Wenn Microsoft Spione jagt...
Test: MS Antispyware killt Filesharing-Tools
Christian Rentrop
Ein Antispyware-Tool von Microsoft - was nach Satire klingt, ist seit dem 6. Januar bittere Realität. Denn ganz im mafiösen Stil des Software-Unternehmens wird manch harmlose Software gleich als Spyware miterkannt. So zum Beispiel Filesharing-Tools wie Kazaa Lite oder eMule.
Spionage-Killer im Test
Netzwelt.de hat sich die Mühe gemacht, den Anti-Spionage-Hammer aus Redmond einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Fast schüchtern als "Beta1" gekennzeichnet, sollen wohl selbsternannte Tester unter dem Vorwand der Fast-Alpha-Version davon abgehalten werden, ihre Kritik kund zu tun. Denn: "Beta1" suggeriert, dass weitere Beta-Versionen folgen. Und schreit förmlich heraus: "Nicht böse sein, wenn was nicht klappt, in der nächsten Version wird es besser."
Wir haben natürlich nur die Funktionen getestet, die bereits ordentlich funktionieren, fast zu gut, möchte man meinen. Denn Microsoft AntiSpyware erkennt ziemlich viele Spyware-Prozesse. Dumm nur, wenn es sich dabei nicht um Spyware handelt, wie im Fall einiger Filesharing-Programme. Sie werden als Spyware-Überträger, im MS-Beta-Sprech "Ad-Bundler" erkannt und zur Entfernung vorgeschlagen.
Die Sache mit den Filesharing-Tools
Ad-Bundler sind Programme, die Spyware auf den Rechner schleusen. Microsoft tut natürlich gut daran, derartige Programme durch seinen Spyware-Killer erkennen zu lassen. Schließlich sind Filesharing-Tools gerne mal die Transportmittel für eine ganze Armee von Parasiten. Insbesondere der erst kürzlich zur meistverbreiteten Spyware gekürte Kazaa Media Desktop ist in dieser Hinsicht wegbereitend, verteilt er doch gleich mehrere Hände voll Ad- und Spyware im System.
msantispy
Für Großbildansicht auf ein Bild klicken.Während die Erkennung des Kazaa Media Desktop als Ad-Bundler also durchaus in Ordnung ist, erkennt Microsoft auch das völlig Spyware-bereinigte Kazaa Lite als potentiellen Übeltäter. Und nicht nur das, auch diverse andere P2P-Tools werden als "Ad-Bundler" angezeigt: Grokster, eDonkey, eMule und Morpheus, um nur einige zu nennen. Ein Teil dieser Programme war und ist niemals mit Spyware verseucht gewesen.
Harmlos oder nicht?
Dabei werden selbst harmlose Registry-Einträge von Microsofts Spyware-Jäger bemängelt. Das Programm quengelt über jeden in irgendeiner Form Kazaa-relevanten Eintrag in der Registry, sogar über simple Konfigurationseinträge wie "MaxSearchResults", der die Zahl der Suchergebnisse angibt. Offensichtlich legt Microsoft Wert darauf, dass möglichst viele Treffer in der Ergebnisliste erscheinen.
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