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Im Test: Der devolo MicroLink dLAN ADSL Modem Router
Das Homeplug-Multitalent - was es kann und was nicht

von Christian Grohmann Uhr veröffentlicht

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Ob Babyfon, Gegensprechanlage oder Garagentor-Steuerung: Datenübertragung im hausinternen Stromnetz gibt es schon lange. Relativ neu dagegen ist die Möglichkeit, lokale Computernetzwerke mit der so genannten Homeplug-Technologie (dLAN) aufzubauen. Doch bisher war dazu eine Vielzahl von Adaptern nötig.

Ob Babyfon, Gegensprechanlage oder Garagentor-Steuerung: Datenübertragung im hausinternen Stromnetz gibt es schon lange. Relativ neu dagegen ist die Möglichkeit, lokale Computernetzwerke mit der so genannten Homeplug-Technologie (dLAN) aufzubauen. Doch bisher war dazu eine Vielzahl von Adaptern nötig.

Dieses Geräteaufkommen schränkt der devolo MicroLink dLAN ADSL Modem Router (im folgenden LAN-Router genannt) ordentlich ein. Musste früher jede DSL-Hardware-Einheit einen eigenen Homeplug-Adapter haben, brauchen inzwischen nur noch die Abnehmer einen solchen Adapter. Damit ist der dLAN-Router eigentlich ein tolles Gerät, was auch der Feldtest zeigt. Trotzdem gab es auch Minuspunkte zu vergeben.

Rebellen-Verbände nähern sich von Südost!

Nicht ganz - das devolo-Produkt stammt eher aus dem äußersten Westen der Bundesrepublik. Doch das fast metallisch wirkende, weiße Kunststoffgehäuse erinnert mit seiner schwarzen Frontblende, hinter der sich blaue LEDs verbergen, doch sehr an ein digitales Fernglas aus der Science-Fiction. Für einen ausgewachsenen Sternenkrieger ist es vielleicht ein wenig klein, für den heimischen Schreibtisch aber genau richtig.

Das Netzteil des dLAN-Routers steht anderen Artgenossen in nichts nach, es ist sogar noch etwas stattlicher. Dafür ist der dLAN-Adapter gleich integriert. Handbuch, Anschlusskabel (RJ11 auf RJ45) und Software-CD runden den Lieferumfang ab. Da der dLAN-Router allein nicht von seinem Hauptmerkmal profitiert, ist mindestens ein weiterer dLAN-Adapter nötig, um den vollen Funktionsumfang testen zu können.

Zu diesem Zweck hat devolo ein dLAN-Adapter mit Ethernet-Anschluss dazugelegt. Im Karton befand sich ebenfalls nötiges und unnötiges Zubehör: Wer ein größeres dLAN-Netzwerk aufzubauen gedenkt, hat bestimmt Chancen, zum AOL -Vertreter aufsteigen: Pro Karton lieg eine AOL-CD bei - und das völlig gratis.

(Un)möglichkeiten beim Anschluss

Das Anschließen innerhalb einer Wohnung stellt gar kein Problem dar: dLAN-Router an den Splitter geklemmt, Ethernet-Anschlüsse eingestöpselt, Netzteil an die Steckdose, fertig. Weitere dLAN-Geräte können jetzt auch ohne weiteres schon auf den dLAN-Router zugreifen. Soll der dLAN-Router seinen Arbeitsplatz jedoch nicht im gleichen Raum wie der Splitter bekommen, steht der Käufer vor dem alten Bohrloch-Problem.

So schade es klingen mag: Der Splitter lässt sich nicht via Stromleitung mit dem dLAN-Router verbinden. Möchte es beispielsweise ein Mietshaus-Bewohner vermeiden, Wände und Decken zu durchlöchern, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den dLAN-Router dort zu platzieren, wo der Splitter hängt - und das ist gewöhnlich im Keller. Dort nützen ihm die vier geswitchten LAN-Ports mit je 10/100 Mbit/s erfahrungsgemäß wenig bis gar nichts.

Ganz ohne Bohrer geht es nicht

Die restlichen Computer, die sich über das Haus verteilen, müssten dementsprechend alle via dLAN vernetzt werden. Für den DSL-Zugang kein Problem: Mit einer Bandbreite von 14 Mbit/s versorgt dLAN bis zu 12 Teilnehmer zuverlässig. Wollen die Nutzer aber untereinander größere Datenmengen austauschen, ist dLAN verglichen mit Ethernet geradezu lahm - zudem verteilt sich die Bandbreite auf die Anzahl der aktiven Teilnehmer.

