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Tagebuch eines CeBIT-Reisenden: Kommando Gruppenzwang

von Alex Leinhos Uhr veröffentlicht

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Morgens halb sieben im Rheinland. Die Krawatte zwickt, der Anzug spannt - und volleres Haar hatte ich letztes Jahr auch irgendwie. Drissegal, heut ist CeBIT-Tag. Jetzt gilt es: auf nach Hannover. Nicht geflogen, nicht gebeamt - sondern per Zug. Zu Schlips-Trägern, Techies und Beutelratten...

Morgens halb sieben im Rheinland. Die Krawatte zwickt, der Anzug spannt- und volleres Haar hatte ich letztes Jahr auch irgendwie. Drissegal,heut ist CeBIT-Tag. Jetzt gilt es: auf nach Hannover. Nicht geflogen,nicht gebeamt - sondern per Zug. Zu Schlips-Trägern, Techies undBeutelratten...

Erste Anlaufstelle im ICE: das mobile Mehdorn-Fressabteil, derMitropa-Speisewagen. Schick frühstücken, Pötte voller Mitropa-Kaffeeschütten und drei Stunden überbrücken, die man sonst im alles andere alsgeräumigen Großraumwagen mit Plärr-Blagen, stillenden Müttern undsteigender Klaustrophobie verbracht hätte.

Endlich in Hannover wird erst einmal die Vermieterin aufgesucht. Wirwohnen "von privat" - mit garni. Nichts ungewöhnliches: Zur CeBIT räumthalb Niedersachsen die ehelichen Schlafzimmer für Besucher, zieht in denKeller und finanziert sich damit die Messekarten für die ganze Familie.Ganz und gar nicht ehrenrührig, so ohne Hotel - selbst Sparfuchs undFreenet-Boss Eckhard Spoerr macht das. Wir sind also in besterGesellschaft.

Kommando Gruppenzwang: von Föhnfrisuren und Bluetooth-Headsets

Aber jetzt los, auf zur CeBIT. Schon in der Bahn geben sich die erstenMesse-Maniacs zu erkennen: Anzug, schön geföhnte Fiffi-Frisur,geschäftiges Grinsen, Wichtig-Headset im Lauscher. Bitte sehr, kann ichauch - man hat sich schließlich vorbereitet. Die Krawattezurechtgerückt, was vom Haare übrig blieb noch mal kurz durchgestylt,debil gegrinst, das eigens zum Wichtigmachen eingekaufte Headset ins Ohrgepappt - und dann ganz oft die Wörter "Kaufen", "Verkaufen","Time-Slot" und "Business Associate Meeting" ins Micro soufliert. Jungs,jetzt bin ich einer von Euch!

Nicht allzu lange. Denn auf dem Gelände kommt heraus, dass sichCeBITianer in Besucher aus der Dom-Perignon- und der Leberkäs-Etagesplitten. Die wahre Elite earphoned drahtlos mit Bluetooth: Knopf imOhr, Sprechbügel im Colgate-Grinsen und gib ihm. Nur die Kassenpatiententelefonieren heute noch mit Drahtkopfhöhrer. Und was habe ich da?...Selbstzweifel, Depression - ich bin ein bemitleidenswertesSubjekt.

Nun, Schluss mit den Befindlichkeiten. Die Siemens-Billig-Variantewegverpackt und an die Arbeit. Heutiger Auftrag: Fotos schießen, vonallen Hostessen, die die IT-Nabelschau zu bieten hat. Mit einerT-Com-Beauty fange ich an: "Könnte ich vielleicht..Foto...Presse?" -Antwort: "Aber das ist nicht irgendso ein Porno-Magazin oder..?" - Klar,Du blondierte Standdeko mit Beinen bis zum Hals. Ich bin der schmierigePorno-Redakteur aus Pataya-Süd. Na, das lässt sich ja gut an...

CeBIT-PartyCheck: Zuckende Manager und gefällige Sekretärinnen

Achtung, harter Schnitt: Es ist 18:30. Der Bass rumst, die Halle bebt.Und ich mitten drin - beim Freenet-Party-Praxis-Test. Die grüne Truppehat wie jeden Abend auf dem Stand zur Freibier-Verköstigung geladen. DieElite - ja, genau die mit den Bluetooth-Headsets - sitzt oben imVIP-Bereich und schaut der feiernden Plebs gefällig zu. Ich will rein,doch der Schrank an der Türe sieht das irgendwie anders. Gegen 21:00 Uhrentdeckt mich eine Freenet-Sprecherin heulend in der Ecke, nimmt michmit. Endlich: Schampus, Smirnoff, Rigo - ich komme. - "Hossa, Hostessa,die Getränkekarte bitte!" - "Verzeihung, der Herr, die Bar wurde geradegeschlossen!" ...die Messe-Götter haben sich gegen michverschworen.

Nichts wie heim. Geknickt geht's Richtung Ausgang. Abend abzuhaken unterder Rubrik partytechnischer und sexueller SuperGAU. Da ertönt vonirgendwo Musik. Epson hat zur Party geladen. Toll, endlich dieEntschädigung für Generationen ewig schmierender Nadeldrucker. Das hamwa uns verdient. Der Türsteher sieht schon wieder das anders: "Nurgeladene Gäste!" Wir wedeln wichtig mit den Ausweisen, erzählen vonjahrelanger Treue zu Epsons tollen Nadeldruckern - und schleimen uns denWeg frei.

Drinnen zucken die Epson-Manager epileptisch - und glauben, das seiTanz. Viel zu junge Sekretärinnen machen mit - und tun so, als gefieleihnen das. Nach Kaltgetränken aller Couleur lässt sich selbst dasaushalten. Denn die haben die Drucker-Fuzzis aufgefahren - genauso wieein üppiges Schweine-Buffet. Epson, wir danken Dir. Und über dieDrucker-Nummer reden wir ein anderes Mal...

Alex Leinhos, bekannt als der NetSheriff, berichtet für das world.net vonder CeBIT 2004 und wird in Kürze das Verbraucherschutz-Magazinnetsheriff-world.net aufbauen.

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Tagebuch eines CeBIT-Reisenden: Kommando Gruppenzwang
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http://www.netzwelt.de/news/66003-tagebuch-cebit-reisenden-kommando-gruppenzwang.html
2004-03-19 12:00:00
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Tagebuch eines CeBIT-Reisenden: Kommando Gruppenzwang