Sie sind hier:
 

U-R2: Probleme beim DSL-Anschlusswechsel
Der deutsche DSL-Quasi-Standard und seine Tücken

von Christian Grohmann Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

So einfach ist das heute: Wem der T-DSL-Anschluss zu teuer, zu monopolistisch, oder einfach nur zu rosa ist, wechselt zu einem anderen DSL-Anbieter. Dank des tobenden Preiskampfes fallen die Anschlussgebühren meist weg, und auf subventionierte Hardware und damit verbundener Vertragslaufzeit kann man ja schließlich verzichten, solange die Ausrüstung noch vorhanden ist.

So einfach ist das heute: Wem der T-DSL-Anschluss zu teuer, zu monopolistisch, oder einfach nur zu rosa ist, wechselt zu einem anderen DSL-Anbieter. Dank des tobenden Preiskampfes fallen die Anschlussgebühren meist weg, und auf subventionierte Hardware und damit verbundener Vertragslaufzeit kann man ja schließlich verzichten, solange die Ausrüstung noch vorhanden ist.

Wehe aber, Modem oder Router gehören zu den Hardware-Exoten, und werden vom neuen Netzbetreiber gar nicht unterstützt. Oder schlimmer noch: Der hinter jeder Offerte eine Vertragsbindung vermutende Kunde hat die kostenlos zu leihenden Gerätschaften dankend abgelehnt, um dann festzustellen, dass selbst an seinem gängigen Markengerät die (Synchronisations-) Lichter ausgehen.

Hätte er einen Blick in AGB oder FAQ seines neuen Netzbetreibers geworfen, hätte er sicherlich lesen können, dass ihm ein Standard-Modem mit U-R2-Schnittstelle praktisch gar nichts nützt. Jetzt heißt es also doch noch, Modem und Splitter nachbestellen. Bei diesem Hin und Her sehnt man sich doch fast nach den Jahren um den Milleniumswechsel zurück, als allein T-DSL eine Möglichkeit darstellte, ohne größeren Aufwand, aber dafür mit Highspeed ins Internet zu kommen.

Früher war alles besser?

Einfacher war es sicherlich: Gehörte man zu den Glücklichen, bei denen T-DSL verfügbar war, brauchte man sich nur um Bestellung und Installation zu kümmern. Auswahlmöglichkeiten für die Hardware gab es nicht: Das Modem war entweder von Alcatel, ECI oder Siemens, wurde zusammen mit dem Splitter von der Telekom kostenlos gestellt, und alle waren glücklich.

Nicht ganz - denn mit der Unbeschwertheit war es vorbei, sobald das Modem wegen Umzug oder Verkauf seinen Einsatzort wechseln sollte - das ging meistens in die Hose. Schuld daran waren unterschiedlichste Schnittstellen zwischen Modem und Vermittlungsstellen in den einzelnen Regionen: Die in Deutschland übliche ADSL-Definition "Annex B" lässt nämlich noch so viele Variablen offen, dass nur aufeinander abgestimmte Geräte miteinander kommunizieren konnten.

U-R2 auf dem Vormarsch

Die Inkompatiblitäten, die in der DSL-Aufbauphase niemanden gestört hatten, entwickelten sich zunehmend zum Problem. Nicht zuletzt deshalb, weil Siemens bei bestimmten Gerätecodierungen Lieferschwierigkeiten hatten. Endlich war die Nachfrage nach Highspeed-Internet da, jetzt wollte die Telekom niemanden mit langer Wartezeit abschrecken. Außerdem war der Modem-Verleihbetrieb nicht gerade ertragreich.

Anfang 2001 definierte die Telekom den netzeigenen Standard U-R2, zusammengefasst in der Technischen Richtlinie 112 (1TR112). Dieser baut größtenteils auf die ITU-Empfehlung G.992.1 auf. Die auf Anfrage erhältlichen Spezifikationen ermöglichten es den Geräteherstellern, an allen T-DSL-Anschlüssen funktionierende DSL-Modems zu produzieren und selbstständig zu vertreiben. Das Interesse der Hersteller war groß - schließlich eröffnete sich ein ganz neues Marktsegment.

U-R2: Standort-, system-, und herstellerunabhängig

Neben der reinen Übertragung zwischen DSL-Modem und DSLAM (Vermittlungsstelle) schreibt U-R2 die genaue Aufteilung der IP-Pakete in ATM-Zellen vor. Es regelt die genutzten Protokolle (PPP) sowie deren Übermittlung (PPPoE), und stellt Bedingungen für den Anschluss-Stecker auf (RJ45). Eine genaue Beschreibung der U-R2-Regelungen zeigt das Elektronik-Kompendium auf.

