Siemens entwickelt in Zusammenarbeit mit Mainconcept neues Kompressionsverfahren
Innovation: Streaming in DVD-Qualität per DSL-Anschluss
Home Entertainment
Geht es nach den DSL-Providern, werden die Konsumenten demnächst auch ihren Fernseher an das Internet anschließen. "Video on demand" ist ein Service, mit dem T-Online, Freenet oder AOL Geld verdienen wollen. Siemens hat nun in Zusammenarbeit mit Main Concept ein Kompressionsverfahren entwickelt, mit dem Nutzer mit ihrem DSL-Anschluss Videos per Stream in PAL-Auflösung (720x576) empfangen können.
Bislang reicht die hohe Übertragungsleistung der DSL-Anschlüsse nicht aus, um die großen Bildmengen genügend schnell in hoher Qualität an den Fernseher zu übertragen. Für gewöhnlich werden Videos mit dem etablierten MPEG-2-Verfahren übertragen - zum Beispiel beim neuen Digitalfernsehen DVB-T. Die Datenübertragungsrate beträgt dabei rund vier Mbit.
Empfang der Daten mit DSL 2000 möglich
Ziel der Siemens-Forscher war es, diesen Wert auf unter zwei Mbit zu drücken, um einen Empfang mit DSL-2000-Anschlüssen zu ermöglichen. Auch sie nutzen für ihre Übertragung letztlich den MPEG-2-Standard, allerdings nur als Vehikel.
So besteht ein MPEG-2-Signal aus einem Transportstrom und einem Informationsstrom. Während sich in dem Informationsstrom die Audio- und Videodaten befinden, enthält der Transportstrom die Informationen über die Synchronisation der Audio- und Videodaten.
Während der MPEG-2-Transportstrom unangetastet blieb, gelang es den Forschern innerhalb des Informationsstroms MPEG-2 durch H.264 (MPEG 4 AVC) zu ersetzen. Der neue Standard bietet deutlich höhere Kompressionsraten. Das Problem: Die Datenmenge eines Videosignals ändert sich ständig. Bei bewegten Szenen etwa verändern sich zugleich viele Bildpunkte - die Datenmenge wird größer. Beim Standbild hingegen ist sie entsprechend gering.
Trotz schwankender Datenmengen gleichmäßiger Datenstrom
"Unser Ziel war es, trotz dieser Schwankungen einen gleichmäßigen Datenstrom zu erzeugen, also die Daten gewissermaßen in gleich große Päckchen zu packen und in gleichmäßigen Abständen auf die Reise zu schicken", sagt Marcel Wagner, Projektleiter bei Siemens Corporate Technology.
Solche gleichmäßigen Datenflüsse lassen sich über die schon existierende DSL-Infrastruktur ohne große Probleme übertragen. Mit einer neuen Set-Top-Box, die von Siemens entwickelt wurde und den H.264-Standard decodieren kann, können die digitalen Informationen am Fernseher betrachtet werden.
Grundsätzlich ist das Verfahren nun marktreif. Siemens gab allerdings nicht bekannt, wann die ersten Produkte auf den Markt kommen, die das Verfahren nutzen. Neben der Home-Entertainment-Branche sind auch Anwendungen in der Medizintechnik geplant.
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