Superhelden im Kampf mit der Realität

Gamer-Kolumne: Willkommen in der Wirklichkeit

Sie heißen "Garrett", "Gordon Freeman" oder "Lara Croft". Der Cyberspace ist ihre Heimat, Unfehlbarkeit ihr Kapital. Doch wie fänden sich die Damen und Herren in der realen Welt zurecht?

Leichter zu beantworten wäre die Frage, wo sie sich finden würden, nämlich mit Sicherheit im Knast! Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung, unerlaubter Waffenbesitz, Raub, Hehlerei, Vandalismus, Verstoß gegen das Artenschutzgesetz - in der realen Welt hätten die Herrschaften mächtig Ärger am texturierten Hals.

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Und selbst in einem halbrealen Szenario gäben die Meisterdiebe, Monsterjäger und Grabräuber kein sonderlich gutes Bild ab. "Tomb Raider 12: Willkommen in der Wirklichkeit" könnte die Archäologin beispielsweise mit den Tücken der Schwerkraft konfrontieren.

Dann hätte nicht nur die grenzenlose Hopserei ein Ende, auch die ständigen Brustvergrößerungen forderten schmerzlich Tribut. Um der Unwucht zweier Monstermöpse entgegenzuwirken, müsste die zierliche Ms. Croft ihren Rucksack derart mit Grabbeilagen vollstopfen, dass ihre dünnen Beinchen brächen.

"Gordon Freeman" aus "Half Life" hätte ein ganz anderes Problem. Nach jedem abgeschlachteten Monster wäre der Brillenträger gezwungen, sich die Schlacke von den Augengläsern zu wischen. Ganz zu schweigen von der deprimierenden Trefferquote, die mit dem Zubruchgehen seiner Sehhilfe einher ginge. Man stelle sich den Wissenschaftler ohne Brille vor: orientierungslos, den Schießprügel zum Blindenstock umfunktioniert.

Wohl dem, der ein mechanisches Auge einsetzen darf. Ein solches besitzt Meisterdieb "Garrett", sogar mit Zoom, mit Restlichtverstärker, mit allem drum und dran. Doch was im Zeitalter der Netzhaut-Transplantation plausibel erscheint, hätte im Mittelalter wohl schnurstracks auf den Scheiterhaufen geführt. Übrig geblieben wäre ein metallenes Auge im Aschebett - sowie jede Menge konfisziertes Diebesgut.

Der Schritt aus der Fiktion in die Wirklichkeit würde aus Helden Deppen machen. Kein Spieler wünscht sich das, wenngleich der Gedanke daran die eigene Unvollkommenheit für Augenblicke tragbarer erscheinen lässt.