RFID: Schnüffelchips für große Brüder
Profil-Profile
Macht eine einzelne Datenbank noch kein Persönlichkeitsprofil, können mehrere verknüpfte Datenbanken Informationen preisgeben, die vielleicht für manche Stellen nicht bestimmt sind. Für den einzelnen könnte das mit erheblichen Restriktionen einhergehen, die gegen den vom Grundgesetz garantierten Gleichheitsgrundsatz verstossen.
Beispiel Krankenversicherung: Die Krankenkassen wären sicher nicht undankbar, wenn sie wüssten, welcher ihrer Kunden Raucher, Trinker oder Extremsportler ist. Erfahrungsgemäß nimmt diese Personengruppe die Leistungen der Krankenversicherungen häufiger in Anspruch. Was läge also näher, als die Datenbank eines Einzelhändlers über das Kosumverhalten des Versicherten zu befragen und gegebenenfalls die Beitragssätze zu erhöhen?
Gleichheitsgrundsatz? Nein Danke!
Beispiel Alkoholkonsum: Da fliegt jemand volltrunken aus einer Kneipe und wird in die Datenbank der Kneipe aufgenommen. Zehn Jahre später wird ihm der Eintritt zum Geschäftsessen in einem Restaurant verwehrt, weil er in einer weltweiten Kneipen-Datenbank als notorischer Säufer geführt wird. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch zum Verlust des Arbeitsplatzes führen, wenn der Chef den Grund für das Nichterscheinen herausbekommt, obwohl es sich vielleicht nur um einen im jugendlichen Übermut begangenen Ausrutscher handelte.
Solche Datenbank-Abgleiche würden Menschen für Vergehen, die niemals vor einem Gericht verhandelt wurden, abstrafen. Damit wäre jeder, der sich einmal aktenkundig etwas zuschulden hat kommen lassen, im klassischen Sinne vorbestraft. Und zwar nach Kriterien, die keiner Gerichtsbarkeit unterliegen.
Statische Infos ergeben noch keinen Menschen
Obendrein sind Datenbanken nichts als statische Informationen. Sie erlauben eine statistische Auswertung der Verhaltensweisen eines Konsumenten, die Persönlichkeit selbst allerdings verschwindet hinter der Datenflut. Der Mensch wird zur statistischen Einheit, nach Schemata geordnet und nach diesen beurteilt. Die Folgen für den Alltag wären unabsehbar.
Einen Schutz gegen die Schnüffelchips gibt es (noch) nicht, wenigstens lassen sie sich aktuell noch von sämtlichen Produkten entfernen. Doch durch die fortschreitende Miniaturisierung wird diese Option in Zukunft vermutlich wegfallen.
Letztendlich könnte der breite Einsatz von RFID die Menschen in grau uniformierte Roboter verwandeln, deren einziges Lebensziel es ist, nicht aufzufallen und sich dadurch Probleme zu ersparen.
Links zum Thema
- Metro-Gruppe startet RFID-Einsatz
- Future Store
- Autos knacken mit RFID
- RFID: Metro-Lieferanten werden einsatzbereit gemacht
