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Die iPod-Schizophrenie: Apples Musikrevolution im Test
Der neue iPod im mp3-world-Test

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

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Für viele ist er der MP3-Player schlechthin. Apples iPod elektrisiert wie kaum ein anderes technisches Gerät die unterschiedlichsten Menschen. Manche schreiben Bücher über ihn, andere legen für den weißen Riesen ihren letzten Spargroschen auf den Tisch. Für die Musikindustrie ist er Rettungsanker und Sorgenkind zugleich.

Für viele ist er der MP3-Player schlechthin. Apples iPod elektrisiert wie kaum ein anderes technisches Gerät die unterschiedlichsten Menschen. Manche schreiben Bücher über ihn, andere legen für den weißen Riesen ihren letzten Spargroschen auf den Tisch. Für die Musikindustrie ist er Rettungsanker und Sorgenkind zugleich.

Wie beim Autokauf geht auch der Kauf eines MP3-Players nicht ohne Emotionen vonstatten. Und der iPod weckt Emotionen. Wer sich überlegt einen zu kaufen, wird schnell auf der einen Schulter einen Engel, auf der anderen einen Teufel sitzen haben, und der Kopf versucht dem Bauch durch logische Argumente die Flausen auszureden.

Optik und Gehäuse

Bauch: Kein Zweifel - der iPod sieht schlichtweg gut aus. Die weiße Vorderseite und die Rückseite aus blank poliertem Metall hinterlassen einen edlen Eindruck. Die Steuerungstasten wurden in der aktuell vierten Generation in das Clickwheel integriert sodass auf den ersten Blick eigentlich überhaupt keine Bedienelemente ins Auge fallen.

Der Player liegt mit einem Gewicht von 158 Gramm satt in der Hand und vermittelt allein hierdurch schon eine gewisse Qualitätsanmutung. Das in dieser Klasse größte Display stellt auf sieben Zeilen Informationen gut lesbar dar und wird mit einem sanft bläulichen Licht hintergrundbeleuchtet.

Kopf: Sieht ja ganz gut aus aber schon nach dem ersten Transport in der Hosentasche dürfte die extrem empfindliche Vorderseite zerkratzt und die Rückseite matt sein. Aufgrund des hohen Gewichtes traut man sich kaum mehr ohne Hosenträger aus dem Haus. Und sollen ein Kopfhörereingang und ein Dock-Anschluss wirklich schon alles in Sachen Anschlussfreude sein?

Das Display ist zwar groß, jedoch sind bei beiden Modellen die der Redaktion vorlagen seltsame Schlieren auf dem Bildschirm erkennbar. Diese verschwinden zwar wenn man das Gerät einschaltet, einen hohen Qualitätseindruck vermittelt dies jedoch nicht.

Wieder mal typisch Apple - die verkaufen ihr Computerzeugs doch nur nach Äußerlichkeiten. Veralteter Technik ein schickes Kleid verpasst und fertig ist die "digitale Musikrevolution". Gemacht für Menschen die um jeden Preis auffallen wollen und dafür bereit sind viel Geld in überteuerte Produkte zu stecken.

Menüführung

Bauch: Ein leichter Druck auf eine beliebige Taste erweckt den iPod zum Leben. Die 20 Gigabyte große Festplatte lässt ein leises Summen aus dem Gehäuse ans Ohr dringen und der Startbildschirm erscheint. Für die Navigation im Menü reicht eine ganz leichte Berührung des Clickwheels aus. Intuitiv wandert der Finger im Kreis und drückt ab und zu die mittig platzierte Bestätigungstaste um eine Menüebene tiefer zu gelangen. Der iPod lässt sich dank Clickwheel komfortabel mit nur einer Hand bedienen.

Die obere Menü-Taste führt aus jeder Ansicht jeweils wieder einen Schritt zurück. Es dauert keine fünf Minuten da ist die Bedienung des Players klar wie frisch geputzte Fensterscheiben. Wem das Startmenü nicht gefällt, der kann sich seine eigene Zusammenstellung des Hauptmenüs anfertigen. Neu hinzugekommen ist hier der Eintrag "Zufällige Titel" im Hauptmenü.

