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Dell XPS 11 im Test: Das Convertible-Experiment
Mit "ultraflacher Touch-Tastatur"

von Michael Knott
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Ein Convertible zum Verlieben: Dell setzt beim XPS 11 hochwertige Materialien ein, gleichzeitig ist der 11-Zöller leicht und sehr gut verarbeitet. Beste Voraussetzungen also für einen echten Kassenschlager. Leider ist die fest verbaute Tastatur jedoch nur schick anzusehen und fällt im Praxiseinsatz glatt durch.

Bei den Convertible-Ultrabooks schlagen die Hersteller höchst unterschiedliche Wege ein. Meist toben die Ingenieure sich bei den Display-Scharnieren aus. Mal lässt sich das Display etwa um 180 Grad über die Tastatur hinaus wegklappen, mal schiebt sich die Tastatur unter den Bildschirm. Sony zeigte zuletzt mit einer Art knickbarem Touchscreen Innovationsgeist.

Beim XPS 11 orientiert sich Dell eher am von Lenovo eingeführten Yoga-Prinzip. Wie etwa beim Yoga 2 Pro lässt sich der fest mit der Tastatur verbundene Touchscreen um knapp 360 Grad nach hinten klappen und es entsteht ein Tablet-PC. Die Besonderheit: Dell verbaut beim Dell XPS 11 eine vollkommen flache Tastatur, deren einzelne Tasten keinerlei Druckpunkt bieten. Dazu später mehr.

Technische Ausstattung: Das steckt drin

Im netzwelt zur Verfügung stehenden Rezensionsexemplar sorgt der Intel Core i5-4210Y-Prozessor  mit einer Taktfrequenz von 1,5 Gigahertz für Vortrieb. Hinzu kommen vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Für die Grafikausgabe ist ebenfalls ein Intel-Bauteil zuständig (HD Grafik 4200). Als Massenspeicher dient eine 128 Gigabyte fassende SSD, deren Kapazität Dell gegen Aufpreis auf das doppelte aufstockt. Der 11,6 Zoll große Bildschirm löst mit 2.560 x 1.440 Bildpunkten sehr hoch auf.

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Das Dell XPS 11 wird derzeit zu Preisen ab 920 Euro im Dell-Konfigurator angeboten. (Bild: netzwelt)

Die Anschlusspalette fällt mit zwei USB-Ports, einem HDMI-Ausgang sowie einem SD-Kartenleser praxisgerecht aus. Unter Ultrabook-Gesichtspunkten fehlt dem Dell XPS 11 ein LAN-Anschluss. Dieser lässt sich prinzipiell jedoch über einen USB-Adapter nachrüsten. Der Lieferumfang fällt recht bescheiden aus. Die an dieser Stelle getestete Grundversion des Dell XPS 11 schlägt derzeit mit 924 Euro im Dell-eigenen Konfigurator zu Buche.

Verarbeitung: So fühlt es sich an

Das XPS 11 ist eines dieser Geräte, bei denen bei der Verarbeitung einfach alles stimmt. Ganz kritischen Zeitgenossen könnte allenfalls die Bildschirmeinfassung missfallen, bei der sich ein umlaufendes Spaltmaß erkennen lässt in dem sich schnell Schmutz ansammeln kann. Der US-Hersteller setzt auf einen interessanten Mix aus Kohlefaser, Aluminium und Glas. Dies führt nicht nur zu einem optisch ansprechenden Gesamtbild - das XPS sieht sportlich edel aus - sondern das Gesamtpaket fühlt sich in der Hand auch sehr angenehm an.

Die dunkle Oberfläche erwies sich im Kratztest von netzwelt als nahezu unverwüstlich. Man muss schon mit einem spitzen Gegenstand hohen Druck ausüben, um bleibende Kratzer auf dem Convertible-Deckel zu hinterlassen. Dafür sammeln sich an dieser Stelle gern Fingerabdrücke, die sich mit einem weichen Tuch schnell wieder wegwischen lassen.

Viele schöne Details am Dell XPS 11 entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Das gilt zum Beispiel für das angenehm kompakte und leichte (256 Gramm) Netzteil, das seine Betriebsbereitschaft mithilfe einer im Kabelende eingelassenen, doppelseitigen LED signalisiert. Oder der ebenfalls per LED illuminierte Einschaltknopf, der die Farbe wechselt, sobald die Akkukapazität erschöpft ist. Kurzum: An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen.

