Mehr Freiheit für Programmierer
DirectX-Alternative: OpenGL 2.0 abgesegnet
Benjamin Schnitzler
OpenGL-Urvater Silicon Graphics (SGI) und das Standardisierungs-Komitee ARB (Architecture Review Board) haben die Arbeiten zur neuesten Version der 3D-Schnittstelle abgeschlossen. Als professionell ausgelegte API (Application Programming Interface) hatte sie dem Microsoft-Rivalen DirectX schon immer etwas voraus - die Unabhängigkeit von Windows-Plattformen.
Im lukrativen Sektor der Computerspiele ging schon viel Boden an DirectX verloren - doch OpenGL blieb hartnäckig und ließ sich nie völlig von Gates, Ballmer & Co. verdrängen. Großen Anteil daran trägt der Doom- und Quake-Schöpfer id Software unter der Leitung von John Carmack. Die texanische Spieleschmiede hielt der freien Schnittstelle schon immer die Treue.
Spielerisch auf dem zweiten, professionell auf dem ersten Platz
Zur Zeit bekundet sie ihre Sympathie mit dem langersehnten Düster-Shooter Doom 3, der wie seine Vorgänger auf OpenGL basiert. Zu bedenken ist dabei jedoch, dass id Software seine Brötchen auch mit der Lizensierung eigener 3D-Engines verdient und von einer möglichst breiten Schar potentieller Abnehmer profitiert.
Obwohl DirectX derzeit als Spiele-API beliebter ist, dominiert OpenGL bei professioneller 3D-Gestaltung nach wie vor. In der Revision 2.0 sind unter anderem programmierbare Shader mit von der Partie und inklusive der "OpenGL Shading Language" im Software-Kern verankert. Außerdem kommt "multiple render targets" räumlich dargestellten Schattierungen zugute, da es mehrere Objekte in einem Durchgang mit unterschiedlichen Werten belegen kann.
DirectX-Funktionen nachgeliefert
Mit "two-sided stencil" ersparen sich Grafikchips unnötige Arbeit und berechnen Vorder- und Rückseiten von Polygonen ebenfalls in einem Zug. Wie in DirectX 9.0 sorgt diese Methode für eine höhere Leistung bei dreidimensionalen Schattenspielen. Weiterhin schließt OpenGL 2.0 mit "point sprites" zur Microsoft-Schnittstelle auf, welche diese Funktion bereits seit der Version 8.0 unterstützt.
Gestern wurde die Fertigstellung von OpenGL 2.0 auf der Computergrafik-Messe SIGGRAPH 2004 in Los Angeles verkündet. Für die Absegnung neuer Versionen sind die Mitglieder der OpenGL ARB verantwortlich, denen bekannte Computerhersteller, Grafikchip-Produzenten und Softwareentwickler angehören. Außer Windows 2000 und XP unterstützt OpenGL die Betriebssysteme AIX, HP-UX, IRIX, Linux, Mac OS X und Solaris.
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