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LG G Flex im Test: Gebogenes Smartphone mit Selbstheilungskräften
Curved Display

von Jan Kluczniok
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Nach Fernsehern biegt LG nun auch Smartphones. Warum? Die krumme Form des LG G Flex soll für eine bessere Sprachqualität und ein kinoähnliches Erlebnis auf dem Smartphone sorgen. Ob dies stimmt und wie stark die Selbstheilungskräfte der Kunststoffrückseite wirklich sind, verrät der Test des G Flex.

Dieser Artikel wurde am 5. März aktualisiert. Das Update finden Sie im Abschnitt "Hardware".

Design und Verarbeitung

Durch die gebogene Form zieht das LG G Flex zwar die Blicke auf sich. Optisch ist das Modell aber eher unspektakulär, lediglich die fehlenden Buttons im Rahmen sind zu erwähnen. Alle Tasten hat LG auf die Rückseite verlagert - aber das kennen Nutzer ja bereits vom LG G2. Das Design erinnert entfernt an Samsungs Galaxy S4. Wie das Smartphone des Konkurrenten besteht auch das G Flex nahezu vollständig aus Kunststoff, der im Vergleich aber nicht ganz so rutschig ausfällt wie bei den Galaxy-Geräten.

  • Das LG G Flex ist das erste gebogene Smartphone auf dem deutschen Markt. (Bild: netzwelt)
  • Alle physischen Tasten befinden sich auf der Rückseite des Smartphones. (Bild: netzwelt)
  • An der Unterseite weist das G Flex einen microUSB- und einen Kopfhöreranschluss auf. (Bild: netzwelt)
  • Das LG G Flex benötigt zum Betrieb eine Micro-SIM-Karte. (Bild: netzwelt)
  • Das Display misst in der Diagonalen sechs Zoll. (Bild: netzwelt)
  • Als Betriebssystem fungiert Android 4.2. (Bild: netzwelt)

Dafür soll es robuster sein als andere Smartphone-Cover. Eine spezielle Beschichtung ermöglicht es dem G Flex, sich selbst "zu heilen". Kratzer oder Schrammen verschwinden laut LG nach durchschnittlich 90 Sekunden, das Smartphone soll so länger wie neu aussehen. Bevor Sie nun aber mit einem Messer auf das G Flex einstechen, sei gesagt, dass diese "Selbstheilungskräfte" begrenzt sind. Sie können laut LG nur die üblichen "Wear and tear"-Schäden beheben - also kleinere Kratzer, wenn Sie etwa das Smartphone ohne Schutzhülle zusammen mit einem Schlüssel in der Hosentasche getragen haben. Tatsächlich konnte netzwelt im Test kaum Selbstheilungskräfte ausmachen. Selbst kleinere Kratzer waren noch nach Tagen zu sehen.

Überraschend ist, dass das G Flex trotz seiner Größe noch vergleichsweise gut in der Hand liegt, hier kommt die Bogenform dem Nutzer entgegen. Das G Flex lässt sich mit etwas Kraft übrigens auch gerade biegen. Die Flexibilität des Gehäuses soll Schäden verhindern, wenn Sie sich zum Beispiel aus Versehen auf das G Flex setzen.

Hardware

Das G Flex ist ein Technologieträger. Dementsprechend hat der Hersteller alles an Technik verbaut, was Nutzer derzeit in einem High-End-Gerät erwarten. Als Prozessor fungiert der Snapdragon 800 von Qualcomm. Der Quad-Core-Chip taktet hier mit 2,3 Gigahertz und sorgt für eine flinke und ruckelfreie Bedienung des Smartphones. Im Benchmark-Vergleich mit Galaxy Note 3, Sony Xperia Z1 Compact und dem Apple iPhone 5s zieht das G Flex jedoch den Kürzeren. Im Alltag werden Sie aber kaum einen Leistungsunterschied wahrnehmen.

Dem Prozessor stehen zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, der interne Speicher misst 32 Gigabyte, 24 davon stehen für den Nutzer bereit. Der Speicher kann nicht erweitert werden. Dies dürfte in den meisten Fällen aber auch nicht notwendig sein. Funktechnologien wie LTE und NFC werden aber natürlich unterstützt.

