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Lenovo Yoga Tablet 8 im Test: Innovativ, günstig, exotisch
Kleine große Klappe

von Michael Knott
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Mit dem Yoga Tablet 8 überträgt Lenovo das von den Ultrabooks des Herstellers bekannte Yoga-Prinzip auf ein Tablet. Das Testgerät ist außerordentlich gut verarbeitet, bietet eine rekordverdächtige Akkulaufzeit und ist obendrein günstig. Kritik gibt es hingegen für die CPU und das Display.

Nun überträgt Lenovo das Yoga-Prinzip auf ein Tablet. Dass dies Sinn ergibt, merkt man schnell. Kaum ein anderes Android-Tablet lässt sich ohne Hilfsmittel so vielseitig positionieren. Und auch bei der Verarbeitung gibt es im Test viel Lob für das Yoga-Tablet, welches der Hersteller neben der hier getesteten 8-Zoll-Variante auch mit 10-Zoll-Display anbietet.

Was ist denn hier los? Lenovo hat das von den Ultrabooks bekannte Yoga-Prinzip auf einen Tablet-Computer übertragen.

Für Freunde der Tablet-Computer war 2013 ein gutes Jahr. Denn nach einer wahren Flut an immer gleichen Geräten mit leicht verändertem Innenleben haben die Hersteller endlich damit begonnen, Hirnschmalz ins Gehäuse-Design zu stecken. Heraus kommen verfeinerte Tablet-Rezepte, die mit ungewöhnlichen Ideen statt ausschließlich mit Megahertz und Pixel punkten. Wie das Lenovo Yoga Tablet.

Das Testgerät ist förmlich um einen Metallzylinder herum konzipiert worden. In ihm steckt ein kräftiger Akku - Lenovo verspricht eine Laufzeit von rekordverdächtigen 18 Stunden. Doch die Metallröhre hat noch eine weitere, im wahrsten Wortsinn "tragende Rolle". Sie beherbergt eine Metallstütze, die dem Yoga Tablet 8 die drei Betriebsmodi "Hold", "Stand" und "Tilt" ermöglicht. Dazu später mehr.

Technische Ausstattung, Lieferumfang und Anschlüsse

Beim an dieser Stelle getesteten Yoga-Tablet handelt es sich um die acht Zoll große, reine WLAN-Version zum Preis von knapp 230 Euro. Für einen vergleichsweise moderaten Aufpreis von derzeit 50 Euro bietet Lenovo ein ansonsten identisches Gerät mit eingebautem UMTS-Modem an. Ab 299 Euro erhalten Käufer die 10-Zoll-Version, die bis auf den größeren Bildschirm keine Unterschiede aufweist. Schade: Die praktische, dem Yoga-Tablet auf den Leib geschneiderte Bluetooth-Tastatur, die gleichzeitig auch als Display-Schutz dient, gibt es nur für die 10-Zoll-Modellvariante.

Als Prozessor kommt ein ARM Cortex-A7 (MTK 8125) mit vier Rechenkernen und einer Taktfrequenz von 1,2 Gigahertz zum Einsatz. Die Höhe des Arbeitsspeichers beträgt ein Gigabyte. Hinzu kommen recht knapp bemessene 16 Gigabyte Flash-Speicher, die Nutzer durch Einlegen einer MicroSD-Karte erweitern können. Der passende Slot findet sich gut geschützt unterhalb der ausklappbaren Stütze.

Unboxing: Lenovo Yoga Tablet 8

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Das Lenovo Yoga Tablet gibt es mit acht oder zehn Zoll großem Display. Netzwelt entschied sich für die kompaktere Variante. (Bild: netzwelt)

Das Display mit einer Diagonale von 20,32 Zentimetern bietet eine Auflösung von 1.280 x 800 Pixel. Für die 8-Zoll-Variante tummeln sich daher noch ausreichend Bildpunkte auf dem Touchscreen. Drahtlos nimmt das Testgerät per WLAN (b/g/n) und Bluetooth 4.0 Kontakt zur Umwelt auf. Als einzige Schnittstelle findet sich ein microUSB-Port, der in unmittelbarer Nähe zum mächtigen Ein- und Ausschalter im Apple-Stil sitzt.

Weitere Ausstattungsdetails: Zwei Dolby-zertifizierte Lautsprecher finden sich links und rechts an der unteren Gehäuseflanke. Der Sensor der rückseitigen Hauptkamera liefert eine Auflösung von fünf Megapixeln. Eine weitere Kamera auf der Frontseite dient der Videotelefonie oder dem Anfertigen von Selbstporträts. Was sich alles im Karton befindet, verrät der Unboxing-Artikel an dieser Stelle.

Verarbeitung

Mit gemessenen 401 Gramm ist das Lenovo-Tablet kein Leichtgewicht. Das mit einem größeren 8,3-Zoll-Display bestückte LG G Pad 8.3 etwa wiegt nur 338 Gramm. Das recht hohe Gewicht des Testkandidaten liegt zum einen am voluminösen Akku und ist zum anderen dem massiven Metallgehäuse geschuldet.