Weiterhin macht U-R2 Aussagen über technische Anforderungen, besonders was Reichweite und Übertragungsraten betrifft: Ein U-R2-konformes Modem muss 640 kbit/s Upstream und 6144 kbit/s Downstream auf eine Entfernung von mindestens 1600 Metern sicherstellen. Diese Anforderungen haben sich in den letzten zwei Jahren auch verändert: Seit März 2004 liegt die U-R2 in der Version 5.2 vor.

Bedingt wertvolle Geschenke

Zum 1. Januar 2002 schaltete die Telekom alle Vermittlungsstellen auf U-R2-Betrieb um. Gleichzeitig bekamen Bestandskunden die alten Geräte geschenkt, die trotz der Umstellung weiterhin an ihren angestammten Standorten funktionieren. Die frisch gebackenen DSL-Kunden hatten mehr Freude an dem Geschenk als die alten Hasen, denn im zweiten Halbjahr 2001 produzierten die Telekom-Hersteller bereits U-R2-fähige Modems.

Modell

Hersteller

Materialnummer

Bild

NT 4500U

Siemens

40 193 045-100

NT 4600U

Siemens

40 191 097-100

ANeT930

ECI

40 189 184-091

ANeT4U

ECI

40 192 894-091

Äußerlich unterscheiden diese Geräte sich kaum von ihren ortsgebundenen Vorgängern, weshalb Modell-Name und Material-Nummer besondere Aufmerksamkeit zukommen sollte, wenn man sich für den Erwerb eines solchen, inzwischen sehr günstig zu habenden Modems interessiert. Anderenfalls könnte man leicht die Katze im Sack kaufen.

Doch auch heute funktioniert neben den DSL-Modems der ersten Stunde längst nicht jedes Gerät an einem beliebigen DSL-Anschluss. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von DSL-Netzen, die mit dem der Telekom wenig gemeinsam haben: Manche unterscheiden sich komplett von dem des Postablegers, manchen liegt nur ein etwas anderer Standard zugrunde.

Kompatible Konkurrenz

Arcor ist im DSL-Markt schon lange mit von der Partie. Genau wie bei der Telekom wurde dort anfänglich die komplette Hardware mitgeliefert - nach eigenem Standard, versteht sich. Um für DSL-Wechsler attraktiver zu werden, verpflichtete sich Arcor ebenfalls dem U-R2-Standard und schaltete ab dem 7.10.2003 alle DSL-Neuanschlüsse nur noch mit U-R2.

Inzwischen sind laut Betreiber alle Arcor-DSL-Anschlüsse U-R2-konform. Die alten Arcor-Modems brauchte jedoch niemand aussortieren - sie sind ebenfalls noch betriebstauglich. Trotz geschaltetem U-R2 funktionieren aber nicht alle auf dem Markt erhältlichen Modems und Router im Arcor-Netz.

Von diesem Phänomen sind allein die T-DSL-Resaler ausgenommen, anderen Netzbetreibern geht es ganz ähnlich wie Arcor. Sowohl Arcor, als beispielsweise auch die Hanseatin Alice DSL und der hannoversche Anbieter htp haben jeweils eine Hardware-Whitelist veröffentlicht - bei nicht genannten Geräten kann eine korrekte Funktionsweise nicht sichergestellt werden. Der Grund dafür liegt bei der Telekom-Philosophie, die hinter U-R2 steht.

Arcor

Alice DSL

htp

Arcor-DSL
- Speed-Modem 50
- Speed-Modem 100
- (Cellpipe 22A-BX-AR)
- WLAN-Modem 100

AVM
- FRITZ!Card DSL
- FRITZ!Card DSL SL

Teledat 300 LAN
Teledat 320 PCI
Teledat 330 PCI
Teledat 300 USB

Thomson
- SpeedTouch Home
Vers. 3.2.8 (3.2.8.1)
- SpeedTouch 510i / 530i
Vers. 4.0.2 (4.0.2.0.0)

ASUS
- AAM6310EV
Vers. 71238A12
- AAM6330BI
Vers. 71238a11

AVM Fritzbox SL
Vers. 05.01.81

Cisco
- Cisco 826
Vers. 12.2.4-YA7
- SoHo 76
Vers. 12.2.4-YA6

Siemens
- NT 4600 U
- Santis 200
- Gigaset SE 515

Efficient Network 5100

devolo MicoLink ADSL fun LAN

htp ADSL USB

Teledat 330 LAN
Teledat 300 LAN
Teledat 300 PCI

Zyxel
- Prestige 650M-37
- Prestige 650H-17
- Prestige 660HW-67

Laissez-faire

Der U-R2-Standard wurde von der Telekom ins Leben gerufen und von Zeit zu Zeit aktualisiert. Aber frei nach dem Motto "Macht doch, was ihr wollt!" ist für die Funktionsgarantie der Hersteller selbst verantwortlich. Heißt also, wenn dieser sein Produkt aus Kostengründen nur an einem U-R2-konformen Telekom-DSLAM testet, kann er daraus nicht immer einen Rückschluss auf die Kompatibilität zu den Vermittlungsstellen der Telekom-Mitbewerber ziehen.