  • Der Bildschirm des G Flex misst in der Diagonale sechs Zoll. (Bild: netzwelt)
  • Der OLED-Schirm löst mit 1.280 x 720 Pixeln auf. (Bild: netzwelt)
  • Das Zubehör des LG G Flex:… (Bild: netzwelt)
  • Kurzanleitung… (Bild: netzwelt)
  • Netzteil und Datenkabel… (Bild: netzwelt)
  • …sowie Kopfhörer. (Bild: netzwelt)
  • Außerdem legt LG eine G-förmige Nadel zum Öffnen des SIM-Schachts bei. (Bild: netzwelt)
  • Hier noch einmal der Beweis: Nicht nur das Display des G Flex ist gebogen, sondern auch Hardware und Gehäuse. (Bild: netzwelt)

Der Bildschirm selbst misst in der Diagonalen sechs Zoll und bietet eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln oder kurz gesagt HD. Hier verfehlt LG den High-End-Anspruch. Andere Smartphones in dieser Preiskategorie bieten längst einen Full HD-Bildschirm. Vermutlich ist die verwendete Display-Technik "POLED" hierfür noch nicht ausgelegt. Schrecklich pixelig ist das Bild des LG G Flex dennoch nicht. Auch die Blickwinkel fallen angenehm groß aus. Jedoch zeigte das Testgerät von netzwelt in der Farbdarstellung noch Fehler - ein Blaustich war wahrzunehmen. Bei niedriger Display-Helligkeit schien auch das Pixelmuster durch. LG weist daraufhin, dass es sich bei einigen Testgeräten noch um Vorserienmodelle handelt, netzwelt wird die Qualität des Bildschirms noch einmal bei den Seriengeräten überprüfen.

Update vom 5. März:Inzwischen ist ein Seriengerät des LG G Flex in der Redaktion eingetroffen. Das Display zeigt hier keinen Blaustich mehr. Allerdings wirken weiße Flächen jetzt eher gräulich. Ein Problem, das Nutzer schon von AMOLED-Bildschirmen kennen. Außerdem scheint auch weiterhin das Pixelmuster bei niedriger Display-Helligkeit durch - wenn auch nicht mehr so stark.

Seine Stärken hat das Curved Display unter anderem beim Videoschauen. Hierbei soll durch die Krümmung ein leicher 3D-Effekt entstehen - ähnlich wie bei einem Curved TV oder in Kinos mit iMax-Technologie. Tatsächlich wird sich der Nutzer ein wenig wie im Kino vorkommen, wenn er Trailer oder Filme auf dem G Flex guckt - nicht nur wegen der Biegung, sondern auch aufgrund des vergleichsweise kleinen Rands ober- und unterhalb des Bildschirms.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Gerade bei Smartphones mit großer Bilddiagonale leidet die Sprachqualität, da sich das Mikrofon weit entfernt vom Mund des Nutzers befindet. Durch die gebogene Form des G Flex will LG die Sprachqualität deutlich heben - und dies gelingt. Die Sprachqualität des krummen LG-Smartphones ist deutlich besser als bei anderen Phablets. Ein Bluetooth-Headset brauchen Sie zum Telefonieren nicht unbedingt.

Über verpasste Anrufe informiert den Nutzer jeweils eine Status-LED auf Vorder- und Rückseite. Diese ist sogar intelligent: Ruft eine Person mehrfach kurz hintereinander an, wechselt die LED die Farbe und blinkt von Grün auf Rot.

Das LG G Flex bietet einen 3.500-Milliamperestunden-Akku - mehr Kapazität weist im Smartphone-Bereich derzeit nur die Batterie des Huawei Ascend Mate auf. Der ausführliche Akkutest läuft zwar noch - bereits jetzt zeichnet sich aber ab: Das LG G Flex ist ein Dauerläufer. Selbst Power-User werden es schwer haben, das krumme Smartphone an einem Tag leerzuspielen. Je nach Nutzungsintensität sind Laufzeiten von bis zu zwei Tagen möglich. Geladen ist das G Flex in knapp 3,5 Stunden. Der Akku kann aber nicht gewechselt werden.

  • Die 13-Megapixel-Kamera des LG G Flex liefert brauchbare Bilder. (Bild: netzwelt)
  • Die Aufnahmen wirken aber etwas blass und farbarm. (Bild: netzwelt)
  • Dank optischem Bildstabilisator können bei schwachem Licht brauchbare Aufnahmen entstehen… (Bild: netzwelt)
  • …müssen aber nicht. (Bild: netzwelt)

Multimedia

Das LG G Flex bietet auf der Rückseite eine 13-Megapixel-Kamera nebst optischem Bildstabilisator und eine 2,1-Megapixel-Frontkamera. Beide Kameras liefern brauchbare Bilder, für Begeisterungsstürme sorgen sie in der Redaktion aber nicht. Sehen die Aufnahmen auf dem Smartphone selbst noch toll aus, fallen am PC Detailarmut und die blasse Farbwiedergabe auf.

