Bram Cohen gibt Ausblicke auf Bittorrents Zukunft
Filesharing: Bittorrent-Erfinder im Interview
"Ich bin nicht gerade ein Futurist", erklärte der Bittorrent-Entwickler Bram Cohen abwehrend, als Netzwelt.de ihn am Rande einer Entertainment-Konferenz in Los Angeles zur Zukunft von Bittorrent fragte. Dennoch verriet er uns ein paar Details zu aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Features des derzeit so populären P2P-Programms.
Netzwelt.de: Aktuelle Untersuchungen sprechen davon, dass Bittorrent die Mehrheit des P2P-Datenverkehrs verursacht. Wie erklärst du dir diese Popularität? Was hat Bittorrent, was beispielsweise Edonkey nicht hat?
Bram Cohen: Bittorrent ist sehr viel besser im aggressiven Umgang mit Downloads. 10 000 Leute können sich zur gleichen Zeit auf eine Datei stürzen, und es funktioniert immer noch sehr gut. Ich glaube nicht, dass Edonkey derartiges auch nur ansatzweise leisten kann. In meinen zynischeren Momenten denke ich allerdings, dass Bittorent einfach nur populärer ist, weil es einfacher zu benutzen ist.
Netzwelt.de: Ein wichtiger Unterschied zwischen Bittorrent und anderen P2P-Protokollen ist sicherlich, dass Nutzer viele kleine Netzwerke formen, anstatt über ein großes Netz miteinander verbunden zu sein. Wie kam es zu dieser Architektur?
Cohen: Als ich mit der Arbeit an Bittorrent begann, hatte ich keine wirklich interessanten Ideen für eine Suchfunktion. Ich wollte mich einfach nicht mit dem Problem beschäftigen. Ich versuchte mich an einer Suchmöglichkeit, doch die war umständlich und schlecht. Dann veränderte ich es so, dass du wie auch sonst aus dem Web runterlädst. Ich nutzte es als externe Lösung, um mit Bittorrent aus den Startlöchern zu kommen.
Netzwelt.de: Bittorrent-Nutzer beschweren sich oft, dass Inhalte nur sehr kurzzeitig verfügbar sind. Wird sich daran in Zukunft etwas ändern?
Cohen: Der Hauptclient wird in Zukunft wahrscheinlich Sachen länger bereit stellen, die jemand heruntergeladen hat. Und vielleicht wird er auch Downloads die kaum noch jemand hat bevorzugt anbieten, um sicherzustellen, dass Inhalte länger und verlässlicher angeboten werden. Aber generell gilt: Je populärer etwas ist, desto sicherer ist, dass es nicht komplett verschwindet. Das ist ein Grundprinzip von Bittorrent.

Einer der Betreiber der Torrent-Website "The Pirate Bay" hat jetzt erklärt, dass sein Team innerhalb der nächsten zwölf Monate auf ein neues P2P-Protokoll umsteigen wolle. Das neue Protokoll soll unter anderem einen größeren Schutz vor Spammern und eine bessere Indizierbarkeit bieten.
Bittorrent hat damit begonnen, seinen US-amerikanischen Nutzern per Streaming Zugriff auf rund 1.000 Filme zu geben. Das Angebot ist werbefinanziert und ist gleichzeitig selbst als Werbung für Bittorrents Streaming-Lösung gedacht. Auch für Surfer aus Deutschland will Bittorrent demnächst kostenlose Filme ins Netz stellen.
Wer sich den Action-Film "The Expendables" bei BitTorrent heruntergeladen hat, könnte bald vor einem US-Gericht stehen. Die Rechteinhaber gehen derzeit gegen rund 23.000 BitTorrent-Nutzer vor.




