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Test: Innovatek Passiv XxK - Nonplusultra für den leisen PC?
Ohne Lüfter, ohne Lärm: Passive Wasserkühlung auf dem Prüfstand

von Benjamin Schnitzler Uhr veröffentlicht

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Aus dem Streben nach einem lautlosen PC kann schnell ein Teufelskreis werden. Ist der CPU-Kühler erst einmal gegen eine teureres, leiseres Modell getauscht, nervt plötzlich das Netzteil. Man steckt noch mehr Geld in eine passiv gekühlte Stromversorgung, aber der Rechner gibt noch immer keine Ruhe. Die Litanei ernüchternder Ergebnisse ließe sich beliebig fortsetzen - bis man mit Latein, Geduld und Budget am Ende ist.

Aus dem Streben nach einem lautlosen PC kann schnell ein Teufelskreis werden. Ist der CPU-Kühler erst einmal gegen eine teureres, leiseres Modell getauscht, nervt plötzlich das Netzteil. Man steckt noch mehr Geld in eine passiv gekühlte Stromversorgung, aber der Rechner gibt noch immer keine Ruhe. Die Litanei ernüchternder Ergebnisse ließe sich beliebig fortsetzen - bis man mit Latein, Geduld und Budget am Ende ist.

Den Schrecknissen zum Trotz haben wir uns dennoch auf die Suche begeben - und sind dabei auf das passive Wasserkühl-Set XxK von Innovatek gestoßen. Von "passiv" ist im Hardware-Jargon immer dann die Rede, wenn die Kühlung einer Komponente völlig ohne "aktive" Lüfter erfolgt. Egal ob groß oder klein - die schnelldrehenden Ventilatoren gelten als die Lärmquelle schlechthin, der sich nur sehr schwer beikommen lässt. Rundum-Sorglos-Paket oder Rohrkrepierer? Das ist hier die Frage.

Innovatek Set Passiv XxK

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Wasser - der "coolere" Stoff

Wasser leitet die in einem PC entstehende Wärme um ein Vielfaches besser als die hier üblichen Materialien Kupfer und Aluminium. Dennoch fällt es vielen schwer, sich der Idee eines wassergekühlten Rechners ohne Vorbehalt zu öffnen - zu Recht. Ein verirrter Tropfen auf die falsche Stelle, schon kann es zum Super-GAU für den stolzen PC-Besitzer kommen. Doch wenn man sich an die Regeln hält, ist es gar nicht so schwer, einem solchen Horror-Szenario zu entgehen. Sorgen um einen möglichen Kurschluss machen wir uns später, denn der PC bleibt vorerst im Trockendock.

Das kühlende Nass geben wir erst gegen Ende der Klempnerarbeit hinzu. Aus der großen schweren Pappkiste fischen wir uns anfangs neben Pumpe, CPU-Kühler und Radiator noch die notwendigen Schläuche. Jetzt heißt es Maß nehmen. Alle Komponenten werden dort nun ungefähr dort platziert, wo sie später einmal stehen sollen. Anschließend werden die Schläuche passend gemacht. Wichtig ist hier vor allem, dass diese beim späteren Verlegen nicht geknickt werden.

Ikea lässt grüßen: Der Zusammenbau

Die Reihenfolge spielt eine untergeordnete Rolle, solange am Ende nur ein geschlossener Kreislauf zustande kommt. Den wuchtigen, 35 Zentimeter hohen und 23 Zentimeter breiten Radiator lehnen wir hochkant an den Schreibtisch. Die elegantere Lösung wäre allerdings, ihn mit dem beigepackten Befestigungsmaterial mit der Seitenwand des PC-Gehäuses zu verschrauben. Wer die Bohrmaschine scheut, kann alternativ zu 34,90 Euro teuren Standfüßen aus Aluminium greifen.

Die Pumpe bringen wir auf dem Boden des Computergehäuses unter. Das Bohren kann man sich auch hier sparen, wenn man im Online-Shop von Innovatek weitere 13,90 Euro für eine Alu-Halterung mit Klettverschluss ausgibt. Bevor wir den CPU-Kühler der Packungsbeilage gemäß anbringen, bestreichen wir den Prozessor, hier einen einen AMD Athlon 64 3500+ für den Sockel 939, mit der obligatorischen, hauchdünnen Schicht Wärmeleitpaste. Im Lieferumfang finden sich ebenfalls die passenden Halterungen für andere AMD-Sockel sowie Intels Pentium-4-Prozessoren.

