoch, schon ist die Tür offen. Oder einen kurzen Blick in eine winzige Linse - zischzisch, schon besteht Zugang zu allen Bereichen. Das ist einfach, das ist toll. Und das Beste daran: Die Schlüssel, also die Iris und die Fingerabdrücke, trägt man immer bei sich. Verlust ausgeschlossen. Oder? Manche Kriminelle sehen das offensichtlich anders.

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Finger ab, Auto weg

In Malaysia ist K. Kumaran ein reicher Mann. Deshalb besitzt er auch eine gebrauchte S-Klasse von Mercedes-Benz. Ein schöner Wagen, ein Wagen, der Neid erregt und Diebe anlockt. Das weiß auch Kumaran, lässt den Wagen mit einer biometrischen Wegfahrsperre ausstatten. Ohne Scan des Daumen respektive Zeigefingers des Besitzers lässt sich das Auto nur kurz starten, bis es den Dienst quittiert.

Als er morgens in sein Auto steigen will, fährt ihn ein Honda über den Haufen. Vier Räuber packen den benommenen Kumaran und werfen ihn in seinen Wagen. Dort wird er gezwungen, den Wagen mit seinem Schlüssel-Finger zu starten. Während der Fahrt rauben ihn die Autodiebe aus, Kreditkarte, Bargeld, Schlüsselbund. Die Diebe versuchen, die Wegfahr-Sperre zu umgehen, finden aber keine Lösung und schneiden Kumaran kurzerhand den Zeigefinger mit einer Machete ab. Danach setzen sie ihn, zum Glück lebendig, auf einer Strasse aus.

Herausgelöffelte Augen

Der Fall zeigt die Gefahren der Biometrie auf: Skrupellose Verbrecher sind durchaus in der Lage, sich relevante Körperteile anzueignen. Da ist es auch kein Problem, mal einen Daumen zu amputieren oder ein Auge herauszulöffeln. Letzteres gestaltet sich zwar schwieriger, werden doch tote Augen schnell mal trübe, doch für einen schnellen Zugang kann es reichen.

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