Wenn der Schokoriegel die Monsterhatz unterbricht
Werbung in Computerspielen
Gamer-Kolumne
Das Sturmgewehr im Anschlag schleicht der Spieler durch einen maroden Korridor. Irgendwer, irgendetwas lauert hinter einer der vielen Türen. Eine kaputte Neonröhre flackert nervös. Hell, dunkel. Hell, dunkel. Plötzlich ein unheilvoller Laut, ein Fauchen. Da! Im Blinzeln des Lichts taucht eine grässliche Gestalt auf - nur einen Handgranatenwurf entfernt. Hell. Dunkel. Immer näher kommt der Unhold, derweil sein Knurren bedrohlicher wird, das Flackern der Neonröhre heftiger. Das Sturmgewehr spuckt die erste Fuhre Blei aus. Im Feuerschein der Waffe zeichnet sich eine gräuliche Fratze ab. Was dann folgt, ist so schrecklich; der zartbesaitete Leser täte gut daran, den nächsten Satz zu überspringen:
In sympathisch hellen Farben werben vertraute Firmen für Knabberspaß und DSL-Tarife - bildschirmgroß, zu beschwingter Musik!
Zugegeben, ganz so dreist wird man dem Spielervolk keine Verbrauchertipps unterjubeln können, aber die Welt der Spiele dürfte die längste Zeit eine reklamefreie Zone gewesen sein. Denn mit neuen Vermarktungsstrategien zielt die Industrie auf die Geldbeutel alljener, die mit der virtuellen Waffe in der Hand auf andere zielen. Die Firma Massive Incorporated (nicht zu verwechseln mit den Machern des Actionspiels "Aquanox") will Computerspiele zu einer Plattform für Werbung machen.
Seit mehr als zwei Jahren arbeitet das US-Unternehmen an einem Werbenetzwerk für Spiele, dem so genannten Massive Video Game Advertising Network. Namhafte Firmen wie Ubisoft (Splinter Cell) und Vivendi Universal (World of Warcraft) hat Massive bereits von dieser Idee überzeugt.
Das Prinzip des In-Game Advertising ist mit traditioneller Onlinewerbung vergleichbar, die Einblendung erfolgt in Echtzeit über das Internet. Performance und Gameplay der betreffenden Spiele sollen dabei nicht beeinträchtigt werden. Die Vorfreude der Spieler hält sich vermutlich dennoch in Grenzen, außer, wenn etwa durch Bandenwerbung in einer Fußballsimulation der Authentizität Rechnung getragen wird.
Für Publisher und Werbetreibende könnte die neue Vermarktungsform hingegen das Tor zu einer neuen Dimension öffnen. Man denke nur an die Zugkraft eines Vehikels vom Schlage eines "World of Warcraft". Es bleibt also abzuwarten, wie lange die Auktionshäuser in der stark bevölkerten Rollenspielwelt noch frei von eBay-Logos bleiben werden.
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