Nvidia GeForce 6800 Ultra vs. Passivkühlung

In unserem Testsystem kommt weiterhin eine Grafikkarte mit Nvidias GeForce 6800 Ultra zum Einsatz. Die UItra/2600PCX Golden Sample von Gainward ist bereits ab Werk mit dem Cool-Matic-Wasserkühler von Innovatek ausgestattet. Im Lieferumfang des Passiv XxK ist jedoch kein VGA-Kühler enthalten. Dieser dient uns im konkreten Fall lediglich dazu, das Leistungsvermögen des Sets auszuloten.

Innovatek Set Passiv XxK

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Da es sich beim verwendeten 3D-Beschleuniger zweifellos um einen der stromhungrigsten und heißesten auf dem Markt handelt, erscheint er uns dafür geradezu prädestiniert. Klagen über die Geräuschkulisse serienmäßig verbauter Kühlers sind hier an der Tagesordnung. Einen wirklich finalen Ausweg aus dieser Misere finden viele Spielbegeisterte nur bei einer Wasserkühlung - die in der Regel jedoch auch nicht ohne Lüfter auskommen.

Oberfläche statt Drehzahl

Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an - obwohl der Begriff der Oberfläche wohl der treffendere wäre. Desto mehr ein Kühler davon hat, desto besser arbeitet er, weil die Luft mehr Anlauffläche zum Kühlen findet. Schon die im Innovatek-Set enthaltene Einstiegsversion des Radiators Convect-O-Matic bringt zwei Kilogramm auf die Waage. Wer sein System übertakten oder besonders viele Komponenten kühlen will, der kann zur größeren "Maxi"- oder "Ultra"-Variante greifen, die allerdings gleich zwei bis vier Kilogramm schwerer ist.

Nun rücken wir den transparenten Schläuchen mit einer handelsüblichen Schere zu Leibe. Nach dem Zuschneiden verlegen wir diese zuerst im Innern des Rechners. Eine Leitung führt direkt von der Pumpe zum CPU-Kühler, eine weitere von dort aus zur Grafikkarte. Eine dritte verbindet den VGA-Kühler durch ein vorgestanztes Slotblech mit dem Radiator. Der letzte Schlauch führt dann vom Heizkörper zum noch verbleibenden Anschluss der Pumpe.

Letzte Maßnahmen

Jetzt vergewissern wir uns noch einmal, dass alles richtig sitzt, und schließen zur Stromversorgung einen freien 12-Volt-Stecker - wie er auch an Festplatten und optischen Laufwerken zu finden ist - an die Pumpe an. Jetzt befüllen wir den zuvor an die Pumpe gesteckten Ausgleichsbehälter mit der richtigen Mischung aus destiliertem Wasser und Korrosionsschutz und lassen ihn offen. Randvoll machen wir ihn jedoch erst später. Nun können wir unser Testsystem endlich wieder einschalten.

Testumgebung
Gehäuse
Silentmaxx ST-11 Midi (schallgedämmt)
Netzteil
Silentmaxx Fanless PCS-350W (passiv)
Mainboard
MSI K8N SLI, Chipsatz nForce 4 SLI
Prozessor
AMD Athlon 64 3500+, 2,2 GHz, Sockel 939
Kühlung
Innovatek Set Passiv XxK
RAM
TwinMOS TwiSTER, 2x512 MByte DDR400
Grafikkarte
Gainward UItra/2600PCX Golden Sample, Nvidia GeForce 6800 Ultra
Festplatte
Samsung SpinPoint SP16141N, 7.200 U/min, 8 MByte Cache, Silentmaxx HD-silencer Rev. 2.0

Ein leises Gurgeln signalisiert das Arbeiten der Pumpe, sonst ist außer einem leichten Brummen kaum etwas zu hören. Nun muss allerdings noch die Luft aus dem Kühlkreislauf. Deshalb kippen wir solange Flüssigkeit nach, bis keine Luftbläschen mehr durch die Schläuche sausen. Dann können wir den Ausgleichsbehälter getrost bis zum Rand füllen - aber so, dass der Deckel noch passt und kein Wasser in den Rechner gerät. Danach schließen wir die Seitenwand des Gehäuses wieder.