Display

Der Touchscreen des Dell XPS 11 löst sehr fein auf, zum Treppeneffekt kommt es nicht. Kleine Schaltflächen und Schrift lassen sich gut ablesen. Die Ausleuchtung erfolgt sehr gleichmäßig. Allerdings hat die Anzeige mit einem anderen Problem zu kämpfen: In der Horizontalen fallen die Blickwinkel recht klein aus.

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Will nicht nur Ultrabook, sondern auch Tablet-PC sein: Dell XPS 11. (Bild: netzwelt)

Hat man das XPS 11 zentral vor sich liegen und bewegt den Bildschirm nach oben oder unten, lässt sich ein wandernder Lichtbalken beobachten. Dies ist gerade im Tablet-Betrieb ärgerlich. Die Maximal-Helligkeit geht grundsätzlich in Ordnung. Unter freiem Himmel und bei direkter Sonnenlichteinstrahlung schafft sie es aber bei Weitem nicht, Spiegelungen zu überstrahlen.

Tastatur und Trackpad

Und da ist es, das Wagnis, das Dell beim XPS 11 eingeht. Anstelle einer herkömmlichen Tastatur finden Nutzer eine "ultraflache Touchtastatur" vor, sobald sie den Display-Deckel nach oben klappen. Wer schon einmal Gelegenheit hatte, auf dem sogenannten Touch-Cover des Surface-Tablets von Microsoft zu tippen, wird sich beim Anblick des aufgeräumten und sehr edel wirkenden XPS-Innenraums unweigerlich daran erinnert fühlen. Nur dass die Eingabehilfe fest mit dem Tablet verbunden ist. Die Option auf ein "Type-Cover" mit physikalischen Tasten haben Dell-Kunden leider nicht.

Man will diese Tastatur einfach gernhaben. Denn sie fügt sich so wunderbar harmonisch in das Gesamtkonzept ein. Zudem bildet sie zusammen mit dem Trackpad eine absolut ebene Fläche. Im Präsentationsmodus etwa ist dies von Vorteil, da die Tastatur-Seite dann flach auf einem Schreibtisch ruhen kann und kein Bauteil hervorsteht. Andere Hersteller lösen dieses Problem mithilfe eines umlaufenden Rahmens, der jedoch auf Kosten der Gehäuse-Tiefe geht.

Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben, diese wunderschöne Tastatur zu mögen. Doch es will nicht gelingen. Für die Eingabe einer URL ist sie noch zu gebrauchen. Auch eine schnelle Notiz lässt sich ihr noch weitestgehend fehlerfrei abringen. Je länger das zu verfassende Schriftstück jedoch wird, desto steiler steigt die Fehlerquote an. Normalerweise verfasst der Autor den Testbericht zu einem Ultrabook auf eben jenem - undenkbar im Falle des XPS 11.

Sehr schick, dennoch ein großes Ärgernis: Die Touch-Tastatur muss ohne Hub auskommen.

Immer wieder "verschluckt" die Tastatur einzelne Buchstaben. Da hilft es auch nicht, die Empfindlichkeit der Tastatur in den Einstellungen (der Hersteller spendiert eine Extra-Taste, die augenblicklich in das entsprechende Menü führt) ganz nach oben zu schrauben. Auch Profi-Tipper schaffen es kaum, ihr gewohntes Zehn-Finger-System auf der XPS-Tastatur umzusetzen. Stattdessen findet man im "Hack-Modus" mit zwei Fingern einen Kompromiss, der beim Verfassen von Texten Zeit kostet - und im Grunde kaum Vorteile gegenüber einer virtuellen Bildschirmtastatur bietet.

Das Trackpad hingegen überzeugt mit "traditionellen" Werten und funktioniert auf gewohnte Art und Weise. Zudem fällt es mit einer Diagonale von zwölf Zentimetern großzügig aus. Der Mausersatz bietet keine physikalische Trennung zwischen linker und rechter Taste; lediglich ein Strich auf dem Trackpad nimmt diese Unterteilung optisch vor, was im Alltag problemlos funktioniert. Ebenfalls nichts auszusetzen gibt es bei Gleiteigenschaften und Druckpunkt des multitouchfähigen Trackpads.

