Feldzug gegen illegalen Beatles-Remix geht nach hinten los

Update: Grey Album erobert das Netz

Der in Los Angeles ansässige Musik-Produzent Danger Mouse wollte eigentlich nur 3000 Exemplare seines Remix-Projekts "The Grey Album" unters Volk bringen. Doch dann bekam er eine Welle unerwarteter Reaktionen: Musikkritiker lobten sein Werk in höchsten Tönen - und die EMI schickte ihm eine Abmahnung wegen ungenehmigter Beatles-Samples. Seitdem macht Danger Mouse weltweit Schlagzeilen, und das Grey Album erobert das Netz im Sturm.

Die Idee war so einfach wie genial: Danger Mouse nahm die Lyrics der letzten Jay Z-Platte "The Black Album" und kombinierte sie mit Sample-Fragmenten aus dem Beatles-Klassiker "The White Album". Da er keine großartigen kommerziellen Ambitionen für sein Projekt hatte - und die Beatles ihm sowieso nie die Rechte eingeräumt hätten, mehr als 40 Minuten ihres Materials zu verwenden - kümmerte sich Danger Mouse nicht weiter um die rechtliche Seite des Projekts und legte einfach los. Insgesamt 3000 CDs ließ er von dem Werk pressen und in lokalen Plattenläden verkaufen.

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Ähnliche ungenehmigte Remixe existieren seit Jahren als halblegale Basis des Hip Hop-Geschäfts. Auch das Mixen über Genre-Grenzen hinweg hat eine lange Tradition und erlebte in den letzten Jahren als Mashup-Kultur ein Comeback. Normalerweise müssen die daran beteiligten Musiker und Produzenten kaum Konsequenzen fürchten. Geringe Auflagen und abgeschlossene Insider-Zirkel sorgen dafür, dass die Remixe nur selten auf dem Radar der großen Plattenfirmen auftauchen. Danger Mouses Grey Album dagegen war einfach zu gut, um unbekannt zu bleiben.

Innerhalb weniger Wochen machte das Werk Schlagzeilen in der US-Musikpresse. Das Rolling Stone Magazine bezeichnete es als "das ultimative Remix-Album", der Boston Globe sah darin "das kreativ fesselnste Album des Jahres". All das konnte natürlich auch der EMI nicht ganz verborgen bleiben, die als Plattenfirma der Beatles die Rechte an den Aufnahmen des White Albums für sich beansprucht. Die Plattenfirma mahnte Danger Mouse kurzerhand ab und forderte ihn auf, den Vertrieb seines Remix-Albums sofort einzustellen.

Dieser hat sich dem Druck der Firma mittlerweile gebeugt. Doch im Netz hat die Nachricht von der Abmahnung zu einem explosiv wachsenden Interesse am Stein des Anstoßes gesorgt. Zahllose Websites bieten das Werk im MP3-Format zum Download an. Auch in Tauschbörsen verbeitet sich das Grey Album mit rasanter Geschwindigkeit. Auf Ebay wird das Original mittlerweile für knapp 90 Dollar gehandelt. Das alles scheint offenbar jedoch nur die EMI zu beunruhigen. Vom ebenfalls remixten Jay-Z gibt es keinen offiziellen Kommentar, aber eben auch keine Abmahnungen. Jay-Z hatte sein komplettes Black Album als Acapella-Version auf Vinyl veröffentlicht - ein Schritt, der allgemein als Freihfartschein zum Remix angesehen wird. (jr)

Update 25.02.2004: Gestern war "Grey Tuesday". Die Webmaster von Downhillbattle.org riefen zum Protest gegen EMI auf und organisierten über vierhundert Webmaster, die das Album zum Download anbieten. Nach Ansicht der Musikaktivisten geht es dem Plattenlabel nicht um Geld, sondern darum Kreativität im Keim zu ersticken. EMI hatte bereits am Montag darauf reagiert und ein Rundschreiben an Webmaster versendet, die bei der Aktion helfen wollen. In dem Schreiben forderte EMI die Betreiber auf, die Pläne fallen zu lassen und "keine Beweisstücke zu vernichten, die in einem Prozess relevant sein könnten". Unzählige Webseiten haben das Album dennoch angeboten und unzählige Kollegen haben ihre Webseiten aus Solidarität grau eingefärbt.

Das Album ist nicht mehr überall verfügbar. Es empfiehlt sich DIESE LISTE (http://www.greytuesday.org/) durchzugehen. Einige Webmaster bieten weiterhin das Album an ;-)