Datenschützer rebellieren
DNA-Tests: Ausweitung nicht sinnvoll
Verbrechensbekämpfer haben es schon schwer. Immer, wenn sie eine geniale Idee haben, Verbrechern das Handwerk zu legen, kommen die Datenschützer und machen alles kaputt. So auch im Fall Mooshammer. Die Ermittler fordern weitere Befugnisse, die Datenschützer halten dagegen. Und so wird wohl der Gentest den typisch deutschen Weg gehen: Alles bleibt, wie es ist, nur schlimmer.
Inhaltsverzeichnis
- 1Gen-Test als Ermittlungskrücke
- 2Geier unter der Sonne des Erfolges
- 3Bagatellverbrechen DNA-Analyse
- 4Mit Kanonen auf Spatzen
Gen-Test als Ermittlungskrücke
Manchmal, ganz selten, schaffen Boulevard-Themen den Sprung in die Tagesschau. Zum Beispiel, wenn englische Prinzen zynische Späße über das Dritte Reich machen. Oder wenn ein exzentrischer Modeschöpfer tot aufgefunden wird, das Telefonkabel noch um den Hals. Wenn solche Themen den Absprung schaffen, dann haben sie oft weitreichende Folgen für den Rest der Republik. Beim Fall Mooshammer sollte das nicht anders sein.
So wurde der Täter, ein 25-jähriger Iraker und hauptberuflicher Strichjunge, binnen weniger Tage von den Ermittlern via Gentest ausfindig gemacht. Die DNA-Probe hatte der Mann irgendwann einmal freiwillig im Rahmen der Ermittlungen zu einem anderen Verbrechen abgegeben. Sie war gespeichert worden, Treffer und versenkt. Der Täter sitzt ein und der aufmerksame Beobachter fragt lieber nicht, von wo genau die Polizei die DNA-Probe des Täters her hatte.
Geier unter der Sonne des Erfolges
Die Münchener Polizei sonnt sich im Licht des schnellen Ermittlungserfolges und kaum, dass einmal irgendwo in Deutschland etwas mit dem Wort "Erfolg" gekrönt wird, kommen auch schon die Politiker gelaufen. Wie die Hyänen kreisen sie um den Kadaver Mooshammers und nehmen den Mord am Modemann als Vorwand, weitere bürgerrechtliche Restriktionen durchzusetzen. Eine Ausweitung der DNA-Analyse sei unabwendbar, ja sogar verpflichtend für die schnelle Aufklärung von Verbrechen.
Das jedenfalls fordern Politiker der großen Volksparteien. So merkte Edmund Stoiber von der CSU an: "DNA-Analysen führen dazu, dass Täter nicht mehr ungestraft davon kommen". Die Liberalen, FDP wie Grüne halten dagegen, schließlich sei aus dem genetischen Fingerabdruck wesentlich mehr über eine Person in Erfahrung zu bringen als mit einem klassischen Fingerabdruck. Der Begriff "genetischer Fingerabdruck" gilt ohnehin als Euphemismus.
