RFID-Tags werden knapp

RFID: Etikettenmangel bremst Entwicklung

Probleme wie in der ehemaligen DDR: "Es gab ja nüscht", stöhnt so mancher, wenn er sich an die alten Zeiten im Osten erinnert. Und das entspricht auch ungefähr den Tatsachen. 15 Jahre hätte im Westen niemand auf ein Auto gewartet, schon garnicht auf einen Trabanten. Auch wenn Volkswagen diese Strategie offensichtlich wiederbelebt.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Mehr Nachfrage als Angebot
  2. 2Wal-Mart und Metro, die Chip-Klauber
  3. 3Den Weihnachtsmann wird's freuen
  4. 4Verhältnisse wie in der DDR

Mehr Nachfrage als Angebot

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Die RFID-Technik leidet momentan unter einer ähnlichen Krankheit: Es gibt nüscht, zumindest keine RFID-Tags. Anders als damals in der DDR liegt das allerdings weniger daran, dass von Staatwegen und zur außenpolitischen Demonstration des Wohlstandes der größte Teil der Etiketten ins Ausland exportiert wird, vielmehr ist die Nachfrage schlicht größer als das Angebot.

Denn RFID ist, ob man will oder nicht, im Kommen: Die amerikanische Handelskette Wal-Mart möchte die smarten Chips künftig benutzen, genau wie der deutsche Metro-Konzern. Sogar das US-amerikanische Verteidigungsministerium hat Interese angemeldet. Grund für den Engpass: Die meisten dieser Großkunden haben bis zum letzten Moment auf die Bestellung gewartet, um den Preis zu drücken.

Wal-Mart und Metro, die Chip-Klauber

Nun haben sie den Salat, denn dank der erhöhten Nachfrage kommen der Hauptproduzent der RFID-Tags, Alien Technology, sowie diverse andere Anbieter mit ihrer Produktion nicht mehr nach. Mit dem Erfolg, dass eine Verknappung an Tags aufgetreten ist, die durch eine Preiserhöhung kompensiert werden dürfte. Für die Verantwortlichen im Lager der Chip-Kunden sicherlich kein Grund zum Feiern.

Datenschützer hingegen werden sich über die Verzögerung die Hände reiben, gibt sie ihnen doch im Zweifelsfall Zeit, weiter gegen die funkenden Datenklauber vorzugehen. So sind die Metro-Gruppe und Wal-Mart bereits seit Monaten dabei, ihre Zulieferer mit RFID-Technologie in die Pflicht zu nehmen. Das Resultat: Dank der Verknappung müssen die Zulieferer die Preise steigern, zudem wird der Start der vollständigen RFID-Logistik verzögert.

Den Weihnachtsmann wird's freuen

Besonders die kleinen Chips nach Industriestandard "Class 1", die auf Verpackungen und in den Waren selbst verwendet werden sollen, sind knapp: Alien Technology kann bis weit in den Januar hinein keine Tags mehr in größeren Mengen liefern. Und das ausgerechnet zu Beginn des Weihnachtsgeschäftes. Den Weihnachtsmann hingegen kann es nur freuen, läuft er auf diese Weise dieses Jahr noch nicht jedem findigen Kind, das ein RFID-Lesegerät im Schornstein installiert hat, in die Arme.

Anders als in der DDR hingegen können die Waren auf Geheiß und nicht auf Plan nachproduziert werden. Die Produktionsverzögerung liegt vielmehr daran, dass RFID-Tags wesentlich komplexer sind als beispielsweise Barcode-Etiketten mit Diebstahl-Sicherung: Entsprechende Margen brauchen für die Produktion wesentlich länger als die klassischen Strichcodes.

Verhältnisse wie in der DDR

Zwar hätten die Hersteller sich auf die Nachfrage vorbereiten können, doch war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass alle Abnehmer gleichzeitig die Entscheidung fällen, Chips zu bestellen. Und kein Unternehmen, das vom Markt abhängt, kann und will es sich leisten, auf Halde zu produzieren. Wohl einer der Gründe, warum die DDR zum Scheitern verurteilt war.