Euphorie in der Chefetage der Telekom
DSL-Tarife & -Provider: DSL und die rosarote Brille
Wer erinnert sich noch an die UMTS-Milliarden, die seinerzeit in den unendlichen Weiten des Steuersäckels versenkt wurden? Die Chefetage der Deutschen Telekom offensichtlich nicht, sie hat zwar auch unendliche Weiten vor Augen, den DSL-Markt der Zukunft, doch wieder einmal sitzt eine rosarote Brille auf der Nase von Ricke, Holtrop und Co.
Inhaltsverzeichnis
- 1Geht es immer weiter?
- 2Reichen 50 Prozent Marktanteil?
- 3Was muss ein Medienhaus bieten?
Bei Deutscher Telekom und T-Online stand in der letzten Woche die Vorstellung der Halbjahreszahlen an, nackte Zahlen, die sich schwerlich in Zweifel ziehen lassen. Doch auch das Orakel von Bonn kam zu Ehren: Nach derzeit 4,7 Millionen T-DSL-Anschlüssen, sollen es Ende des Jahres 5,6 Millionen und im Jahr 2007 zehn Millionen sein.
Geht es immer weiter?
Grenzen des Wachstums werden hier nicht aufgezeigt. Warum auch? Neben der UMTS-Pleite hat der ehemalige T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke schließlich auch eine Erfolgsstory zu verantworten: den Aufstieg des Mobilfunk-Unternehmens zur deutschen Nummer eins. In den Jahren 1999 und 2000 hat es ein enormes Wachstum gegeben. Zugewinne, wie die 32,6 Prozent plus an T-Online-Breitband-Tarifen lassen auf ähnliches hoffen.
Doch was passiert, wenn fast jeder Haushalt seinen T-DSL-Anschluss hat? Im Mobilfunk gibt es eine ständige Erneuerung. Alles zwei Jahre steht der Kunde vor der Entscheidung: Bleibe ich bei meinem Service Provider oder wechsel ich? Und welches Handy hätte ich gerne als nächstes? Aber wer braucht schon alle zwei Jahre einen neuen DSL-Router? Da lässt sich ja nicht einmal jeden Monat ein neuer Klingelton aufspielen.
Reichen 50 Prozent Marktanteil?
Währenddessen sinken die Gewinnmargen im DSL-Geschäft. T-Online ist bereits unter Druck, weil die Konkurrenz ihre Tarife meist günstiger anbieten. Haben momentan weit mehr als Zweidrittel aller T-DSL-Kunden einen dazugehörigen Tarif bei T-Online gebucht, trifft dies bei Neukunden gerade noch auf die Hälfte zu. Langfristig sieht man sich in Darmstadt bei einem Marktanteil von eben diesen 50 Prozent.
Und auch die Deutsche Telekom selbst wird mit ihrem Geschäftsbereich T-Com etwas ins Schlingern geraten. Wer mit ihr einen Resale-Vertrag abschließt, darf T-DSL-Anschlüsse unter eigenem Namen anbieten. Ein Großteil der Einnahmen fließt dann zwar immer noch an die Telekom, aber mittelfristig werden so die Preise gedrückt - und somit auch das Plus in der Kasse der Telekom.
