Millionen von Überwachungskameras dringen in unser Leben vor
Privacy Watch: Die Kamera-Seuche
Überwachungskameras sind ein Allheilmittel gegen jede Form der Kriminalität. Das jedenfalls glauben die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft. Inzwischen sind Ballungszentren überall auf der Welt Hochburgen der Überwachung, der Bürger kann im Prinzip auf Schritt und Tritt überwacht werden, sobald er seine Wohnung verlässt.
Inhaltsverzeichnis
- 1Im Auge des Gesetzes
- 2Großbritannien und seine Kameras
- 3Deutsche und Österreicher skeptisch
- 4Elektronische Helferlein gegen Datenberge
- 5Alaaaaaaarm!
- 6Rechner sind keine Menschen
- 7Deutschlands Rückstand
- 8Vertreibung statt Bekämpfung
Im Auge des Gesetzes
Und genau da liegt auch schon eines der großen Probleme der "lückenlosen" Überwachung: Die schlimmsten Verbrechen geschehen immernoch in den eigenen vier Wänden: Familienmorde, Kindesmissbrauch, Gewalt und Computerkriminalität sind nur vier Säulen des unendlich weit reichenden Spektrums der möglichen Verbrechen für den Heimwerker.
Bisher haben staatliche Überwachungskameras dort, in den Wohnungen, noch keinen Zugang, auch wenn sie den eigenen vier Wänden bereits verdächtig nahe gekommen sind: Hauseingänge und sogar die Flure von Appartement-Häusern werden von elektronischen Augen abgetastet. Staatlich oder privat ist eigentlich egal, die Ermittlungsbehörden können im Zweifelsfall auch auf die Kamera der Hausverwaltung zugreifen.
Großbritannien und seine Kameras
So sind nach einer Umfrage der britischen Zeitung "The Independent" im April 2004 rund 90 Prozent der Briten mit einer Überwachung einverstanden. Großbritannien ist, nebenbei, nicht nur das Heimatland George Orwells, in London spielt auch der Roman 1984. Eine Ironie des Schicksals, dass London heutzutage tatsächlich als die am besten überwachte Stadt der Welt gilt.
Die Zahl der Überwachungskameras im Inselstaat wird auf rund vier Millionen geschätzt. Zum Vergleich: In Deutschland sollen es um die 400.000 sein. Für die Briten weniger ein Störfaktor als ein Gefühl der Sicherheit, ist doch die Terror-Phobie doch inzwischen zu einem englischen Spleen geworden. Durch die hohe Kamera-Dichte soll jeder London-Besucher binnen eines Tages 300 mal auf Video aufgenommen werden. Das reicht, um ein komplettes Profil seines Weges zu erstellen, vielleicht sogar seines Verhaltens und seines Gefahrenpotentials.