Leistung und Akkulaufzeit

Nach einem Kaltstart vergehen knapp elf Sekunden, bis der Dell-PC auf Eingaben reagiert. Ein sehr guter Wert, obwohl Nutzer den XPS 11 statt herunterzufahren die meiste Zeit wohl einfach zuklappen werden. Klappt man den Touchscreen dann auf, ist das System umgehend einsatzbereit.

Der verbaute Intel Core i5-Chipsatz klingt nach mehr als ausreichend Leistung. Interessierte sollten sich jedoch nicht von der Bezeichnung "i5", die vereinfacht ausgedrückt die Prozessoren-Mittelklasse aus dem Intel-Portfolio darstellt, blenden lassen. Denn die verbaute CPU mit der Bezeichnung i5-4210Y mit einer Taktfrequenz von 1,5 Gigahertz (Turbomodus: 1,9 Gigahertz) ist eher eine Tablet- denn eine Ultrabook-CPU.

Dennoch stellt der Chipsatz im Alltag mehr als genügend Rechenkraft zur Verfügung. Sämtliche von netzwelt ausprobierte Spiele aus dem Windows Store laufen ohne Ruckler. Gleiches gilt in vollem Umfang auch für die Wiedergabe von hochauflösenden Videos. Programme und Apps starten dank der verbauten SSD zügig, sodass sich ein durchweg hohes Arbeitstempo einstellt. Testweise installierten wir das Benchmark-Tool Cinebench R15 auf dem Dell XPS 11. Hier erzielt das System beim CPU-Test 150 Punkte. Unter Ultrabook-Gesichtspunkten ist damit kein Blumentopf zu gewinnen.

Zwei USB-Schnittstellen, ein HDMI-Ausgang und SD-Kartenleser: Damit kann man leben.

Ausreichend lang fällt die Akkulaufzeit aus. Wer es bei der Bildschirmeinstellung nicht allzu sehr übertreibt, kommt locker über einen Arbeitstag. Der nicht auswechselbare 40-Wattstunden-Akku machte im Test bei kontinuierlicher Video-Wiedergabe (Bildschirmhelligkeit oberes Drittel, Energiesparprofil "Ausgeglichen", Funkverbindungen deaktiviert) erst nach sechs Stunden schlapp. Ein guter Wert.

Umwelt 

Es ist nicht vorgesehen, dass Nutzer am Dell XPS 11 Bauteile selbst auswechseln - das wird beim Blick auf die Rückseite und die dort verbauten Spezialschrauben schnell klar. Interessierte sollten sich daher vor dem Kauf für eine für sie passende SSD-Kapazität entscheiden, denn eine spätere Aufrüstung gestaltet sich schwierig.

Sollte ein internes Bauteil vorzeitig den Geist aufgeben, hilft nur der Dell-Kundenservice weiter. Dafür ist Dells XPS im Betrieb nahezu geräuschlos. Eine übermäßige Erwärmung konnte netzwelt im Testzeitraum nicht feststellen.

Multimedia

Das XPS 11 eignet sich hervorragend für die Wiedergabe von Multimedia-Inhalten. Dazu passt etwa das hochauflösende Display, das sich im Zelt- oder Präsentations-Modus wunderbar in Richtung Nutzer positionieren lässt. Auch die kräftigen Lautsprecher machen keinen Strich durch diese Rechnung. Sie übersteuern auch bei maximaler Lautstärke nicht und taugen so zur Untermalung von kurzen Youtube-Clips.

Eine rückwärtige Kamera, wie sie etwa beim zuletzt von netzwelt getesteten Sony Vaio Fit 13A zu finden ist, bietet das Dell-Convertible nicht. Die verbaute Webcam am oberen Display-Rand liefert bei Videotelefonaten ein brauchbares und verhältnismäßig rauscharmes Bild und deckt einen weiten Winkel ab.

Digitizer-Unterstützung

Im netzwelt-Forum tauchten Fragen bezüglich einer möglichen Digitizer-Unterstützung beim Dell XPS 11 auf, ähnlich wie die Konkurrenz von Microsoft und Sony sie bei manchen Modellen anbietet. Und offenbar warb Dell auch zumindest im englischsprachigen Raum mit der Kompatibilät zum "Dell Active Stylus". Der aktive Bedienstift konnte eine Zeit lang beim Tablet Dell Venue 8 Pro sowie beim Venue 11 Pro mit in den Warenkorb gelegt werden, ist nun aber ebenfalls nicht mehr lieferbar.

