Versicherer wollen nicht auf Gentests verzichten
Gentests: Versicherungen auf dem Gen-Trip
Eine schöne Vision: Doppelt Lebensversicherung zahlen, weil der Gentest eine erbliche Neigung zu Krebs offenbart. Die Diskriminierung genetisch schwächerer - noch ist das eine Horrorvision, die allerdings schon in Kürze Wirklichkeit werden könnte.
Denn die Versicherungsunternehmen begehren auf. Noch bis zum Jahr 2011 per Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Gentests verdonnert, wollen sich die Unternehmen das grundsätzliche Recht auf Gentests nicht nehmen lassen. Das allerdings widerspricht dem neuen Entwurf des Gendiagnostikgesetzes.
Das nämlich sieht vor, Versicherungen in Deutschland künftig grundsätzlich den Einsatz von Gentests zu verbieten. Weder sollen sie solche Tests selbst durchführen dürfen, noch sollen sie Einblick in Gentests Dritter, zum Beispiel der im Rahmen von Fahndungen erhobenen, bekommen. Auch die Ergebnisse sollen den Versicherungen vorenthalten werden, aus gutem Grund: Die Versicherungseinstufung via Gentest verstösst gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz.
Das rief nun Achim Regenauer auf den Plan, Chefarzt der Münchener Rückversicherung und Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Genetische Testmethoden" des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft. In der aktuellen "Technology Review" spricht er sich klar gegen dieses Verbot aus: "Wir stehen erst am Anfang einer faszinierenden Entwicklung, deren Ausgang derzeit nicht bestimmbar ist. Gentests werden dabei eine wichtige Rolle spielen."
Regenauer betont, dass Versicherungsunternehmen auf der ganzen Welt in Zukunft keine eigenen Gentests durchführen werden, solche Tests also, die wie die ärztliche Untersuchung vor Abschluss einer Versicherung Pflicht wären. Stattdessen wollen die Versicherer aber Einblick in die Ergebnisse eventuell durchgeführter Gentests haben.
Diese sollen automatisch an die Versicherer weitergeleitet werden, so wie das bereits mit anderen Daten des Versicherten geschieht, Blutdruck und Ultraschall-Ergebnisse, zum Beispiel. Insiderwissen, so Regenauer, verschaffe dem Patienten Vorteile gegenüber der Versicherung. Und begründet: "Unser Geschäft ist das Risiko. Krankheiten, die sicher auftreten werden, kann man nicht versichern."

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