Trotzt optischem Bildstabilisator sind Aufnahmen bei schwachen Lichtverhältnissen ein Glücksspiel. Verwackelte und verrauschte Aufnahmen sind keine Seltenheit. Gleiches gilt für die Qualität von Videoclips. Diese kann das G Flex übrigens sogar in 4K aufnehmen. Am PC betrachten kann der Nutzer die Ultra HD-Clips aber nicht, dies ist eine einzige Ruckelei. Auf dem Smartphone laufen sie dafür flüssig.

Der Lautsprecher des G Flex ist zwar kräftig genug, um Sie mit Radio oder Musik zu beschallen, der Klang ist aber verrauscht. Audiophile Nutzer sollten lieber Kopfhörer anschließen. Unpraktischerweise befindet sich der Anschluss für diese an der Unterseite des Smartphones. Mit den Ohrstöpseln als Antenne können Sie aber auch UKW-Radio empfangen.

Dank eines Infrarotsenders kann der Nutzer auch sein Heimkino mit dem G Flex steuern. Der Sender ist aber etwas unglücklich auf der Rückseite angebracht. Er ist zudem anders als im G2 nicht lernfähig. Findet das G Flex keinen passenden Code für Ihr Gerät in der LG-Datenbank, können Sie es nicht mit dem G Flex steuern.

Software

Als Betriebssystem kommt auf dem LG G Flex Android 4.2 Jelly Bean zum Einsatz. Zu einem Update auf Android 4.3 oder gar Android 4.4 macht der südkoreanische Hersteller keine Angaben. Das Android-System hat LG mit einer eigenen, UX genannten Nutzeroberfläche überzogen, die Googles Handy-OS um viele nützliche Funktionen erweitert und die Bedienung des XXL-Smartphones erleichtert. Einige Funktionen sind bereits vom LG G2 bekannt - dazu zählen etwa:

  • KnockOn: Tippt der Nutzer zweimal schnell hintereinander auf das Display, erwacht das G Flex aus dem Stand-by-Modus. Zwei weitere Tipps in der Mitte des Screens, und der Bildschirm schaltet sich wieder ab. Sehr praktisch.
  • SlideAside: Mit einer 3-Finger-Wischgeste kann der Nutzer wie auf einem Desktop-PC Apps vorübergehend minimieren. Allerdings erfordert die Geste viel Übung.
  • QSlide: Über die Benachrichtigungsleiste kann der Nutzer diverse Apps in Fenstern ausführen - etwa einen Taschenrechner oder Kalender oder den Dateimanager. Das ist sehr praktisch. Gegenüber früheren Modellen hat LG hier die Auswahl an Mini-Apps deutlich erweitert.
  • Konfigurierbare virtuelle Tasten: Aus Sicht von netzwelt ein Killer-Feature der LG-Nutzeroberfläche. Der Nutzer kann die Anordnung der virtuellen Tasten ändern. Zusätzlich zu "Zurück", "Home" und "Menü" lassen sich auch weitere Tasten einblenden - etwa ein Button, mit dem sich die Benachrichtigungsleiste öffnen und schließen lässt. Das erspart dem Nutzer beim Riesen-Smartphone, mit dem Finger ganz nach oben zu fahren.

Neu hinzugekommen ist unter anderem die Möglichkeit, den Bildschirm beim Multitasking zu teilen, dies klappte im Test leider nicht. Andere Funktionen hat sich LG bei der Konkurrenz abgeguckt:

  • Bildschirm schaltet beim Lesen nicht ab: Aktiviert der Nutzer diese Funktion, schaltet sich der Bildschirm nicht ab, solange der Nutzer draufblickt - auch wenn er längere Zeit keine Aktion vornimmt. Dies ist praktisch beim Lesen von Webseiten oder längeren Mails. Samsung nennt die Funktion "Smart Stay".
  • Videowiedergabe stoppt beim Wegschauen: Auch diese Funktion kennen Samsung-Nutzer. Das Smartphone pausiert ein Video, wenn der Nutzer den Blick vom Bildschirm abwendet. LG hat diese Funktion in seine UX ebenfalls integriert. Sie funktionierte im Test aber nicht. Möglicherweise hängt dies mit der gebogenen Form des Smartphones zusammen.

