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12.06.2004
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Zahlen, bitte

Musik-Download-Preise - wer kriegt was?

Music Markt

Rechenbeispiel: Apples iTunes Music Store

In Apples iTunes Music Store kostet ein Download 0,99 US-Dollar. Hiervon verbleiben 35 Cent bei Apple; 64 Cent werden an die Lizenzgeber ausgeschüttet. Mehrwertsteuer wird in den USA bislang auf E-Commerce-Transaktionen nicht erhoben.

Apple muss mit diesen 35 Cent seine Redaktion, die Technologie-Entwicklung, die Lizenzen für die Nutzung des AAC-Formates (Lizenz fürs Encoding der Tracks und Lizenz fürs Decoding durch die iTunes-Software), des One-Click-Shop-Patentes von Amazon.com (hat sich Apple im September 2000 in einem Gegenseitigkeitsdeal gesichert), für die Payment-Systeme, also Kreditkartenabrechung (ist in USA ziemlich billig und liegt etwa bei 3,5 % bis 5 %), das Betreiben der Plattform und den Traffic bezahlen. Läge die Marge für Apple nach Abzug aller Kosten nur bei 5 cent, so hätte Apple pro 5 Millionen Downloads immerhin 250.000 US-Dollar Gewinn gemacht - und zwei Millionen iPods verkauft sowie einen unglaublichen Image-Zuwachs verzeichnet.

An die Lizenzgeber, bisher hauptsächlich Major-Labels gehen 64 Cent, wovon zuallererst die Urheber-Gebühren bezahlt werden müssen. Insider rechnen hier mit einer Gebühr zwischen 6 und 8 Cents an die amerikanische Verwertungsgesellschaft Harry Fox, mit der die amerikanischen Labels sich geeinigt haben sollen. An die Künstler gehen, so meinen amerikanische Marktinsider, 5,5 bis 10 Cents abzüglich 1,4 bis 2,5 Cents für die künstlerischen Produzenten. Damit verbleiben beim amerikanischen Label etwa 47 bis 53,5 Cents und bei den Künstlern 4 bis 7,5 Cents.

Rechnen wir mit fünf Millionen Downloads. 5 Millionen Downloads von 200.000 Titeln heißt, dass jeder Titel durchschnittlich 25 mal heruntergeladen wurde, also zwischen 11,75 und 13,37 US-Dollar Umsatz für ein Label gebracht hat. - Anders gesagt, um eine Produktion eines Titels im Studio zu bezahlen, die etwa im Schnitt 2.500 US-Dollar kostet, müsste ein Titel gut 5.300 mal verkauft werden, um seine reinen Produktionskosten (ohne Fixkosten des Labels) einzuspielen.

Aber sicherlich sind wir hier erst am Anfang einer Marktentwicklung - immerhin deckt Apple mit seinem iTunes-Angebot lediglich einen Marktanteil von 3 bis 5 % ab, wobei der "Music Store" nur auf neuen MacOS-10-Rechnern und in den USA läuft (bisher!). Extrapoliert man die Zahlen auf den Weltmarkt, so ist sicherlich noch Hoffnung für die Kostendeckung rein über digitalen Vertrieb gegeben. Für die Verwertung von Backkatalog- oder sogar gestrichenen Titeln, die als Tonträger im Handel nur noch schwer oder gar nicht mehr erhältlich sind, kann sich hier sicherlich ein schönes Zusatzgeschäft entwickeln. Immerhin liegen durchschnittliche Encoding-Kosten für ein Album mit Aufnahme der Meta-Daten bei unter 10 US-Dollar, also bei unter 1 US-Dollar pro Musik-File.

MP3-Workshop: Downloadpreise - wer kriegt was?

Unserer Schätzung nach ist die Aufteilung der Wertschöpfung an einem verkauften "iTunes"-Track wie folgt: Apple bekommt von den 99 Cent 35 Cent (und bezahlt damit Technologie-Abwicklung, Hosting, Traffic und Payment-Abwicklung), das Label erhält 65 Cent, davon gehen ab: 6 bis 8 Cent für den Publisher, 5,5 bis 10 Cent an den Künstler, 1,4 bis 2,5 Cent an den Produzenten. Diese Annahmen basieren auf publizierten Zahlen (etwa "65 Cent pro Tracks gehen an die Labels").


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