Das Anschluss-Problem lässt sich auch mit dem alten Ethernet-Modem nicht lösen. Zwar kann dieses via dLAN mit dem Router kommunizieren, doch bleibt der Internet-Verbindungsaufbau am Client hängen. Der dLAN-Router wird zum Switch degradiert - und dafür lohnt sich die Anschaffung von dLAN-Router und -Adapter nicht. Wer also auf ein schnelles Netzwerk wert legt, kommt nicht an Kabeln und Klemmen oder Wireless-LAN vorbei.

dLAN-Router und Software in Betrieb

Ist der dLAN-Router einmal hinreichend gut platziert, müssen nur noch die Verbindungsdaten über Browser-Interface oder Konfigurations-Assistenen-Software eingegeben werden, und schon schaltet die Internet-Ampel auf grün. Sowohl Assistent als auch Browser-Interface machen einen guten Eindruck. Bei den Experteneinstellungen findet der Benutzer allerdings wenige Hilfestellungen - dafür muss er aber nicht zwingend dort eingreifen.

Störend wirkt sich bei einer Bildschirmauflösung von 1024 x 768 und kleiner die Aktualisierung verschiedener Menüpunkte im Browser-Interface aus - dadurch wird beispielsweise das ADSL-Status-Menü alle fünf Sekunden an den Starpunkt zurück gescrollt. Menüpunkte, in denen der Nutzer Einstellungen vornehmen kann, bleiben von der Aktualisierung jedoch verschont - so wird zumindest die Konfiguration nicht erschwert.

Je nach Tarif ist es angebracht, die PPP-Haltezeit in der WAN-Konfiguration zu verstellen - der Standardwert beträgt fünf Minuten. Das ist lediglich für die zeitbasierende Abrechnung empfehlenswert. Wer mit Flatrate oder Volumentarif schon mal länger in Forenbeiträgen liest, ärgert sich irgendwann über den ständigen Verbindungsaufbau - und als Benutzer eines Volumentarifs auch über das Megabyte, welches der Provider für jede Einwahl abrechnet.

Sicherheit: Firewall und dLAN

ZoneAlarm-Firewall

Für die innere Sicherheit sorgt in erster Linie dLAN als Übertragungstechnologie. Im Gegensatz zu Wireless-LAN braucht sich der Nutzer kaum Gedanken um die Abschirmung machen: Nach außen hin wirkt der Stromzähler wie eine Art natürliche Firewall - nur in wenigen Fällen kann der Nachbar von einer ungewollten Phasenkopplung profitieren. Und gegen lauschende Mitbewohner hilft die DES-pro-Verschlüsselung.

Die beherrscht zwar jeder dLAN-Adapter, jedoch wird der Schlüssel anhand der Security-IDs der einzelnen Geräte erstellt: Der Nutzer gibt zum Erstellen einer sicheren Gruppe die IDs der Adapter manuell in die Software ein, und nur die genannten Adapter erhalten dann Zugriff auf das eigens angelegte dLAN-Netzwerk.

dLAN im Feldtest

Um einen DSL-Anschluss über das Stromnetz im ganzen Haus (und auch darüber hinaus) zugänglich zu machen, ist der devolo MicroLink dLAN ADSL Modem Router bestens geeignet. Von der dLAN-Funktionalität überzeugte sich der testende Redakteur trotz des recht herbstlichen Wetters im Garten, um möglichst viel Strecke zwischen dLan-Router und dLAN-Adapter bringen zu können.

Dabei kamen eine Kabeltrommel von 40 Metern und zwei Rasenmäher-Verlängerungsschnüre mit je 10 Metern zum Einsatz. Zudem fand der dLAN-Router seine Testumgebung im Dachgeschoss des Hauses. Während der Testreihe wurden große Stromkonsumenten und potentielle Störquellen wie Waschmaschine, Trockner und Elektroherd im Haus und eine elektrische Heckenschere mit 400 Watt direkt neben dem dLAN-Adapter eingeschaltet.

Die anderen Verbraucher beeindruckten die dLAN-Übertragung überraschenderweise gar nicht. Lediglich die Kabellänge machte der Bandbreite zu schaffen, die teilweise auf einen Megabit pro Sekunde zurückging. Der Ping zum Router betrug durchschnittlich etwa drei Millisekunden, als größter Ausreißer wurden 16 ms gemessen. Ohne Verlängerungskabel zeigte der Netzwerkmonitor MicroLink Informer Bandbreiten zwischen 6 und 14 Mbit/s an.

