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Amazon kindle fire HDX 8.9 im Test
Eigenes Betriebssystem

von Michael Knott
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Dem neuesten Tablet-PC von amazon würde der Namenszusatz "Air" ebenfalls gut zu Gesicht stehen. Denn es ist sogar noch leichter als das iPad Air von Apple und bietet einen noch höher auflösenden Bildschirm. Es finden sich weitere Parallelen zum Top-Tablet von Apple, wie etwa die enge Shop-Anbindung. Das kindle fire HDX 8.9 hinterlässt im Test einen guten Eindruck.

Das installierte Betriebssystem Fire OS 3.0 baut auf Android auf. Einen direkten Zugang zu Google Play gibt es aber nicht.

Der Versandhändler amazon konnte mit seiner Tablet-Reihe kindle fire schnell Erfolge erzielen. Und auch dem vorliegenden Testmodell - so viel sei verraten - gelingt im Test mehr als ein Achtungserfolg. Das beginnt gleich mit dem Blick auf die technischen Daten des Tablets.

Preise und technische Ausstattung

Das Display mit einer Diagonalen von 8,9 Zoll (22,6 Zentimeter) liefert eine Auflösung von 2.560 x 1.600 Bildpunkten. Es tummeln sich also über vier Millionen Pixel auf der Anzeige. Zum Vergleich: Beim größeren Retina-Dislay des iPad Air sind es "nur" 3,1 Millionen Bildpunkte. Auch der Prozessor ist nicht von Pappe. Es handelt sich um eine Qualcomm-CPU mit vier Rechenkernen, die jeweils mit einer Taktfrequenz von 2,2 Gigahertz arbeiten. Hinzu kommen zwei Gigabyte Arbeitsspeicher - nur das Samsung Galaxy Note 10.1 2014 Edition bietet mehr.

Beim Speicherplatz haben Käufer die Wahl zwischen 16, 32 oder 64 Gigabyte interner Flash-Kapazität. Ein Schacht für Speicherkarten fehlt. Überlegen Sie sich also vor dem Kauf, wie viel Platz Ihre Multimedia- und App-Sammlung in Anspruch nimmt. Zwei Kameras, jeweils auf der Vorder- und Rückseite nehmen Fotos und Videos auf. Die rückseitige Hauptkamera bietet eine Auflösung von acht Megapixeln und wird in schwierigen Lichtsituationen durch eine Foto-LED unterstützt.

Die günstigste Version blendet im Sperrbildschirm Werbung ein. Diese lässt sich gegen Aufpreis von 15 Euro dauerhaft entfernen.

Für die Basis-Version mit WLAN-Modul und 16 Gigabyte Speicher verlangt amazon 379 Euro. Dann müssen Käufer aber ähnlich wie bei den E-Book-Readern des Unternehmens mit Werbeeinblendungen auf dem Sperrbildschirm leben. Der Versandhändler nennt dies "Spezialangebote". Wer solche nicht wünscht, kann dies bei der Bestellung entsprechend angeben - und 15 Euro Aufpreis einkalkulieren.

32 Gigabyte Speicherkapazität kosten 429 Euro; 479 Euro berechnet amazon für die Variante mit 64 Gigabyte großem Flash-Speicher. Alle Speicherausführungen lassen sich zudem mit einem LTE-Modul bestellen. Der Aufpreis beträgt dann jeweils 100 Euro.

Schnittstellen

Knapp bemessen sind die Anschlüsse. Lediglich ein microUSB-Port zum Anschließen an den Rechner und zur Stromversorgung findet sich an der linken Gehäuseflanke. Gegenüberliegend stoßen wir auf einen Kopfhörereingang. An der Oberkante sind Mikrofone eingelassen. Das war es. Ein unkomplizierter da kabelgebundener Anschluss an den Fernseher fällt mangels HDMI-Schnittstelle flach.

Gut gelöst hat amazon die Platzierung der Lautstärkewippe. Diese findet sich, zusammen mit dem Ein- und Ausschaltknopf, an der Tablet-Rückseite. Alle Drücker sind gut ertastbar. Obwohl das installierte Betriebssystem mit dem Namen Fire OS 3.0 auf Android basiert, gibt es keine Schaltflächen für "Zurück" oder "Start".

Verarbeitung und Materialwahl

Es ist erstaunlich, wie leicht Tablet-Computer mittlerweile sind. Und das Testgerät platziert sich unter den Leichtgewichten ganz weit vorn. Die geeichte Redaktionswaage zeigt ein Gewicht von 371 Gramm an - das sind sogar noch ein paar Gramm weniger, als vom Hersteller versprochen. Damit wiegt das amazon kindle fire deutlich weniger als etwa das iPad Air von Apple. Letzteres verfügt jedoch über ein größeres Display.

