Test: Empire Earth
Die Sicht der Dinge
Die zweifelhafte Strategie, den Gegner scharenweise mit der vermeintlich stärksten Einheit zu überrollen, ist erfreulich selten von Erfolg gekrönt. Sehr deutlich wird dies am Beispiel des Ersten Weltkrieges während einer Mission der Deutschen. Da mit Ausnahme spezieller Schiffe keine Militäreinheit über Luftabwehrwaffen verfügt, ist die Kontrolle des Luftraums bei Angriffen auf feindliche Stellungen unerlässlich.
Ein sündhaft teurer Panzerverband wäre gegnerischen Flugzeugen auf offenem Feld hilflos ausgeliefert. Das Spielprinzip von "Empire Earth" zwingt Strategen oftmals, eine breit gefächerte Einheitenpalette zu mobilisieren. Wer stur auf eine Waffengattung setzt, wird sehr häufig herbe Verluste hinnehmen müssen.
Im Gegensatz zu anderen 3D-Strategiespielen lässt sich die Ansicht zugunsten der Orientierung nicht seitwärts rotieren. Eine integrierte Zoomfunktion ermöglicht jedoch stufenlose Kamerafahrten, so dass man den Polygonkriegern wahlweise in den Gewehrlauf schielen, oder jene von schräg oben beäugen kann. Viele Details offenbaren sich nur aus nächster Nähe: Im Winter bilden sich Dampfwolken vor den Nüstern der Schlachtrosse, auf den Wiesen äst Wild und im transparenten Wasser tummeln sich hübsch animierte Fischschwärme.
| Steckbrief | ||
|---|---|---|
| Sound | 9 von 10% | 89% |
| Grafik | 13von 15% | |
| Spielspaß | 14von 15% | |
| Multiplayer | 8 von 10% | |
| Bedienung | 8 von 10% | |
| Preis/Leistung | 15 von 15% | |
| Hardwareanforderung | 12 von 15% | |
| Langzeitspielspaß | 10 von 10% | |
Im Kampf geht es weniger idyllisch zu: Pfeile und Geschosse sirren durch die Luft, dichter Rauch wabert über das Schlachtfeld, Kampfflugzeuge stürzen brennend zu Boden und lädierte Kriegsschiffe sacken auf den Meeresgrund. Obwohl grafisch kein Meilenstein, repräsentiert "Empire Earth" die verschiedenen Epochen sowie deren Kriege durchweg stimmig und glaubwürdig, wozu auch die imposante Soundkulisse einen erheblichen Beitrag leisten kann.
Für Geschichtsfans ein Muss
Das Debüt der Stainless Steel Studios beeindruckt. Wer sich auch nur annähernd für historische Strategiespiele interessiert, wird schon beim Durchblättern des üppigen Handbuchs mit der Zunge schnalzen. Allein das Recherchieren der unzähligen Waffengattungen und Technologien muss die Entwickler monatelang beschäftigt haben. Ganz zu schweigen von den militärisch korrekten Details, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel ziehen. In der Mission "Blitzkrieg" fallen beispielsweise deutsche Panzer über berittene Polen her. Das weckt zwar nicht nur hier zu Lande unschöne Erinnerungen, fördert aber die Glaubwürdigkeit des Spiels.
Der Spagat zwischen Anspruch und Spielvergnügen ist geglückt. "Empire Earth" ist ein intelligentes, vielschichtiges und zuhöchst unterhaltsames Programm, das über viele Monate begeistern kann. Jedenfalls bietet kein vergleichbarer Titel derzeit mehr Spiel fürs Geld. Für Strategiefans ist "Empire Earth" nicht zuletzt deshalb eine definitive Empfehlung!
