Musik-Download-Preise - wer kriegt was?

Music Markt: Musik-Download-Preise - wer kriegt was?

Rechenbeispiel: Europäische Download-Services

Streitereien mit den Verwertungsgesellschaften haben Apples Europa-Start lange verzögert. Nun scheint der Dienst kurz vor einer Einführung in Europa zu stehen. Die Rechnung eines Downloads sieht hier anders aus. Popfile.de hat 0,99 Euro vorgemacht, Apple hat die 99 Cent pro Track in die Köpfe zementiert; wir wollen hier die Verteilung einmal vorrechnen, wobei wir Deutschland als Beispielland gewählt haben:

Downloadpreis pro Track: 0,99 Euro abzüglich 16 % MwSt (0,14 Euro)

In den verschiedenen europäischen Staaten schwankt der Mehrwertsteuersatz zwischen 7,6 % (Schweiz) und 70 % (Estland), liegt im Schnitt aber um die 20 %. Nach einem zum 1. Juli 2003 in Kraft tretenden EU-Gesetz müssen US-eCommerce-Angebote beim Verkauf in Europa mit hiesiger Mehrwertsteuer verkauft werden.

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Netto-Detail-Preis (NDP): 0,85 Euro

Händler-Marge: 0,20 Euro

Die Marge für den Händler oder die Portalsite wird - wie bisher - zwischen 20 und 30 % liegen, ansonsten rechnet sich die Bereitsstellung, Pflege und Bewerbung des Musikangebotes inklusive von GEMA-Lizenzen für die unerlässlichen Probehör-Dateien nicht. Insbesondere letzterer Posten ist ein dicker Batzen, setzt die GEMA doch eine Gebühr von 0,80 Euro pro bereitgestellte Datei pro Monat an, was bei 200.000 Dateien wie bei Apple immerhin 180.000 Euro macht. Hier wird sicherlich noch verhandelt werden. Wir rechnen für die Händler hier mit einer freundlichen Marge von 20 %: 0,20 Euro

Payment-System: 0,20 Euro (später 0,04 Euro)

Micro-Payments, also Zahlung von Kleinbeträgen, sind hier noch lange nicht so etabliert wie in den USA, wo man im Supermarkt seine Cola-Dose anstandslos mit der Kreditkarte zahlen kann. Kreditkartenunternehmen und Payment-Dienstleister verlangen daher heute noch ziemlich hohe Umsatzbeteiligungen.

Kreditkartenunternehmen hierzulande verlangen gerne Umsatzbeteiligungen von 4,5 %, aber eine Mindestgebühr von 30 bis 40 Cent - bei unserem Beispiel also bis zu 40 % des Bruttoumsatzes. Weitere Möglichkeiten sind die Bezahlung über den Anruf bei 0190er Nummern, wo der Downloadpreis dann praktisch vertelefoniert wird. Auch diese Möglichkeit ist nicht besonders günstig. Andere Anbieter entwickeln eigene "Virtual Wallets", also virtuelle Geldbörsen, die sich der User per Lastschriftverfahren schnell auffüllen kann, wobei vom Dienstleister etwa 0,40 Euro pro Aufladen in Rechnung gestellt werden, was natürlich besser der eCommerce-Anbieter trägt (und gegebenenfalls auf den Abgabepreis umlegt). Nachteil hier ist natürlich, dass die User einen weiteren Registrierungsvorgang über sich ergehen lassen müssen und dann eine Wallet in diesem speziellen Shop haben, die ihr Kapital bindet.

Zahlungssystemanbieter wie Firstgate verlangen etwa 25 % des Umsatzes, wobei hier je nach Umsatzmasse sicherlich noch etwas Spielraum drin ist, wir rechnen mal mit gut 20 % des Umsatzes, also 20 Cent. Firstgate arbeitet bereits mit vielen deutschen Musik-Download-Anbietern wie Popfile, Hotvision oder Chartradio zusammen, ist aber auch bei Spiegel.de, RTL.de, focus.de, Bild.de und vielen anderen großen Portalen vertreten.

Billig(er) wird es nur bei Händlern, die schon Kundenbeziehungen mit regelmäßiger Abrechnung haben, wie beispielsweise die Telekom, die selber das Zahlungssystem T-Pay anbietet, oder aber AOL. Hier kann über die monatliche Kundenrechnung abgerechnet und bezahlt werden.

Mittelfristig ist sicherlich davon auszugehen, dass sich die Kosten auf das amerikanische Niveau von 3,5 bis 4,5 des Endverbraucherpreises bewegen. Wir können dann aber immerhin noch mit im Schnitt 0,04 Euro Payment-Kosten pro Download rechnen.

ASP-Kosten: 0,18 Euro

Die Kosten für den ASP liegen zwischen 0,15 Euro und 0,20 Euro. Dies sind die Kosten, die Dienstleister wie OD2, 24/7 Musicshop, die Telekom mit ihren Subdienstleistern oder Digital World Service verlangen. Dafür halten sie die Server-Infrastruktur, Encoding-Straßen mit entsprechenden Robotern und Datenbanken, sowie die eCommerce-Infrastruktur vor. Sie müssen von dieser Marge Software-Lizenzen, die eigenen Entwicklungs-, Wartungs- und Bereitstellungskosten sowie den anfallenden Traffic bezahlen. Da diese Entwicklungen bereits Millionen verschluckt haben (OD2 beispielsweise hat Venture-Capital in Höhe von 6,5 Millionen englischen Pfund erhalten), muss auch hier zur Refinanzierung der eine oder andere Download verkauft werden.

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