Innovatek Set Passiv XxK

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Endlich Stille

Wieder auf dem Schreibtischstuhl angekommen, will der Tester seinen Ohren kaum trauen: unser Testsystem verhält sich absolut still - uns fällt sogar auf, dass der Monitor ja auch noch ein gewisses Geräusch von sich gibt. Aus dem eben erwähnten Brummen wird ein ferner, unbestimmter Basston. Doch mit einer vibrationsschluckenden Lagerung der Wasserpumpe verschwindet selbst dieses. Selbst im Dauerbetrieb sollte es nicht wiederkehren. Während des Betriebs erwärmt sich der Radiator auf etwa 45 Grad Celsius - was die hauseigene Zentralheizung aber leider noch nicht überflüssig macht.

Temperaturen (Last)
Prozessor
62 °C
Mainboard
57 °C
GPU-Kern
67 °C
Umgebung
57 °C

Praktischerweise schaltet sich die Wasserkühlung synchron mit dem Rechner ein und aus. So heißt es nur dann "Wasser marsch!", wenn es wirklich nötig ist. Zur Temperaturmessung unter Last lassen wir Futuremarks 3DMark05 zwei Mal hintereinander durchlaufen, für den Normalbetrieb geben wir dem System eine Viertelstunde Zeit zum Abkühlen. Um ein vollkommen passiv gekühltes System zu simulieren, halten wir zudem den kleinen Mainboard-Lüfter an, was man im Normalfall eigentlich nicht tun sollte.

Temperaturen (Normalbetrieb)
Prozessor
57 °C
Mainboard
54 °C
GPU-Kern
62 °C
Umgebung
52 °C

Ruhe statt rohe Leistung

Andere Wasserkühl-Systeme, aber auch manche Lüfter-Lösungen, die mehr Wert auf Leistung als auf einen niedrigen Geräuschpegel legen, erreichen zwar niedrige Temperaturen, gehen aber um einiges lauter zu Werke. Dass das Mainboard bei der Messung sehr heiß wird, ist auf den abgeklemmten Lüfter zurückzuführen. Wer sein System dauerhaft stabil und leise halten möchte, der sollte sich nach einer - möglicherweise wassergekühlten - Alternative umsehen.

Innovatek Set Passiv XxK

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Das Innovatek Set Passiv XxK arbeitet derart leise, dass es ein schallgedämmtes Gehäuse überflüssig macht. In einem "nackten", günstigeren Standardgehäuse dürfte es etwa zehn Prozent weniger hitzig zugehen. Doch selbst in stickiger Testumgebung bietet die Wasserkühlung genügend Leistung für einen sorgenfreien Betrieb des PCs.

Fazit

Von netzwelt.de erhält das Innovatek Set Passiv XxK die volle Punktzahl, weil es einen überaus gelungenen Kompromiss zwischen Geräuschentwicklung und Kühlleistung darstellt. Bei aller Begeisterung sind uns dennoch einige Dinge negativ aufgefallen. Zum einen ist die Installation für den Laien recht kompliziert und zeitraubend, zum anderen ist das Rundum-Sorglos-Paket nicht gerade billig: satte 289 Euro müssen für den leisen Luxus berappt werden. Doch dafür entschädigt dank der sehr guten Erweiterbarkeit das Vermögen, seine Nerven auch dauerhaft zu schonen.

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Aus dem Streben nach einem lautlosen PC kann schnell ein Teufelskreis werden. Ist der CPU-Kühler erst einmal gegen eine teureres, leiseres Modell getauscht, nervt plötzlich das Netzteil. Man steckt noch mehr Geld in eine passiv gekühlte Stromversorgung, aber der Rechner gibt noch immer keine Ruhe. Die Litanei ernüchternder Ergebnisse ließe sich beliebig fortsetzen - bis man mit Latein, Geduld und Budget am Ende ist.
http://www.netzwelt.de/news/70350-test-innovatek-passiv-xxk-nonplusultra-leisen-pc.html
2005-03-09 18:00:00
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