(Noch) kratzerfreie iPod-Rückseite

Auf die 20 Gigabyte große Festplatte des iPods passen in ordentlicher Qualität rund 5000 Lieder. ( Vier Minuten pro Lied, 128 KBit/Sek. im AAC-Format). Also auf zum Hörtest.

Hörtest

Für den Test wurden Lieder in jeder Kombination aus Datenrate und Codierung auf den iPod kopiert. Für den ersten Hörtest lag das Album "The Fat of the Land" von Prodigy vor. Schnell wird klar: Datenraten unter 128 KBit/Sek sind klangtechnisch in allen Dateiformaten höchstens für gesprochene Inhalte zu gebrauchen. Der Klang den die von Apple in höchsten Tönen gelobten mitgelieferten Kopfhörer ans Ohr bringen, enttäuscht zunächst ein wenig.

Kopf: Können so viele Menschen sich irren? Immerhin ist der iPod der meistverkaufteste MP3-Player überhaupt. Und das trotz miesem Klang? Prodigy klingen bei 128 KBit/Sek im MP3-Format irgendwie weit weit weg. Den Bässen fehlt die Puste und die Höhen hören sich an als ob sie vom Floristik-Azubi frisch mit der Heckenschere abgeschnitten worden wären. Und selbst bei voller Lautstärke kann man in der S-Bahn den Unterhaltungen der Nachbarn folgen.

Die 23 verschiedenen Profile des Equalizers machen die Sache nur noch schlimmer. Klickt man beispielsweise bei den möglichen Einstellungen auf "Mehr Bässe", so hören sich die von vornherein schwachen Töne im Tieffrequenz-Bereich an wie auf Hochspannung gebrachtes Pergamentpapier. Eine Möglichkeit den Equalizer selbst einzustellen fehlt völlig.

Sinnvolle Eingriffe

Bauch: Das kann es wirklich nicht sein. Der iPod kommt auf die Krankenbahre und muss sich beim ersten Eingriff von seinen weißen Ohrsteckern trennen. Da die maximale Lautstärke in Europa begrenzt ist, wird diese Beschränkung zudem via GoPod aufgehoben. Und siehe da, es geht doch.

Mit Ohrsteckern der Konkurrenz (Creative) klingt dasselbe Lied in gleicher Codierung wesentlich besser. Mag sein das Apples Kopfhörer rein technisch gesehen aufwändiger produziert und gefertigt wurden. Entscheidend ist aber nun mal was am Ende dabei ans Ohr gelangt und hier stellen sie sich selbst kein besonders gutes Zeugnis aus.

Um zu hören was wirklich im weißen Riesen steckt, werden nun die Prodigy-Songs mit der theoretisch bestmöglichen Qualität im WAV-Format, bei einer Abtastrate von 48 kHz in 16 Bit-Stereo auf den Player kopiert.

Und nun endlich erfüllt der iPod die hohen Erwartungen die an ihn gestellt werden. Tauscht man die Ohrstecker gegen einen "richtigen" Kopfhörer, verwöhnt der Player mit extrem ausgewogenem Klang die Ohren. An die Stereo-Anlage angeschlossen klingt das Album " Hail to the thief" sogar außerordentlich gut. Ein Unterschied zur CD ist nahezu kaum bemerkbar. Die sphärischen Klänge von Radiohead legen sich äußerst differenziert über den Raum und lassen so manches kleines Manko schnell vergessen.

Software

Der Hauptgrund des hohen Verkaufserfolges des iPods dürfte die nahezu perfekte Harmonie des Players mit der Software iTunes sein. Kein anderes Gerät bietet eine solch komfortable Symbiose aus Bedienkomfort und Leistungsumfang wie der iPod dies im Zusammenspiel mit Apples eigener Software erlaubt.

Über Firewire oder USB an den PC angeschlossen, synchronisiert iTunes automatisch die Bibliothek des iPods. Änderungen die in iTunes vorgenommen werden, sind gleichzeitig auch auf dem MP3-Player wirksam. So lassen sich am Rechner bequem verschiedene Wiedergabelisten erstellen und diese an den iPod übertragen. Die von anderen Geräten gewohnte Ordnerstruktur muss man dabei allerdings schnell hinter sich lassen und ausschließlich mit Wiedergabelisten arbeiten.

