Auf und davon
Test: Grand Prix 3
Spätestens seit "Grand Prix 2" bürgt der Name Geoff Crammond für anspruchsvolle Formel 1-Simulationen. Kein Wunder, dass die Hubraum-Gemeinde in der Erwartung des dritten Teiles freudig mit dem Fuchsschwanz wedelt.
Mit "Grand Prix 3" von Microprose bietet sich Formel 1-Fans eine weitere (virtuelle) Möglichkeit, die Piste unsicher zu machen, ohne in einen viel zu engen Rennkombi steigen zu müssen. Wer sich nicht lange mit Fahrwerk und Bereifung aufhalten möchte, entscheidet sich für den Schnellstart. Hier wählt man unter den verschiedenen Teams einen Piloten aus und kommt direkt zur Sache. Um einem Dauerparkplatz im Kiesbett zu entgehen, dürfen ungeübte Wagenführer diverse Fahrhilfen aktivieren, wozu eine unter anderem eine Bremsautomatik, eine Lenkhilfe und eine Schleuderkorrektur zählen.
Ab in die Boxengasse
Der wahre Simulationsfan investiert hingegen viel Zeit in das Wagensetup und absolviert eine komplette Rennsaison. Um am Ende der Meisterschaft die Siegertrophäe hochhalten zu können, bedarf es aber weit mehr, als einer intensiven Fahrzeugpflege.
Erstmals wird der Spieler mit dynamischen Wetterbedingungen während eines Laufs konfrontiert, so dass außerplanmäßige Abstecher in die Boxengasse (Reifenwechsel) quasi vorprogrammiert sind. Auch die computergesteuerten Rivalen erschweren den Gang auf das Siegertreppchen;. Die Sportsfreunde haben ihre Fähigkeiten spürbar verbessert und bestrafen persönliche Fahrfehler mit klügeren Überholmanövern.
Grafisch hinterlässt "Grand Prix 3" einen etwas zwiespältigen Eindruck. Da sämtliche Chassis auf dem gleichen Drahtgittermodell basieren, lassen sich die unterschiedlichen Vehikel nur anhand von Farbe und Sponsoren unterscheiden. Auch das statische Bitmap-Publikum sowie die bewegungsunfähigen Boxencrews kosten dem Spiel einen dezenten Abzug in der Grafikwertung. Auf die beliebten Lichtbrechungeffekte muss das verwöhnte Sehorgan ebenfalls verzichten, was den Augenschmaus vor allem an sonnigen Renntagen um eine optische Zutat beraubt.
Schönes schlechtes Wetter
Ganz anders sieht es bei Regenwetter aus: Undurchdringliche Gischt peitscht dann am Heck des Vordermanns auf und im nassen Asphalt spiegeln sich eindrucksvoll Objekte am Fahrbahnrand. Sobald die letzten Tropfen gefallen sind, trocknet entlang der Ideallinie allmählich der Kurs, während der äußere Bereich der Fahrbahn noch immer in Pfützen schwimmt. Diese Wetterkapriolen sind nicht nur fantastisch anzusehen, sie wirken sich außerdem spürbar auf die Fahrphysik der digitalen Flitzer aus.
Die zahlreichen Perspektiven, allen voran die überragende Streckenkamera, zeichnen aber auch bei trockenem Wetter ein sehr authentisches Bild. Zusammen mit den gelungenen Motorgeräuschen kommt das Flair einer Fernsehübertragung auf.
Platz eins
Die beste F 1-Simulation aller Zeiten sollte es werden - und tatsächlich wird dem Spieler nach wenigen Runden klar, dass die Entwickler dieser Ambition gerecht werden konnten.
| Steckbrief | ||
|---|---|---|
| Sound | 9 von 10% | 91% |
| Grafik | 13 von 15% | |
| Spielspaß | 15 von 15% | |
| Multiplayer | 8 von 10% | |
| Bedienung | 10 von 10% | |
| Preis/Leistung | 14 von 15% | |
| Hardwareanforderung | 13 von 15% | |
| Langzeitspielspaß | 9 von 10% | |
"Grand Prix 3" fährt der Konkurrenz davon, aber der Zeit hinterher: die FIA-Lizenz stammt aus dem Jahre 1998. Der viel zitierte Realismus leidet unter dieser Zeitverschiebung ein wenig, der Spielspaß hingegen nicht. Auf "Grand Prix 3" werden Motorsportfans mit Vollgas abfahren!