Die Verarbeitungsqualität ist hervorragend - es könnte auch Apple auf dem silbernen Gehäuse stehen. Ohnehin begegnet Lenovo in diesem Punkt dem Rivalen aus Cupertino seit einiger Zeit mindestens auf Augenhöhe, wie zuletzt etwa das Yoga 2 Pro zeigte. Folgerichtig finden sich keinerlei auffällige Spaltmaße oder sonstige Spaßverderber am Rezensions-Exemplar. Bitte nachmachen, Sony.

Macht laut "Klock", fühlt sich gut an, beherbergt keinen Springteufel: Die ausklappbare Stütze ermöglicht drei unterschiedliche Betriebsmodi.

Die charakteristische Stütze klappt mit solch einer Präzision aus dem Gehäuse und arretiert mit einem solch zufriedenen "Klock" in ihrer Endposition, dass man meinen könnte, die gleichen Ingenieure die bei BMW für den Sound von schließenden Türen verantwortlich sind, wären nach China zu Lenovo gereist. Meckern auf hohem Niveau: Der seitlich eingelassene Ein- und Ausschalter sitzt mit zu großem Spiel im Gehäuse. Mehr gibt es an der Verarbeitung des Lenovo Yoga Tablet 8 wirklich nicht auszusetzen.

Display

Die Auflösung des Touchscreens reist auf dem Papier nicht vom Hocker - andere Tablets bieten weit mehr Bildpunkte als 1.280 x 800 Bildpunkte. Bei der Darstellung des Hauptmenüs oder bei der Betrachtung von Filmen oder Fotos fällt dies kaum auf. Beim Lesen von E-Books jedoch würden dem Yoga Tablet 8 mehr Bildpunkte gut zu Gesicht stehen. Schrift erscheint leicht verschwommen.

Weniger auszusetzen gibt es bei Kontrast und Helligkeit. Dafür stellt das Lenovo-Tablet Farben etwas zu weich dar. Die Blinkwinkel fallen großzügig und praxistauglich aus. In der Horizontalen kommt es aus schrägem Winkel zu leichtem Helligkeitsabfall. Wie fast alle Touchscreens spiegelt auch die Lenovo-Anzeige stark, was den Einsatz unter freiem Himmel und bei ungünstigem Lichteinfall erschwert.

Leistung

Der verbaute ARM-Prozessor mit vier Rechenkernen ist kein Überflieger, stellt aber für typische Tablet-Aufgabengebiete ausreichend Leistung zur Verfügung. Surfen im Netz, das Abspielen von HD-Videos auf YouTube - all das stellt ihn nicht vor schwierige Aufgaben. Apps öffnen zügig und auch beim flinken Blättern über die Startbildschirme kommt es nicht zu Verzögerungen. Etwas länger als gewohnt benötigt das Android-Tablet für den Wechsel der Bildschirmausrichtung.

Aktuelle Spiele aus dem Android-Store laufen oft, aber nicht immer flüssig und ohne Ruckler. Asphalt 8 etwa lädt lange - und ist anschließend aufgrund vieler Ruckler nur mit wenig Freude spielbar. An die flüssige Leistung des LG G Pad 8.3 oder eines Samsung Galaxy Note 8 kommt das Lenovo-Modell nicht heran. Nach einem dreitägigen Intensivtest schaffte netzwelt es nicht, die Akkukapazität unter 50 Prozent zu spielen. Der Angabe des Herstellers, der 6.000-Milliamperestunden-Akku sei für eine Laufzeit von 18 Stunden gut, kann also Glauben geschenkt werden. Besitzen Sie bereits das Yoga-Tablet? Dann teilen Sie uns Ihre Erfahrungswerte bezüglich der Akkulaufzeit gern im Forum mit.

Das Lenovo Yoga Tablet 8 im Alltag

Blitzumfrage in der Redaktion: Knapp der Hälfte der Redakteure gefällt die Art und Weise, wie sich das Lenovo-Tablet mit seinem Akku-Zylinder in die Handfläche schmiegt. Die andere Hälfte weiß beim spontanen "In die Hand Nehmen" nicht so recht, ob sie das Tablet nicht lieber augenblicklich auf einen Tisch legen möchte. Die Linkshänder monieren, dass Lenovo das Tablet augenscheinlich für Rechtshänder konzipiert hat. Das Argument: Nimmt man das Gerät in die rechte Hand, um mit der linken Hand Eingaben auf dem Touchscreen zu tätigen, sind die Positionen von Webcam und Mikrofon vertauscht.

Der Autor meint: Das Testgerät fühlt sich im sogenannten "Hold-Modus" in der Hand fast wie ein umgeschlagenes Taschenbuch an. Nun bietet Letzteres zweifelsfrei keine Webcam geschweige denn ein Mikrofon. Aber wer Videoanrufe über Skype tätigen möchte, nutzt einfach die ausklappbare Stütze auf der Rückseite und stellt das Tablet zu sich geneigt auf einer ebenen Fläche ab. Doch natürlich bricht Lenovo beim Yoga Tablet 8 mit gängigen Tablet-Konventionen. Daher gilt für das Testgerät genau das Gleiche wie bei den Yoga-Ultrabooks: Es ist eine Frage des Geschmacks.

