Unkommerzielle Musik-Liebhaberforen werden populärer
MP3-Tipps aus der Blogosphäre
Janko Röttgers
Die Diskussionen um MP3 und Copyright konzentrieren sich zumeist auf Tauschbörsen wie Kazaa. Im Schatten der großen, anonymen Massen-Umschlagplätze ist jedoch eine vitale Szene von Musikliebhabern entstanden, sie sich MP3s über Weblogs empfehlen.
Mixtapes als Werbung
Ihre Webseiten heißen „Soul Sides“, „Moistworks“ oder „Gabba Pod“. Betrieben werden sie von musikverliebten Enthusiasten, die mit einer Art weltweitem Mixtape auf ausgewählte Geheimtipps aufmerksam machen möchten. Regelmäßig veröffentlichen sie dazu einzelne MP3s mit liebevollen, oftmals persönlich gehaltenen Rezensionen im Weblog-Format – jener Mischung aus öffentlichem Logbuch und persönlicher Publishing-Plattform, die in den letzten zwei Jahren im Netz so populär geworden ist und deren Gesamtheit gern als Blogosphäre bezeichnet wird.
MP3-Weblogs, auch Audioblogs genannt, existieren bereits seit Jahren in der ein oder anderen Form. Doch erst in letzter Zeit ziehen sie ein größeres Publikum an. Anlass für die jüngste Popularitätswelle war der Artikel eines Reuters-Journalisten, der bei einigen der zitierten Weblogs zu einem wahren Besucheransturm führte. So konnte Oliver Wang als Betrieber des auf Soul, Funk und Old School-Hip-Hop spezialisierten Soul Sides-Blogs 5000 Zugriffe innerhalb von 24 Stunden verzeichnen.
Wang schreibt als Musikjournalist unter anderem für das US-amerikanische Magazin Waxpoetics. Das neue Interesse an MP3-Blogs nahm er zum Anlass, ein wenig grundsätzlicher über Sinn und Zweck dieser Foren nachzudenken: „Ich glaube, dass Audioblogs musikalischen Nischen helfen, über die die meisten Leute nicht Bescheid wissen“, so Wang. „Nirvana-Songs zu veröffentlichen hilft nicht unbedingt dabei, das Obskure bekannt zu machen – es sei denn, es handelt sich um ein Bootleg eines Konzerts von 1989.“
MP3-Weblogs sind illegal
Wie viele andere MP3-Weblog-Betreiber beschränkt er sich auf das Posten einzelner Songs – ganze Alben sind für ihn tabu. Die MP3s löscht er zudem nach spätestens zwei Wochen wieder von seinem Server – schon, um nicht zu hohe Bandbreitenkosten zu verursachen. Ganz legal ist sein Angebot dennoch nicht – wenn die Rechteinhaber wollten, könnten sie ihm zum Löschen der MP3s zwingen. Bisher hat es aber noch keinen ernsthaften Ärger gegeben.
Wer jetzt selbst auf den Geschmack gekommen ist und ein eigenes MP3-Weblog aufziehen will, sollte sich aber dennoch darüber bewusst sein: Das öffentliche Anbieten von MP3s ist illegal – selbst wenn einzelne Songs in Kombination mit liebevollen Reviews in den meisten Fällen wohl eher als Werbung dienen. In Deutschland hat sich die Industrie zudem darauf spezialisiert, gezielt Webseiten-Betreiber mit MP3-Links abzumahnen. So kann aus dem harmlosen Hobby schnell ein teurer Spaß werden.
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