Alice flog übers Kuckucksnest

Test: American McGee’s Alice

Da wird sich Alice wundern: Lewis Carrolls Buchvorlage als bildgewaltiger Psychotrip. Arme Alice. Bei einem schweren Brand verlor sie nicht nur beide Elternteile, sondern obendrein auch den Verstand, weshalb sie nun als Psychowrack in einer Irrenanstalt vor sich hin vegetiert. Einzig der kleine weiße Stoffhase ist ihr geblieben, dem Alice eines Tages abermals ins Wunderland folgt.

Alice - Screenshot: Alice
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Wenn Mädchen zum Messer greifen
  2. 2Blutig und böse
  3. 3Alice auf Abwegen

Dort angekommen, scheint nichts mehr so, wie es einmal war: Die Umgebung wirkt mehr denn je surreal - die Bewohner ausgemergelt und depressiv. Selbst die einst so pummelige Grinsekatze hat drastisch abgenommen und trägt statt Fleisch auf den Rippen neuerdings einen Ring im Ohr. Schuld an diesem Elend ist die fiese Herzkönigin, die mit Hilfe ihrer Schergen das gesamte Wunderland terrorisiert.

Wenn Mädchen zum Messer greifen

Fest entschlossen, die alte Ordnung wieder herzustellen, greift Alice zum Fleischermesser und begibt sich auf eine abenteuerliche und gefährliche Reise durch das absurde Wunderland. In der - aus Tomb Raider bekannten - Third-Person-Perspektive läuft, springt, klettert und schwimmt Alice durch optisch eindrucksvolle 3D-Schauplätze, die dank der leistungsstarken Quake III-Technologie mit prächtigen Oberflächentexturen und bestechenden Grafikeffekten ausgeschmückt sind.

Alice

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Damit nicht genug, rotieren und wirbeln ganze Levelbereiche vor den Augen des Spielers, dass es eine wahre Pracht ist. Der fantasievollen Buchvorlage Rechnung tragend, wappnet sich Alice im Verlauf des Spiels mit allerlei ungewöhnlichen Gegenständen, um den Kartenwächtern, Feuerimps, Kampfameisen und sonstigen Gegnern den Schneid abzukaufen./p> Diese werden wahlweise mit Fleischermessern und scharfen Spielkarten filetiert, oder aber mit hölzernen Cricket-Schlägern vertrimmt, wobei jeweils zwei unterschiedliche Angriffsmodi zur Wahl stehen. Wer keine Sauerei auf dem Fußboden hinterlassen will, greift zum Teufels-Würfel. Einmal ins Rollen gebracht, zaubert der diabolische Kubus einen fliegenden Beelzebub herbei, der etwaige Widersacher mit Haut und Haaren verschlingt.

Blutig und böse

Angesichts der Tatsache, dass die zahlreichen Kampfszenen im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich grobschlächtig ausfallen, ist "American McGee’s Alice" definitiv nicht für Kinder und Jungendliche unter 16 Jahren geeignet. Der hohe Blutzoll des Spiels ist wohl darauf zurückzuführen, dass McGee seinerzeit für das Leveldesign solch martialischer Shooter wie Doom und Quake verantwortlich war.

Um die surrealistische Thematik des Spieles mit der passenden Musik zu unterlegen, wurde der amerikanische Komponist und Produzent "Chris Vrenna" für den Soundtrack engagiert. Der ehemalige Schlagzeuger der Gruppe "Nine Inch Nails" verzichtete weitgehend auf den Einsatz elektronischer Instrumente und verlieh den albtraumhaften Kulissen stattdessen mit suggestiven Glockenspiel-Passagen und schaurig-schönen Streicher-Arrangments ein höchst beklemmendes Flair.

Alice auf Abwegen

Unter dem Motto "Alice flog übers Kuckucksnest" jonglieren die Entwickler geschickt mit Versatzstücken der berühmten Buchvorlage und bewährten Elementen gängiger Genres. Das Resultat ist ein äußerst morbides und innovatives Spiel, das in puncto Leveldesign neue Maßstäbe setzt, jedoch auf Grund einiger wirklich nerviger Hüpfpassagen sowie einem allzu linearen Gameplay das Zeug zum absoluten Toptitel verspielt.

Dennoch, wer ein Faible für makabere und grafisch anspruchsvolle Computerspiele hat, sollte sich "American McGee’s Alice" nicht entgehen lassen!

Steckbrief
Sound 15 von 15% 86%
Grafik 15 von 15%
Spielspaß 13 von 15%
Multiplayer von 10%
Bedienung 7 von 10%
Preis/Leistung 13 von 15%
Hardwareanforderung 11 von 15%
Langzeitspielspaß 12 von 15%