Einen Sitzplatz mit Steckose und ohne Kegelklub bitte

Verkehrte Netzwelt: Online buchen, offline Bahn fahren

Das beste an der Deutschen Bahn ist sicherlich ihr Internetauftritt - egal, wie oft man die Reiseauskunft nach einer Verbindung fragt, man erhält immer die gleiche Auskunft. Kurz und schmerzlos. Im Reisezentrum am Schalter und an der Hotline passiert dies so gut wie nie.

Noch ein Zeitgewinn: das Online-Ticket - Verbindung suchen, Ticket ausdrucken, losfahren. Es muss nur eine Stunde zwischen Ausdruck und Abfahrt liegen. Wer direkt zum Bahnhof fährt, kann in der Schlange schon mal länger warten. Auf den Zug selbst wartet man dann allerdings wieder gemeinsam.

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Am Tisch sitzen oder im Gang stehen?

So oft passiert dies aber nicht: Dienstagfrüh, 9 Uhr, eine Handvoll Geschäftsleute wartet am Bahnsteig. Jeder findet im IC einen Platz - seinen Platz, denn jeder hat auch eine Sitzplatzreservierung in der Tasche. Die Firma zahlt doch. Ich allerdings fahre immer Freitagabend, 20 Uhr, oft auch erst nach neun - je nach Verspätung.

Irgendwann kam ich dann in das Alter, wo ich nicht mehr wie in der Sardinenbüchse befördert werden wollte und mir einen Laptop kaufte. Ich begann 2,56 Euro in eine Sitzplatzreservierung zu investieren. Seitdem sitze ich im Zug, schreibe meine Texte und zeige dem Zugbegleiter mein Online-Ticket - ein perfektes Datennomaden-Leben. Doch dann machte mein Akku schlapp.

Nun stehe ich wieder Schlange. Im Schnitt dauert es drei Minuten, bis ich mit der Dame am Schalter ausgehandelt habe, dass sie mir einen "Sitzplatz mit Tisch und Steckdose" reserviert. Beim ICE ist dies Serienausstattung, beim IC leider nicht. Auch immer dabei: der Mehrfachstecker. Es passen allerdings nur zwei Laptops auf einen Tisch, wenn man noch halbwegs bequem arbeiten möchte.