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Mit dem kindle fire HDX 8.9 ist das neueste amazon-Tablet in der Redaktion eingetroffen. (Bild: netzwelt)

Die Materialanmutung ist gelungen. Amazon versieht die Rückseite des Tablets mit einem weichen Überzug. Im Kratztest von netzwelt bleiben jedoch feine Spuren dauerhaft zurück. Generell sammeln sich auf der Rückseite schnell Fettrückstände an, die sich leicht wieder entfernen lassen. Egal wie heftig man das Testgerät auch hin und her schüttelt, es gibt keinen Laut von sich - ein gutes Zeichen.

Spaltmaße konnte netzwelt am Rezensionsexemplar nicht entdecken. Jedoch sammelt sich am konstruktionsbedingten Rand zwischen Bildschirm und Gehäuse schnell Staub und Schmutz an. Die Rückseite hebt sich dank abgeschrägten Kanten, in die auch die Stereo-Lautsprecher eingelassen sind, wohltuend von anderen Tablet-Computern ab. Insgesamt lässt sich die Verarbeitung als hochwertig und gelungen bezeichnen.

Display

Die hohe Auflösung führt zu einer absolut pixelfreien Darstellung der Inhalte. Selbst wenn der Nutzer mit der Nasenspitze schon fast den Bildschirm berührt, sind einzelne Bildpunkte nicht zu erkennen. Auch zu dem unbeliebten Treppeneffekt, etwa bei der Darstellung von Schrift, kommt es nicht.

Weitere Pluspunkte sammelt der hochauflösende 16:9-Monitor in den Unterpunkten Farbtreue, Kontrast und Helligkeit. Wie jedoch nahezu jeder andere moderne Touchscreen spiegelt auch das Display des amazon-Tablets. Bei direkter Sonnenlichteinstrahlungen hilft es dann nicht weiter, wenn der Nutzer die Helligkeit auf das Maximum regelt. Dennoch: Der Monitor in Verbindung mit der hohen Auflösung gehört zu den Highlights des Testgeräts.

Betriebssystem

Ähnlich wie Apple mit iOS setzt auch amazon auf ein geschlossenes Ökosystem. Im täglichen Umgang fühlt sich das installierte Fire OS daher zunächst wie die Pforte in das Produktangebot des Online-Versandhändlers an.

Einen klassischen Startbildschirm, auf dem sämtliche installierten Apps gelistet sind, erreichen Nutzer erst über einen Umweg, mit einer Wischbewegung nach oben. Die zuletzt benutzten Anwendungen zeigt Fire OS in einer Art Karussell an. Hier tauchen Apps genauso wie die zuletzt betrachteten Bücher, Dokumente oder Videos auf. Darüber zeigt das Betriebssystem eine Schnellstartleiste zu weiteren amazon-Angeboten sowie zu den per amazon cloud drive abgelegten Fotos an.

Die Rückseite versieht der Hersteller mit einem speziellen, angenehmen Überzug. Ganz kratzfest ist dieser aber nicht.

Da es keinen physikalischen "Home-Button" gibt, gelangen Nutzer mit einer Wischbewegung von rechts nach links und ebenfalls nur über einen kleinen Umweg zur Startansicht. Dann taucht ein Zusatzmenü am Bildschirmrand auf, welches auch einen Link zum Startbildschirm enthält. Ähnlich wie bei reinen Android-Tablets genügt es für den Schnellzugriff auf Grundeinstellungen aus, wenn Nutzer eine Wischbewegung von oben nach unten auf dem Touchscreen ausführen. Benachrichtigungen tauchen hier ebenfalls auf.

App-Angebot

Wer sich zum Kauf eines kindle-Tablets entscheidet, hat keinen direkten Zugang zu Google Play. Der Download neuer Apps erfolgt über einen eigenen App Store von amazon. Die gängigsten Apps wie Facebook, Twitter, Skype und Co. finden sich aber auch hier. Selbst relativ exotische Anwendungen wie Sonos oder Philips Hue sind gelistet.

Für Office-Anwendungen stehen Programme wie Kingsoft Office und das bekannte Documents To Go bereit. An derzeit angesagten Spielen finden sich beispielsweise Asphalt 8: Airborne, Angry Birds Star Wars oder FIFA 2014. Dennoch laufen verschiedene Suchanfragen ins Leere. So gibt es etwa keine App für das Soziale Netzwerk Google+. Das Angebot ist nicht so groß wie bei Android oder iOS, wird aber stetig ausgebaut. Ein freier Zugang zu Google Play wäre in Zukunft wünschenswert. Klar, dass amazon auch im App-Bereich auf die vom Online-Versandhaus bekannten Empfehlungen setzt. Mitunter tauchen kuriose App-Empfehlungen auf, welche "durch Ihren Browserverlauf inspiriert" wurden. Irgendwie gruselig.