Das Design der Nutzeroberfläche hat LG überarbeitet, was angesichts der fast zwei Jahre alten Optik auch bitter notwendig war. Die UX erscheint nun im modernen "Flat-Design" und ist von grafischen Spielereien befreit worden -  iOS 7 lässt grüßen. Das System wirkt dadurch übersichtlicher und aufgeräumter. Ein nettes Gimmick am Rande: Der Sperrbildschirm passt seine Optik an Wetter und Tageszeit an. Positiv anzumerken ist auch, dass LG wenig sogenannte "Bloadware" auf dem G Flex vorinstalliert. Stattdessen gibt es nützliche Apps wie einen Dateimanager oder die Notfall-App "Safety Care". Löblich: Alle Apps lassen sich auch deinstallieren.

  • Das LG G Flex misst 160,5 x 81,6 Millimeter. An der dünnsten Stelle ist es 7,9 und an der dicksten 8,7 Millimeter tief. (Bild: LG)
  • Durch eine spezielle Beschichtung soll die Rückseite kleinere Kratzer und Abnutzungserscheinungen selbst "heilen" können. (Bild: LG)
  • Das Display misst in der Diagonalen sechs Zoll und ist gebogen. (Bild: LG)
  • Das LG G Flex ist seit November in Südkorea erhältlich. In Deutschland kommt es Mitte Februar in den Handel. (Bild: LG)

Das LG G Flex ist zunächst exklusiv über den Düsseldorfer Netzbetreiber Vodafone erhältlich und kann hier bereits vorbestellt werden. In Verbindung mit einem Laufzeitvertrag ist das G Flex hier je nach Tarif für einen Einmalbetrag zwischen einem und rund 479,90 Euro erhältlich.

Die unverbindliche Preisempfehlung für das LG G Flex lautet 799 Euro, im Handel ist das Smartphone ab Mitte Februar erhältlich.

Ein vergleichbares Smartphone gibt es derzeit in Deutschland nicht, Samsung hat aber mit dem Galaxy Round ein ähnliches Modell in Südkorea vorgestellt.

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netzwelt
7.0
LG G Flex
Vorteile
  • Nutzeroberfläche mit nützlichen Zusatzfunktionen
  • gekrümmtes Display verbessert Sprachqualität und Bedienung
  • leistungsstarker Prozessor
  • gute Sprachqualität
Nachteile
  • selbstheilende Rückseite hilft wenig
  • Display-Muster scheint durch

Bereicherung für den Smartphone-Markt

Mit dem G Flex bereichert LG den Smartphone-Markt. Der gebogene Bildschirm verbessert die Sprachqualität und entpuppt sich auch bei der Bedienung und beim Betrachten von Inhalten auf dem Smartphone als Gewinn. Dank der Kombination aus Bauform und innovativen Bedienfunktionen ist das Phablet auch mit einer Hand gut zu bedienen. Eher ein Marketing-Gag ist dagegen die selbstheilende Rückseite.


Einzelergebnisse
Smartphones sind Gebrauchsgegenstände. Statt Leser mit Zahlen zu überschütten, haben wir uns für ein praxisnahes Testschema entschieden. Ziel ist es Stärken und Schwächen des Geräts zu ermitteln und eine Einschätzung zu geben, für welche Art von Nutzer das Smartphone geeignet ist. Unsere Wertung setzt sich aus fünf Einzelwertungen ("Design und Verarbeitung", "Ausstattung, Leistung und Bedienung", "Sprachqualität und Akkulaufzeit und "Multimedia") zusammen. Die Gesamtnote ergibt sich aus den Einzelnoten, der Tester kann jedoch eine Auf- beziehungsweise Abwertung um eine Note vornehmen. Falls eines der Kritieren im Vergleich mit anderen Geräten besonders herausragend ist.
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Design und Verarbeitung
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Ausstattung und Bedienung
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Sprachqualität
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Akkulaufzeit
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Multimedia
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Einsortierung
LG G Flex von LG wurde als Smartphone abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Die besten Phablets. Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Handy, Android, LG, Smartphone, Vodafone, Review, Android 4.2 Jelly Bean und LG G Flex .
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