Rasanter Rechenzwerg im Test: Shuttle XPC SN95G5
Es wird eng
Ans Allerheiligste, den Sockel 939, zu gelangen, geht nicht ohne Werkzeug. Nach dem Lösen zweier Schrauben lässt sich der Schlitten für optisches Laufwerk, Floppy und Festplatte einfach herausziehen. Zuerst werden die Schrauben zur Befestigung des 92 Millimeter großen Lüfters auf der Gehäuserückwand per Hand entfernt. Ist die Aluminiumhülle mitsamt Rotor erst einmal draußen, wird das Funktionsprinzip von I.C.E. (Integrierte Cooling Engine) deutlich. Im Luftstrom des eben abgenommenen Lüfters befindet sich ein Kühler mit mehreren hauchdünnen Aluminiumplatten, mit denen er entfernt an den Radiator einer Wasserkühlung erinnert.
Von dort aus führen vier Heatpipes wie die Auspuffrohre eines Hotrods zum massiven Kühlkörper für die CPU. Die X-förmige Halteklammer presst ihn mit ausreichend Druck Richtung Prozessor und ist mit ein paar simplen Handgriffen schnell gelöst. Dabei zeigt sich, dass die Wärmeableitung nicht allein über Aluminium erfolgt, sondern eine spiegelglatt polierte Kupferplatte zuvor mit dem Prozessor Kontakt aufnimmt. Genial einfach gestaltet sich der CPU-Einbau: Nach dem Auftragen der obligatorischen, dünnen und gleichmäßigen Schicht Wärmeleitpaste den Heatpipe-Kühler möglichst sanft aufsetzen, der Rest erledigt sich dank der passgenauen Halteklammer wie von selbst - beileibe nicht jede Klammer ist zu ihrem Benutzer derart freundlich.

Bevor es mit dem Komponenteneinbau weitergeht, sollte der Lüfter wieder festgemacht und an die Stromversorgung des Mainboards angeschlossen werden, nachträglich kann das erfahrungsgemäß etwas länger dauern. Bei genauem Hinsehen fallen vier Gummiringe auf, die Vibrationen wirkungsvoll ausmerzen sollen. Als nächstes geben wir uns an den Einbau des Arbeitsspeichers. Unter dem schmalen Netzteil ist wenig Platz und dementsprechend vollzieht sich auch der Einbau. Bei den verwendeten passivgekühlten HyperX-Modulen von Kingston bleibt den Fingern gerade genug Platz, um ihn in die zwei Steckplätze zu drücken und zum Einrasten zu bringen. Wirkliche problematisch wird es hingegen erst bei höher bauendem Arbeitsspeicher und dann auch nur insofern, als dass zu groß geratene Hände vorher das gesamte Netzteil abbauen müssten.
Anschließend folgt das vorbereitende Kabelverlegen für die Rückkehr des Laufwerksschlittens. Wo die sinnvoll angebrachten Halterungen fehlen, verweist Shuttle auf doppelseitiges Klebeband. Ist alles erst einmal fein säuberlich zurechtgelegt, wenden wir uns Festplatte und Diskettenlaufwerk zu. Diese lassen sich problemlos auf dem vorgesehenen Schlitten stapeln und arretieren. Zurück im Alugehäuse sollte er mit zwei Schrauben befestigt werden - weshalb das wichtig ist, zeigt sich spätestens beim Einbau des optischen Laufwerks. Doch vorher werden die - hoffentlich passend - zurechtgelegten Kabel ihren Bestimmungsorten zugeführt. Nachdem das erledigt ist, folgt der wohl schwerste Teil des bisher reibungslos verlaufenen Zusammenbaus.

Die Last mit dem Laufwerk
Einen gewöhnlichen CD-R-/RW-Brenner einzubauen, sollte selbst unerfahrene PC-Bastler nicht allzu sehr auf die Probe stellen. Beim XPC SN95G5 davon keine Spur - er verlangt dafür viel Feingefühl und Geduld. Wer sich schon gefragt hat, wie sich die Laufwerksschublade hinter den Scheuklappen aus Kunststoff überhaupt öffnen soll, erfährt jetzt des Rätsels Lösung: Damit der silberne Taster von außen auch richtig auf die Laufwerkstaste drückt, muss das Gegenstück hinter der Gehäusefront möglichst exakt angebracht sein. Aber die Bohrlöcher wollen nicht so wie sie sollen, und nach dem Festschrauben des Schlittens stellt sich oft heraus, dass der Taster letztendlich doch keinen richtigen Kontakt bekommt. Auf dem Rückweg der Schublade klappte außerdem die Frontblende nicht mehr richtig zurück. Für das Serienprodukt besteht hier zweifellos noch Verbesserungsbedarf.
In der Größe eines Schuhkartons bleibt dem Mini-PC nicht viel Platz für Erweiterungskarten. Mit Grafik- und Soundkarte voll besetzt, schließt sich sein Deckel nach etwa einer halben Stunde wieder. Wer des Öfteren an seinem eigenen PC herumschraubt, schafft den Zusammenbau auch ohne Handbuch und größere Schwierigkeiten. Wer es hingegen doch benutzt, wird Schritt für Schritt und reichlich bebildert durch die gesamte Installation geführt, ohne die englischen Hinweise überhaupt lesen zu müssen. Nichtsdestotrotz wäre die Anleitung erst mit deutschen Untertiteln vollkommen narrensicher.
