Herbstmeister
Test: FIFA 2002
Seit einigen Tagen drücken deutsche Fußballfans nicht nur mehr Daumen, sondern auch die Tasten ihrer Game-Controller, die in "FIFA 2002" erstmals frei konfigurierbar sind.
Inhaltsverzeichnis
- 1Wird schon passen
- 2Trainingsfrei
- 3Die Sache mit der Lizenz
Das Programm begrüßt den Spieler mit einem schwungvollen Vorspann, der mit einem herrlich angeschnittenen Freistoßtor à la David Beckham endet. Bis derlei Kabinettstückchen auch im eigentlichen Spiel gelingen, bedarf es jedoch einer gewissen Einarbeitungszeit.
Wird schon passen
Kenner der FIFA-Reihe werden umdenken müssen. Dafür sorgt vor allem das modifizierte Passsystem, das zwar erstmals Vorlagen in den freien Raum ermöglicht, andererseits aber weitaus mehr Präzision im Hinblick auf Richtung und Schusskraft abverlangt. Gleiches gilt auch für Flanken und Torschüsse, die nun nicht mehr automatisch ins Ziel kommen. Die aktuelle Edition der populären Sportspiel-Reihe setzt mehr denn je auf Realismus, weshalb auch die Spielgeschwindigkeit merklich gedrosselt worden ist.
Wahnwitzig schnelle Kombinationen oder Treffer aus utopischer Entfernung gehören somit der Vergangenheit an. Auch Kopfbälle oder artistische Fallrückzieher nach Ecken und Flanken führen inzwischen seltener zum Torerfolg. Allen Ansprüchen auf eine realistische Simulation zum Trotz: Auf das aus dem Vorgänger bekannte Pressing- und Abseitsfeature während einer laufenden Partie müssen Taktiker in diesem Jahr verzichten.
Trainingsfrei
Warum die kanadischen Programmierer von EA Sports angesichts solch einschneidender Änderungen ausgerechnet den Trainingsmodus strichen, ist schleierhaft. Um sich eine gewisse Spielpraxis anzueignen, darf man jedoch beliebige Begegnungen in Form eines Freundschaftsspiels bestreiten, bevor die relevanten Modi wie Meisterschaft, Europacup oder WM-Qualifikation in Angriff genommen werden. Als Belohnung für gewonnene Turniere winken zusätzliche Wettbewerbe.
Die kosmetischen Neuerungen gegenüber der Vorjahres-Version sind unübersehbar. Das gilt vor allem für die Gesichter der Spieler, die selbst bei diesigem Wetter wie poliertes Tafelsilber glänzen. An den Bewegungen der Akteure gibt es nichts auszusetzen: geschmeidige Animation, frenetische Jubelszenen und cholerische Wutausbrüche setzen die reproduzierten Kicker bestens in Szene. Auf den Rängen werden Fahnen geschwenkt und Freudentänze aufgeführt. Originale Stadien sucht man allerdings vergeblich. Selbst Heimspiele des FC St. Pauli werden vor einer europacup-reifen Kulisse ausgetragen.
Die Sache mit der Lizenz
Wie schon in den Jahren zuvor, wird der Kick auf dem Kunstrasen von Wolf Dieter Poschmann und Jörg Dahlmann kommentiert. Die beiden Quasselstrippen bemühen sich um Authentizität und lassen sich nur selten zu albernen Sprüchen hinreißen. Vervollständigt wird das Klangbild von lautstarken Fangesängen, plärrenden Trainern und sich in den jeweiligen Landessprachen zurufenden Spielern.
Der jüngste FIFA-Ableger stellt die PC-Konkurrenz einmal mehr ins Abseits, wenngleich der Abstand auf die Verfolger nicht ganz so groß ausfällt wie in den Jahren zuvor. Neben grafischen Neuerungen bietet das Spiel ein sehr gelungenes Passsystem sowie die längst überfällige Möglichkeit, die Steuerung frei zu konfigurieren. Obendrein lockt wie immer eine aktuelle Lizenz: "FIFA 2002" nennt die Profis beim Namen und umfasst 15 Ligen sowie mehr als 450 Teams.
| Steckbrief | ||
|---|---|---|
| Sound | 9 von 10% | 85% |
| Grafik | 14 von 15% | |
| Spielspaß | 13 von 15% | |
| Multiplayer | 8 von 10% | |
| Bedienung | 8 von 10% | |
| Preis/Leistung | 12 von 15% | |
| Hardwareanforderung | 13 von 15% | |
| Langzeitspielspaß | 8 von 10% | |
Apropos Lizenz: Das Spielen einer Saison zu zweit an einem Computer ist übrigens nicht mehr möglich. Dazu bedarf es nunmehr zwei Rechner, vor allem aber zwei Versionen von "FIFA 2002". Das könnte dem Absatz förderlich sein. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
