Alles aus einer Hand
Gas, Wasser, Internet: Die City-Carrier
Lars Gurow
In jeder größeren Stadt gibt es sie: Regionale Internet- und Telefonanbieter. Und oft sind sie auch die bessere Telekom-Alternative als die bundesweiten Alternativ-Anbieter, denn sie bieten guten Service, sind günstig und flexibel - egal, ob für Privat- oder Geschäftskunden. Doch obwohl die Angebote regional beschränkt sind, bilden sich auch hier langsam bundesweite Player.
Die meisten City-Carrier wurden nach der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes 1998 gegründet; meistens von regionalen Sparkassen und den örtlichen Strom-, Gas- und Wasserversorgern. Dabei nutzten letztere ihren Zugang zu den Hausanschlussleitungen: Sie hatten ohnehin Leitungen, die in die Häuser führen, und konnten so leicht auch noch eine Telefonleitung verlegen. Und vor allem in Neubaugebieten preschen die City-Carrier vor, denn dort schließen sie die neuen Häuser nicht nur an Strom, Gas und Wasser an, sondern legen auch noch gleich eine Telefonleitung dazu.
Ganz ohne Telekom
Wer sich bei einem der regionalen Anbieter für Telefon und Internet anmeldet, hat mit der Telekom nichts mehr zu tun. Für die City-Carrier sieht das aber unter Umständen anders aus: Wo sie keine eigenen Leitungen besitzen, müssen sie die "letzte Meile" der Telekom nutzen und teuer dafür bezahlen. Deshalb kann kaum ein City-Carrier die Preise der Telekom deutlich unterbieten oder Leistungen bieten, die die Telekom nicht im Angebot hat.
Die meisten City-Carrier bieten auch kein Call-by-Call an, der sogenannte "Investitionsschutz" erlaubt ihnen das. Lediglich über die Telekom kann noch telefoniert werden - die hat aber meist die höheren Preise. Und hier liegt auch die Gefahr für den Kunden der City-Carrier: Wer vorher nicht genau abschätzen kann, wie viel er wohin telefoniert, kann den Kostenvorteil der niedrigen Grundgebühren leicht verspielen und hinterher mehr bezahlen als bei der Kombination Telekom-Anschluss und Call-by-Call.
Nah dran am Kunden
Die örtliche Nähe zu den Kunden hebt die City-Carrier von den landesweiten Anbietern ab. Die meisten City-Carrier bieten Kundenservice in ihren lokalen Büros an, wo der Kunde auch Wasser- und Stromrechnungen bezahlen kann. Zusätzlich nutzen sie ihre regionale Bindung für ihr Image: Mit lokalem Charme stellen sie sich als "die Firma von nebenan" dar, bei der der Kunde nicht einer von Millionen ist, sondern gehegt und gepflegt wird. Große Mühe geben sich die City-Carrier auch beim Service, denn hier können die offensichtlich Boden gegenüber der Telekom gutmachen.
Zwang zur Größe
Doch auch die City-Carrier sind längst nicht mehr so regional beschränkt, wie sie es am Anfang waren. Viele haben expandiert, wie NetCologne Im Raum Köln/Bonn oder M’Net in München. Andere Anbieter wurden von Großkonzernen geschluckt, beispielsweise die Hamburger HanseNet von der Telecom Italia oder die Düsseldorfer ISIS von Arcor. Wieder andere haben sich zu größeren Netzwerken zusammengeschlossen: Die Tropolys-AG vertreibt mittlerweile Telefon und Internet in 44 deutschen Städten, darunter Frankfurt am Main, Dresden, Oberhausen, aber auch kleinere Orte.
Für den Kunden aber sieht es immer noch aus, als wäre er bei einem regionalen Anbieter. Aus solchen Zusammenschlüssen werden sich in den nächsten Jahren vielleicht neue bundesweite Anbieter mit großen eigenen Leitungskapazitäten bilden - Gong zur nächsten Runde im Preiskampf.
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