Auf Anfrage von netzwelt bestätigte Dell nun, dass das XPS 11 grundsätzlich fit für den Digitizer-Betrieb ist. Sämtliche "Hardware-Voraussetzungen sind gegeben und der Stylus-Support geplant", heißt es seitens Dell. Dieser Testbericht wird entsprechend aktualisiert, sobald netzwelt diesbezüglich neue Informationen vorliegen.

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Das Dell XPS 11 wird derzeit zu Preisen ab 920 Euro im Dell-Konfigurator angeboten. (Bild: netzwelt)

Das Konzept eines leichten, sehr gut verarbeiteten und schicken Convertibles setzt Dell beim XPS 11 ausgezeichnet um. Leider taugt die Tastatur für nicht viel mehr als zur URL-Eingabe. Diese Tatsache stellt das Gesamtkonzept infrage: Interessierte sollten daher genau abwägen, ob sie bereit sind, das Tippen mit dem XPS 11 von Grund auf neu zu erlernen. Doch auch nach einer Eingewöhnungszeit von mehreren Wochen geht netzwelt nicht davon aus, dass es sich mit der Touchtastatur auf Dauer so produktiv wie mit einer herkömmlichen Tastatur arbeiten lässt.

Als Alternative kommt in erster Linie Microsofts Surface Pro 2 infrage, das sich preislich auf ähnlichem Niveau bewegt. Hier lässt sich die Tastatur jedoch abnehmen. Und Käufer haben die Wahl zwischen dem mit der Dell-Tastatur vergleichbaren "Touch-Cover" oder dem produktiveren "Type-Cover". Auch auf das Lenovo Yoga 2 Pro sollten Sie einen Blick werfen

Weitere mögliche Alternativen finden Sie in diesem Vergleichstest aktueller Convertible-Ultrabooks auf netzwelt.

Aktuelle Preise
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netzwelt
5.7
Dell XPS 11
Vorteile
  • Verarbeitung
  • Display
Nachteile
  • Tastatur sehr gewöhnungsbedürftig
  • Tastatur nicht abnehmbar

Convertible mit Tablet-First-Ansatz

Das Konzept eines leichten, sehr gut verarbeiteten und schicken Convertibles setzt Dell beim XPS 11 ausgezeichnet um. Leider taugt die Tastatur für nicht viel mehr als zur URL-Eingabe. Diese Tatsache stellt das Gesamtkonzept infrage: Interessierte sollten daher genau abwägen, ob sie bereit sind, das Tippen mit dem XPS 11 von Grund auf neu zu erlernen. Doch auch nach einer Eingewöhnungszeit von mehreren Wochen geht netzwelt nicht davon aus, dass es sich mit der Touchtastatur auf Dauer so produktiv wie mit einer herkömmlichen Tastatur arbeiten lässt.


Einzelergebnisse
Bereits bei der Auswahl eines Notebooks, Laptops oder Ultrabooks versuchen wir, die unterschiedlichen Anforderungen der Nutzer zu berücksichtigen. Über welches Modell wird gerade im Netz besonders eifrig diskutiert? Wo gibt es gerade ein besonders interessantes Sonderangebot? Zudem greifen wir immer wieder Testanregungen von Nutzern auf, die wir per Leserbrief, über die Sozialen Netzwerke oder über das netzwelt-Forum erhalten. Hier erfahren Sie, wie wir Notebooks testen.
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Design
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Display
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Eingabegeräte
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Leistung
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Ausstattung
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Multimedia
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Einsortierung
Dell XPS 11 von Dell wurde als Notebook abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Die besten Convertibles". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Computer, Testbericht, Mobile Computing, Notebook, Dell, Subnotebook, Tablet-PC, Laptop, Convertible, Dell XPS, Review, Ultrabook, Windows 8.1 und Dell XPS 11 .
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Dell XPS 11 im Test: Das Convertible-Experiment
Dell XPS 11 im Test: Das Convertible-Experiment
Mit dem XPS 11 geht der US-Hersteller Dell ein Wagnis ein - statt einer klassischen Tastatur kommt bei diesem Convertible eine Touch-Tastatur ohne Tastenhub zum Einsatz. Geht das gut? Antworten liefert der Test.
http://www.netzwelt.de/news/115991-dell-xps-11-test-convertible-experiment.html
2014-02-03 12:40:21
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/dell-xps-11-produktbild-114718.png
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