Ob das Gerät letztendlich in anderen DSL-Netzen verwendbar ist, steht dann meistens in den Sternen. Besitzer eines DSL-Routers sind im Allgemeinen jedoch besser dran als die Inhaber eines DSL-Modems; denn an guten Produkten kann der begabte Techniker die Richtwerte so verändern, dass das Gerät fast überall lauffähig ist. Die entsprechenden Daten sollte die technische Hotline des Netzanbieters parat haben.

Sie wünschen?

Besonders entgegenkommend sind laut eigenen Angaben die Geräte der Firma OvisLink. Diese erkennen automatisch, ob die Leitung mit einem U-R2-Protokoll arbeitet. Bei der Installation fragen sie bereits an, in welchem Land sich der Standort befindet und welcher Netzbetreiber am anderen Ende der Leitung sitzt. Daraufhin soll sich das Gerät automatisch konfigurieren. Ob die OvisLink-Gerätschaften tatsächlich so praktisch sind, muss ein Test zeigen.

Nein-Sager

Neben den U-R2-konformen DSL-Netzbetreibern gibt es auch solche, die sich - aus welchen Gründen auch immer - gar nicht um den Möchtegern-Standard scheren. Das sind zum einen broadnet und QSC, und zum anderen stellvertretend für noch einige Andere M''net und NetCologne. Alle vier stellen ihren Kunden die Gerätschaften für die Dauer des Vertrags leihweise zur Verfügung, haben dafür aber ganz unterschiedliche technische Motivationen.

broadnet und QSC haben kaum Alternativen zum Geräte-Verleih: Beide Netze basieren auf SDSL-Technik, weshalb die Mehrzahl der frei käuflichen Modems einfach nicht kompatibel sind. Die Frage nach U-R2 als Standard für ADSL mit Annex B-Spezifikation erübrigt sich hier völlig.

M''net und NetCologne haben ihre ADSL-Netzwerke aufgebaut, bevor die Telekom die U-R2 definiert hat. Da beide Netzbetreiber unter die Kategorie Regio- oder City-Carrier fallen, ist deren Kundenkreis nicht groß genug, um das Verleih-Geschäft ungleich schwierig zu gestalten, wie es seinerzeit bei der Telekom war. Deshalb sehen sie wohl auch noch keinen Grund, auf U-R2 umzustellen.

Monopolisten garantieren Inkompatiblität

Die Telekom hat genau wie jeder andere DSL-Anbieter das Recht, eine verbindliche Richtlinie zu definieren. Doch der Umgang damit entspricht nicht gerade der feinen englischen Art, sondern eher den Methoden des amerikanischen Software-Riesen Microsoft. Ebenso wie die Telekom den U-R2-Standard verwaltet, stellt Microsoft den Geräteherstellern die Spezifikationen der einzelnen Schnittstellen zum Betriebssystem zur Verfügung.

Dabei geht Microsoft wie folgt vor: Entsprechen die Produkte eines Herstellers den gestellten Anforderungen, erhalten sie das Siegel "Microsoft Certified". Für den Kunden ist das jedoch keine Garantie, dass das Gerät auch mit seinem PC zusammenarbeitet, denn trotz gleicher Schnittstelle können sich andere Komponenten negativ auf die Kooperation beider Teile auswirken. Mögliche Inkompatiblität garantiert.

Proprietäre Technik

Obwohl sich die U-R2 zu einem Quasi-Standard innerhalb Deutschlands gemausert hat, handelt es sich doch um eine hauseigene Entwicklung der Telekom. Es hilft also nichts, wenn der frustrierte DSL-Wechsler seinem neuen Netzbetreiber den Einsatz von proprietärer Technik vorwirft - die Telekom tut das genauso. Nur sitzt die noch am längeren Hebel, weshalb sich der Großteil des Hardware-Marktes an rosa Vorgaben orientiert.

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

Ashampoo-Download-Logo
article
14729
U-R2: Probleme beim DSL-Anschlusswechsel
U-R2: Probleme beim DSL-Anschlusswechsel
So einfach ist das heute: Wem der T-DSL-Anschluss zu teuer, zu monopolistisch, oder einfach nur zu rosa ist, wechselt zu einem anderen DSL-Anbieter. Dank des tobenden Preiskampfes fallen die Anschlussgebühren meist weg, und auf subventionierte Hardware und damit verbundener Vertragslaufzeit kann man ja schließlich verzichten, solange die Ausrüstung noch vorhanden ist.
http://www.netzwelt.de/news/69009-u-r2-probleme-dsl-anschlusswechsel.html
2004-12-27 13:08:00
News
U-R2: Probleme beim DSL-Anschlusswechsel