Witzbold verunsichert Tsunami-Opfer
Tsunami-Mails: 6 Monate Haft für einen schlechten Scherz
Sicherheit
Verrückte gibt es wie Sand am Meer. Das wird spätestens beim Blick auf die Privatfernseh-Landschaft klar. In Sendungen wie "Die Burg" agieren gleich ein Dutzend Irre und probieren, ihre Vorstellungen von Unterhaltung an den Mann zu bringen. Allerdings hat der Zuschauer hier die Wahl: Ein Druck auf die Fernbedienung, und vorbei ist der Spuk im alten Gemäuer.
Keine Wahl hingegen hatten einige Angehörigen der Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien. Die nämlich wurden Opfer eines durchgeknallten Witzboldes. Der hatte sich einen zynischen Scherz erlaubt: Er erklärte kurzerhand Tsunami-Opfer für tot, deren Namen auf der Website des britischen Fernsehsenders Sky News veröffentlicht wird.
Schmerzen im Herzen
Das wäre an sich ja nicht so schlimm gewesen. Dummerweise tat er das nicht im kleinen Kreis oder bei den Behörden, sondern direkt bei 35 Angehörigen. Deren Email-Adressen waren neben den Namen der gesuchten Personen auf der Website veröffentlicht. Grund genug für den selbsternannten Spaßvogel, sich per Email zu melden.
So schickte er 35 Emails an die Angehörigen, in denen hochoffiziell erklärt wurde, dass die Vermissten bereits in den ewigen Jagdgründen weilten. Völlig ohne Begründung, einfach so zur persönlichen Unterhaltung. Mit entsprechenden Folgen bei den Empfängern, die, ohnehin bereits aufgewühlt, den Emails Glauben schenkten. Allerdings erstatteten einige auch Anzeige und so kam Scotland Yard dem Täter auf die Schliche.
Mildernde Umstände? - Vergessen Sie's!
Der Anwalt des Täters bat vor Gericht um Nachsicht für den 40-jährigen Briten. "Ein Moment des Wahnsinns" hätte den Täter zu seiner Tat gebracht, verursacht durch schwere persönliche Probleme. So habe er ein schwer krankes Kindes, seine Mutter haben Brustkrebs, sein Vater die Folgen eines Schlaganfalls und die Tante Alzheimer.
Mildernd wirkten sich diese Umstände nicht aus. Die Richter ließen die Entschuldigungen nicht gelten. Nicht im Wahn, sondern mit Vorsatz habe der Täter gehandelt. Dafür spreche, dass er sich für die Herzschmerz-Attacke extra einen Email-Account mit falschen Benutzerdaten eröffnet habe. Es seien klare Elemente der Planung zu erkennen. Entsprechend hoch wurde die Tat honoriert: Sechs Monate Zuchthaus für den wohl geschmacklosesten Witz im Königreich seit Prinz Harrys Rommel-Rummel.
Weitere Artikel zum Thema
-
Australischer Richter: Die Simpsons sind echte Personen
Mann wegen Besitz von pornografischen Comics verurteilt
-
Tutorial: Dem Phisher vom Haken springen
Bleiben Sie gelassen bei Phishing-Attacken
-
Test: Das Spam-Experiment
Ein Autor, ein Mailprogramm und ein Monat Spam
Mehr über: Internet, Urteil
Diskutieren Sie zu diesen Artikel im Forum!
Neues Thema eröffnen
Tsunami-Mails: 6 Monate Haft für einen schlechten Scherz
Was sagen Sie dazu?
nach oben



