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02.03.2005
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Britische Studie beweist: Kameraüberwachung bringt nichts

Studie: Wenn der Große Bruder erblindet

Christian Rentrop

Überwachungskameras sollen abschrecken. Das jedenfalls ist die vielzitierte Rechtfertigung der Stadtverwaltungen, wenn sie irgendwo neue elektronische Augen aufstellen. Nun tritt zu Tage, was Kritiker schon lange befürchteten: Die Kameras sind wirkungslos. Das jedenfalls belegt eine britische Studie.

Keine Abschreckung

London, Hauptstadt des zerbröckelten britischen Empires, ist die wohl bestüberwachte Stadt der Welt. Die knapp 8 Millionen Einwohner werden von rund 500.000 Kameras bespitzelt. Sinn und Zweck ist es, das Verbrechen in London zu bekämpfen. Dummerweise lassen sich Jack the Ripper und seine Nachfolger nicht vom großen Bruder abschrecken, wenn man der Studie glaubt, die das Innenministerium von Grossbritannien durchgeführt hat.

Das 176 Seiten umfassende Dokument zeigt die Ergebnisse einer umfassenden Erhebung: Die britische Regierung wollte herausfinden, wie sich die Videoüberwachung auf die Kriminalitätsrate auswirkt. Das Innenministerium rechnete mit einem starken Sinken der Kriminalitätsraten in London - und wurden enttäuscht. Die Kriminalität blieb auf dem gleiche Niveau wie vor der Kamera-Inflation.

Gefährliche Stagnation

Die Studie, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Uni Leicester durchgeführt wurde, hat 14 unterschiedliche Kamerasysteme unter die Lupe genommen. Diese waren in Stadtzentren, Wohngegenden, Parkhäusern und Krankenhäusern postiert. Einzig bei den kameraüberwachten Parkhäusern ließ sich ein Rückgang der Kriminalitätsrate verbuchen. Alle anderen Bereiche verbuchten ein gleiches Level oder sogar eine Zunahme der Kriminalität.

Zudem wurden die Schattenseiten der Überwachung sichtbar: Zum einen setzt eine gewisse Gewöhnung der überwachten Bevölkerung ein. Man merkt, dass die Kameras zwar da sind, es gibt aber keinen direkten Bezug zum begehen einer Straftat. Die Konsequenzen mögen Kamera-gestützt erfolgen, der direkte Brückenschlag allerdings ist psychologisch nicht machbar. Insofern wurden besonders Gewaltverbrechen, zum Beispiel Raubüberfälle oder das britische Lieblingshobby "Kneipenschlägerei" gerne vor laufender Kamera durchgeführt.

Einfacher Stellungswechsel

Andere Verbrechensarten, zum Beispiel die Drogenkriminalität oder Prostitution, verschoben sich mit der Kamera-Überwachung in andere, weniger bewachte Bereiche. Aufgeschoben ist also nicht aufgehoben, kann man in Sachen Kriminalität fast sagen. Denn gerade die Drogenszene ist sehr hartnäckig, was ihre Konsistenz angeht. Dabei sind die Süchtigen aber durchaus in der Lage, regelmässig ihre Treffpunkte zu wechseln.


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News Flash, am 02.12.2008 01:55

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