Laut Hersteller sollte der Kunde die dLAN-Adapter am besten direkt an der Steckdose betreiben. Verlängerungskabel sind zwar noch im Rahmen des Möglichen, aber bei Überspannungsfiltern hört der Spaß auf - die schränken die Qualität der Übertragung deutlich ein.

Mehr Leistung, weniger Schadstoffe

Um die Übertragung noch zu verbessern, sollten die dLAN-Geräte an der gleichen Phase des hauseigenen Stromnetzes hängen. Ein phasenübergreifender Betrieb ist trotzdem möglich. Für Problemfälle gibt es auch Phasenkoppler zum Einbau in den Verteilerkasten. Und wem die 200 Meter Reichweite nicht genug sind, kann ohne weiteres mit zwei dLAN-Adaptern einen Repeater konstruieren.

Mit etwa 33 Milliwatt ist die Sendeleistung sehr gering. Erhöht werden kann sie jedoch nicht. Das ist wahrscheinlich auch besser so, denn dann könnten die Signale - ähnlich wie noch bei Powerline (Internet vom Energieversorger) der Fall - Störungen in anderen Geräten verursachen.

Verglichen mit den Funktechnologien ist die Sendeleistung von dLAN äußerst gering: Ein D-Netz-Handy sendet mit 2000mW und Wireless-LAN mit ca. 100mW. Hinzu kommt, dass diese Leistung nicht in die Umgebungsluft, sondern in die Stromleitung abgegeben wird - und die strahlen wiederum einen noch geringeren Teil ab.

Im Stromverbrauch zeichnet sich dLAN auch positiv gegenüber Wireless-LAN ab. Der dLAN-Router hat eine Leistungsaufnahme von ca. 6,5 Watt. Ein Ethernet-Adapter zieht drei Watt aus dem Stromnetz, ein USB-Adapter 1,25 Watt - die allerdings von der USB-Schnittstelle.

Unterstützung und Kompatibilität

Die dLAN-Technologie funktioniert auf allen Betriebssystemen, die mit dem TCP/IP-Protokoll arbeiten, so bleibt das Netzwerk nicht auf bestimmte Systeme beschränkt. Allein zur Konfiguration via Software muss ein Windows- oder Linux-Rechner zur Verfügung stehen.

Aufgrund der Treiberunterstützung läuft der dLAN-USB-Adapter nur auf Windows- und neuerdings auch auf Linux-Betriebssystemen, Benutzer anderer Systeme sind also auf den Ethernet-Adapter angewiesen. Die HomePlug-Produkte von devolo sind mit den Adaptern anderer Hersteller kompatibel, auch wenn man bei devolo den Namen dLAN verwendet.

Probleme treten hier und da trotzdem auf: Einige User berichten von sporadisch ausfallenden dLAN-Verbindungen oder defekten Adaptern. Eine genaue Fehlerquelle konnte nicht lokalisiert werden, meistens wurde die Störung durch den Austausch des Adapters behoben. Dazu kommen die drei Jahre Garantie vom Hersteller gerade recht. Ebenso kann dLAN Probleme bei ICQ verursachen - diese Erfahrung machte einer der Testrechner.

Konkurrenten

Konkurrenz hat der devolo MicroLink dLAN ADSL Modem Router in seiner Klasse kaum, lediglich der Deneg Easyhome MR850power für 249,90 Euro und der Allnet ALL1680 für 137,95 Euro tummeln sich auf dem gleichen Segment. Letzterer hat jedoch kein Modem integriert. Preislich liegt das Gerät von Devolo mit 159,90 zwischen den Konkurrenten.

Prädikat: Bedingt empfehlenswert

Eine Alternative zur herkömmlichen Vernetzung ist der devolo MicroLink dLAN ADSL Modem Router allemal. Wer jedoch einhundertprozentig sicher gehen will, sollte sich auf ein kabelgestütztes Netzwerk verlassen.

Einziges großes Manko des Testgeräts ist die nicht vorhandene, aber durchaus sinnvolle Option, den Splitter über dLAN anschließen zu können. Wenn das nicht stört, ist das Gerät bestens zur Verteilung eines DSL-Anschlusses in Haus oder Wohnung und zum Aufbau eines kleinen Netzwerks geeignet.

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http://www.netzwelt.de/news/68071-test-devolo-microlink-dlan-adsl-modem-router.html
2004-11-05 12:00:00
News
Im Test: Der devolo MicroLink dLAN ADSL Modem Router