München: Big Brothers Mautsystem
Mautplakette im Eigenbau
Ebenfalls unangenehm: RFID-Chips lassen sich beliebig auslesen und neu beschreiben. Bei einer Speicherung des Guthabens auf dem Chip selber dürfte es kein Problem sein, mit einem entsprechenden Lesegerät die Daten zu verändern und sich so ein Innenstadt-Füllhorn zu verschaffen. Nimmt diese Praxis überhand, müssten die Daten doch wieder fahrzeugbezogen gespeichert werden, um Einnahmeausfälle der Stadtverwaltung zu verhindern.
Natürlich ist es mit der Kombination Digitalkamera - RFID-Chip grundsätzlich möglich, jedes beliebige Auto ablichten zu lassen, egal ob mit oder ohne Chip. Derartige Gedanken kommen spätestens auf, wenn es darum geht, Verbrecher oder Terroristen dingfest zu machen. Einmal abgesehen davon, dass sie sich prima eignet, die RFID-Chips ihren Fahrzeugen zuzuordnen, womit das System der Londoner Lösung nicht all zu unähnlich ist.
Lesegeräte lassen sich beliebig missbrauchen
Ein weiteres Problem: Wenn an jeder Ecke ein RFID-Scanner steht, ist es auch möglich, andere Tags als die in den Fahrzeugen auszulesen. So könnte es für Stadtverwaltung wie Einzelhändler höchst interessant sein, herauszufinden, welche RFID-Chips sich wie in der Innenstadt bewegen. Sind dann auch noch Tags mit persönlichen Daten "am Mann", zum Beispiel in Payback-Karten, kann der Bürger nicht mehr überprüfen, wer nun wann welche Daten von ihm stiehlt.
Zuguterletzt hat sich bereits in London gezeigt, dass der Einzelhandel durch eine City-Maut Umsatzeinbußen hinnehmen muss. Besonders Geschäfte, die normalerweise mit dem Auto angesteuert werden, müssen sich damit abfinden. Ob das im Anbetracht der wirtschaftlichen Lage Deutschlands so sinnvoll ist möge der Leser entscheiden.
Hohe Akzeptanz
Aufgrund der einfachen Handhabung der Technik dürfte die Akzeptanz in der Bevölkerung dennoch sehr hoch sein. Wird die kommunale Finanzpolitik mit Überwachungstechnik dann auch noch unter dem Deckmantel des Umweltschutzes verkauft, könnte es durchaus sein, dass viele Menschen die Einführung der City-Maut in Ordnung finden. Ein klarer Fall von Salami-Taktik, denn letztendlich dient auch die PKW-Maut auf Umwegen dazu, Überwachungsmethoden zu etablieren, auf die in einem Rechtsstaat verzichtet werden sollte.
