Ein Mittel gegen den Oma-bedingte-Kassenstau

Biometrie: Supermarkt nimmt Fingerabdrücke

"Dreizehnsiebenunfuffzisch" schallt es durch den Supermarkt. Was denn? Brötchen, Gummibärchen, Euro? An der Preisnennung in breitem Dialekt wird schnell klar: Man befindet sich bei EDEKA, dem führenden deutschen Lebensmittel-Einzelhändler. Hier kann man seine Mettbrötchen neuerdings mit den Fingern bezahlen.

Milka mit Sauerkraut

Zumindest in der EDEKA-Filiale in Rülzheim, Pfalz. Der selbstständige, unter EDEKA-Flagge segelnde Kaufmann Roland Fitterer hat dort zusammen mit dem Biometrie-Anbieter it-werke einen Supermarkt eröffnet, in dem via Fingerabdruck-Scan bezahlt werden kann. Das ist praktisch, muss man doch nicht lange nach der Bankkarte suchen oder im pfälzischen Winter einen Umweg an der Sparkasse vorbei nehmen, wenn es der schwangeren Freundin kurz vor Geschäftsschluss nach Milka mit Sauerkraut gelüstet.

Werbung

Die Basis für das System bildet das digiPROOF-Verfahren, eine Erfindung des Lahrer it-werke. Das System ist speziell für Geschäftsabläufe wie im Einzelhandel optimiert. Interessierte Kunden können einen Fingerabdruck-Satz hinterlegen und sich ins Lastschrift-Verfahren einzutragen. Danach können sie sich an der Kasse biometrisch identifizieren lassen und bargeldfrei bezahlen.

Biometrie kann helfen

Eigentlich das ideale System für die allgegenwärtigen Portemonnaie-Kram-Omas, die die Geldbörse grundsätzlich erst nach Nennung des Preises überhaupt aus der Handtasche heraussuchen. Die könnten sich dann nämlich das langwierige Kramen nach Cent-Stücken sparen. Allerdings ist fraglich, ob sie das überhaupt wollen, fast könnte man meinen, das Ritual des Bargeld-Kramen diene dem Zweck der Kontaktaufnahme. Netzwelt.de spricht sich hiermit für die verpflichtende Biometrie-Bezahlung für Frauen ab 60 und gegen den Oma-bedingten Kassen-Stau aus.

Am digiPROOF-Verfahren gibt es einen klaren Vorteil gegenüber althergebrachten Fingerabdruck-Methoden. Dort wurde normalerweise trotz Fingerabdruck-Authentifizierung eine Checkkarte gebraucht, der Fingerabdruck war nur Ersatz für die Unterschrift. Mit digiPROOF hingegen kann der Kunde direkt mit seinen Fingern bezahlen, das System simuliert dabei eine EC-Karte.

Günstige Lösung

Die Betreiber hoffen, mit der Biometrie-Ausstattung die Kosten zu senken. Auch die Kundenbindung soll erhöht werden. Weitere fünf EDEKA-Märkte von Fitterer sollen in Zukunft ebenfalls mit dem digiPROOF-Verfahren ausgestattet werden. Durch die eigene Kundendatenbank lassen sich die Kosten noch weiter senken, weil zum Beispiel Mahnungen direkt aus der Kundendatenbank und nicht über die EDEKA-Verwaltung verschickt werden müssen.

Insgesamt rechnet Kaufmann Fitterer damit, dass rund 15 Prozent der Kunden auf den die Biometrie-Lösung setzen werden. Die Märkte werden täglich von etwa 1500 Kunden besucht, von denen dann rund 200 auf die Biometrie-Lösung setzen würden. Das entspricht übrigens ungefähr der Quote der Frauen ab 60 in der Bevölkerung. Insofern kann man EDEKA-Kaufmann Fitterer nur zu seiner Entscheidung gratulieren.