Im "Hold-Modus" schmiegt sich das Yoga-Tablet wie ein umgeschlagenes Taschenbuch in die Hand.

Unbestritten praktisch ist der "Stand-Modus", bei dem die ausklappbare Stütze zum Zuge kommt. Sie verfügt über keine Rasterung. Die Friktion reicht aus, um das Tablet in einem Winkel zwischen etwa 80 und 15 Grad zu positionieren. Danach kippt das Tablet um und wechselt, wenn man so will, automatisch in den "Tilt-Modus". Hierbei ist die Stütze vollständig eingeklappt und das Display leicht zum Nutzer geneigt. Die Möglichkeit, das Tablet ganz flach auf den Schreibtisch zu legen, ist nicht gegeben.

Multimedia

Dass sich das Lenovo-Tablet im Stand-Modus sehr gut für die Wiedergabe von Filmen eignet, dürfte nun klar sein. Dazu passen die mit vergleichbar großem Abstand zueinander positionierten Stereo-Lautsprecher. Dolby steht zwar drauf - einen außerordentlich guten Klang sollte dennoch niemand von ihnen erwarten. Ein Springteufel aus dem Akku-Zylinder und ein voluminöser Bass aus den Lautsprechern - beides gehört ins Reich der Phantasie. Immerhin übersteuern die Mini-Speaker auch auf maximaler Lautstärke nicht.

Der Webcam auf der Vorderseite reicht erfreulich wenig Umgebungslicht, um noch brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Das Bild ist dann zwar verrauscht, aber der Gesprächspartner bleibt erkennbar. Die Hauptkamera auf der Rückseite erfüllt ihren Zweck, hat jedoch öfter Probleme, den Fokus akkurat zu setzen. Auch der ständige, oft fehlerhafte Weißabgleich nervt. Eine Foto-LED fehlt.

Wem das Lenovo Yoga Tablet 8/10 nicht zusagt, wird mit Sicherheit in diesem Vergleichstest von kompakten Tablets fündig.

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netzwelt
6.2
Lenovo Yoga Tablet 8
Vorteile
  • Akkulaufzeit
  • Betriebsmodi
  • Verarbeitung
Nachteile
  • CPU
  • Display

Ungewöhnlicher Akku-King

Das Gehäuse des Lenovo IdeaPad Yoga Tablet 8 ist hervorragend verarbeitet. Das Konzept der ausklappbaren Stütze erntete im Test viel Lob - manche Befragten konnten ihm aber nichts abgewinnen. Schade ist, dass der chinesische Hersteller bei Display und CPU eher auf Standard-Ware setzt, die das Tablet an manchen Stellen ausbremst. Dies wird dem nicht zu hoch angesetzten Preis geschuldet sein. Fest steht: Ein besseres Tablet der 8-Zoll-Klasse mit ähnlich hohem Innovationsfaktor werden Sie zu diesem Preis derzeit nicht kaufen können.


Einzelergebnisse
Design, Display, Leistung, Ausstattung, Multimedia: Nach diesen fünf Hauptkriterien bewerten wir Tablet-Computer. Für jede Unterkategorie vergeben wir Punkte, maximal 10. Die Summe der Einzelbewertungen teilen wir durch 5 und erhalten so die Endnote. Diese spiegelt nicht zwangsweise auch das Endresultat. Der testende Redakteur kann am Ende noch eine individuelle Auf- oder Abwertung vornehmen. Wie wir Tablet-Computer im Detail testen, können Sie an dieser Stelle nachlesen.
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Design
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Display
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Leistung
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Ausstattung
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Multimedia
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Einsortierung
Lenovo Yoga Tablet 8 von Lenovo wurde als Tablet-PC abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Alle Tablet-PCs. Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Mobile Computing, Android, Lenovo, Tablet-PC, Review, Lenovo IdeaPad und Android 4.2 Jelly Bean .
Kommentare zu diesem Artikel

Mit dem Yoga Tablet 8 überträgt Lenovo das von den Ultrabooks des Herstellers bekannte Yoga-Prinzip auf ein Tablet. Das Testgerät ist außerordentlich gut verarbeitet, bietet eine rekordverdächtige Akkulaufzeit und ist obendrein günstig. Kritik gibt es hingegen für die CPU und das Display.

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Lenovo Yoga Tablet 8 im Test: Innovativ, günstig, exotisch
Lenovo Yoga Tablet 8 im Test: Innovativ, günstig, exotisch
Lenovo überträgt das Yoga-Prinzip auf seine Tablet-Reihe. Prompt erntet das Yoga Tablet 8 im Test viel Lob, vor allem für die Verarbeitung. Leider bremsen CPU und Display das Tablet an einigen Stellen aus.
http://www.netzwelt.de/news/112941-lenovo-yoga-tablet-8-test-innovativ-guenstig-exotisch.html
2013-12-17 18:00:02
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/lenovo-yoga-tablet-8-produktbild-114908.jpeg
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