DSL und die rosarote Brille

Was muss ein Medienhaus bieten?

Jetzt kommt die rosarote Brille ins Spiel. Wer in den 60er Jahren einen Schwarz-weiß-Fernseher hatte, ist irgendwann auf einen Farbfernseher umgestiegen. Wer von der Zimmerantenne auf Kabelfernsehen oder Satschüssel umgestiegen ist, hat aber noch längst kein Premiere abonniert.

Jedesmal, wenn eine Technik durch eine sinnvolle Weiterentwicklung abgelöst wurde, sind die Menschen mitgegangen. Wenn jedoch einfach nur ein Zusatzdienst verkauft werden sollte, der so überflüssig war wie ein Kropf, hat mancher Chefstratege in der Vorstandsetage sein blaues Wunder erlebt. Zurück zum Mobilfunk-Beispiel: UMTS wird kommen, weil es GSM ablöst. Ob damit aber mehr Geld eingenommen wird, ist höchst fraglich.

Werbung

T-Online - als selbsternanntes Medienhaus im Telekomkonzern zuständig für die kostenpflichtigen Zusatzdienste - hat im vergangenen Halbjahr den "durchschnittlichen Umsatz aus festen und nutzungsabhängigen Umsätzen" von 14,40 Euro auf 15,70 Euro gesteigert. Dieser ARPU (Average Revenue per User) ist der Maßstab, an dem in der Zukunft umso mehr der Erfolg gemessen wird.

Ein Plus von 1,30 Euro ist aber im Vergleich mit dem "Abonnement onSport Insider", das 3,95 Euro monatlich kostet, eher bescheiden. Wer gibt schon so viel Geld dafür aus, dass man übers Internet Zusammenfassungen des Fußball-Bundesliga-Spieltages sehen kann? Der Videorekorder und die Gabe, ihn so zu programmieren, dass er die Sportschau aufzeichnet, kann dies doch auch.

Hier liegt das große Problem der DSL-Anbieter: Welcher Online-Dienst ist ohne Alternative? Was können nur DSL-Netzbetreiber bieten? Für Musik-Downloads gibt es bessere Adressen, iTunes zum Beispiel. Filme werden immer noch in der Videothek an der Ecke besorgt oder über Filesharing. Wenn Telekom, freenet und Co. hier nicht etwas Originelles bieten, werden wieder einmal pfiffige Jungs wie bei Google, amazon und eBay die lachenden Sieger sein.