Wer viele Einzeltitel auf dem iPod speichert läuft zwar Gefahr ein wenig den Überblick zu verlieren. Nach einer Eingewöhnungszeit und ein wenig Ordnung dürfte das Arbeiten mit den Listen aber kein Problem mehr darstellen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit unterwegs Wiedergabelisten "on-The Go" zu erstellen und diese an iTunes zu übertragen.

Fazit

Kopf: Apple lässt sich den iPod mit 329 Euro für die 20-Gigabyte-Version fürstlich vergüten. Vergleicht man ihn mit der Konkurrenz, so fehlen ihm neben einem Line-In-Eingang noch ein Mikrofon und ein Radio. Dieses ist zwar als Zubehör erhältlich, bei den Konkurrenzplayern allerdings entweder schon fest integriert, oder wesentlich günstiger zu haben. Ein Gerät mit weniger Prestige und welches nicht so durchgestylt wie der iPod ist, würde mit dem selben Preis auf dem hart umkämpften Markt wohl gnadenlos untergehen.

Aber dieses Prestige kauft man halt mit. Das ist wieder wie beim Autokauf. Der günstige Japaner ist mit allen erdenklichen Extras immer noch günstiger zu haben, als das vergleichbare Modell mit dem Stern bei dem jedes Zubehör in barer Münze aufgewogen wird. Apple gehört hier zu den wenigen Firmen die sich solch eine Produktstrategie überhaupt leisten können. Wie bei den übrigen Produkten aus gleichem Hause gilt auch für den iPod: Sex sells!

Bauch: Dinge die zum täglichen Leben gehören dürfen und sollen einfach gut aussehen und sich gut anfühlen. Auch wenn man dieselbe, oder sogar noch eine bessere Ausstattung für weniger Geld bekommt, so hören Hände, Augen und Gefühl doch immer irgendwie mit. Und da Musik bekanntlich aus dem Bauch kommt und im Kopf entsteht, erhält Apples iPod hiermit eine klare Kaufempfehlung. Es gehört schon ein wenig Schizophrenie dazu sich einen iPod zu kaufen. Fernab jeder Logik ist Apples MP3-Revolution jedoch nach wie vor einer der besten MP3-Player auf dem Markt.

Ebenfalls im Test: Der iPod Mini

Apple iPod 20 GB
AbspielformateAAC (16 bis 320KBit/Sek.), MP3 (32 bis 320KBit/Sek.), MP3 VBR, Audible, AIFF, Apple Lossless und WAV
Akkulaufzeit9,5 Stunden im Durchschnitt
AkkutypFest installierter Lithium-Ionen-Akku
SchnittstelleUSB 2.0, Firewire 400, Dock-Connector
TastenClickwheel, Play/Pause, Menü, Vorwärts, Rückwärts, Hold
Frequenzbereich20 Hz - 20 KHz
Gewicht mit Akku158 g
Mitgeliefertes ZubehörOhrstecker, Netzteil, Installations- / Software-CD, USB-Kabel, Firewire-Kabel, Anleitung
Preis in Euro329
Positiv
  • Gelungenes Design
  • 20 Gigabyte Festplatte
  • extrem flach
  • Großes, übersichtliches Display
  • Guter Klang
  • Einfache und logische Bedienung
  • Perfektes Zusammenspiel mit iTunes
  • Upgrade der Firmware möglich
Negativ
  • Klang der Kopfhörer
  • Schwache Bässe
  • Oberfläche für Kratzer anfällig
  • Mikrofon fehlt
  • Radio fehlt
  • Kein Line-In-Anschlus
  • Zubehör teuer
  • Ohne Extrasoftware zu leise

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Die iPod-Schizophrenie: Apples Musikrevolution im Test
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Für viele ist er der MP3-Player schlechthin. Apples iPod elektrisiert wie kaum ein anderes technisches Gerät die unterschiedlichsten Menschen. Manche schreiben Bücher über ihn, andere legen für den weißen Riesen ihren letzten Spargroschen auf den Tisch. Für die Musikindustrie ist er Rettungsanker und Sorgenkind zugleich.
http://www.netzwelt.de/news/67767-ipod-schizophrenie-apples-musikrevolution-test.html
2004-10-17 12:00:00
News
Die iPod-Schizophrenie: Apples Musikrevolution im Test