Ein E-Mail-Programm installiert amazon auf dem Tablet genauso vor, wie eine eigene Adressdatenbank und die Browser-Eigenentwicklung mit dem Namen Silk. Die Bedienung von Letzterem gestaltet sich einfach. Im Test kam es jedoch zum ein oder anderen Absturz. Dafür komprimiert der Browser Webseiten für den schnelleren Abruf auf eigenen Servern vor.

Die durchaus praktische, aber recht schwere Origami-Hülle aus Leder liefert der Hersteller gegen Aufpreis mit. Das Tablet wird per Magnet "eingeklinkt".

Dokumente lassen sich per E-Mail, Cloud oder recht komfortabel per USB-Anschluss übertragen. Während das Tablet unter Windows 7 anstandslos als Massenspeicher erkannt wird, verlangt es im Test unter Mac OS X nach einem kostenlosen aber umständlichen Zusatzprogramm. Dann lassen sich sowohl Microsoft Word-Dateien als auch PDF-Formulare anstandslos übertragen. Die gesetzten Formatierungen bleiben erhalten.

Überhaupt ist die Formatunterstützung des kindle fire HDX recht groß. Dazu zählen unter anderem JPEG-, GIF-, PNG-, BMP-, DOC-, DOCX-, Audible-, MOBI (ungeschützt), PDF-, KF8-, AAC- (ungeschützt), HTML5-, CSS3-Dateien und einige mehr. Beim im Netz verbreiteten E-Book-Format mit der Endung Epub verweigert das Testgerät mit Hausmitteln die Anzeige.

Leistung

Apps öffnen äußerst zügig und auch das Wischen durch das "Karussell" geht sehr flüssig vonstatten. Beim Spielen grafikintensiver Titel wie Asphalt 8 kommt es zu keinen Rucklern. Jedoch konnte netzwelt in der Startsequenz die gleichen Aussetzer wie auf dem Samsung Galaxy Note 10.1 2014 Edition feststellen.

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Mit dem kindle fire HDX 8.9 ist das neueste amazon-Tablet in der Redaktion eingetroffen. (Bild: netzwelt)

Dennoch zählt das Testgerät zu den derzeit leistungsfähigsten Geräten auf dem Markt und muss sich nicht hinter Konkurrenten wie dem angesprochenen Galaxy Note 10.1 oder dem iPad Air verstecken. Angaben zur praxisnahen Akkulaufzeit reicht die Redaktion nach. Der Hersteller gibt diese mit etwa zwölf Stunden an - was ein sehr guter Wert wäre.

Update 21.11: Angaben zur tatsächlichen Akkulaufzeit

Nach ein paar weiteren Tagen mit dem amazon-Tablet lassen sich nun auch praxisnahe Angaben zur Akkulaufzeit treffen. Die vom Hersteller versprochene Laufzeit von zwölf Stunden erreichte netzwelt im Test bei insgesamt vier Durchläufen ein Mal. Dazu mussten wir jedoch die Blidschirmhelligkeit auf das untere Drittel regeln sowie die Funkverbindung deaktivieren.

Im typischen Mix aus Surfen, Spielen und dem Abspielen von Videos können Käufer eines kindle fire HDX 8.9 aber eher mit Laufzeiten zwischen neun und zehn Stunden rechnen.

Auch interessant: Das Tablet-Duell in der Königsklasse: Wer baut das beste 10-Zoll-Tablet? Samsung Galaxy Note 10.1 (2014 Edition) gegen Apple iPad Air im Vergleichstest.

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netzwelt
7.2
Amazon Kindle Fire HDX 8.9
Vorteile
  • Verarbeitung
  • Display
  • Preis/Leistung
Nachteile
  • Kopplung an Hersteller
  • Bloatware

Gutes Tablet vom Online-Riesen

Amazons kindle fire HDX 8.9 gefällt im Test dank seines brillanten Displays, mehr als ausreichender Leistung und guter Verarbeitung. Für das Gebotene ist der Preis angemessen, fast schon als niedrig zu bezeichnen. Das kindle-Tablet ist jedoch eng an amazon gekoppelt. Das gesamte Betriebssystem ist mit Schaltflächen zum Angebot des Online-Versandhändlers durchzogen. Damit, sowie mit der im Vergleich zur Konkurrenz begrenzten App-Auswahl müssen Käufer leben. Und auch für produktives Arbeiten gibt es bessere Tablets, wie etwa Microsofts Surface.


Einzelergebnisse
Design, Display, Leistung, Ausstattung, Multimedia: Nach diesen fünf Hauptkriterien bewerten wir Tablet-Computer. Für jede Unterkategorie vergeben wir Punkte, maximal 10. Die Summe der Einzelbewertungen teilen wir durch 5 und erhalten so die Endnote. Diese spiegelt nicht zwangsweise auch das Endresultat. Der testende Redakteur kann am Ende noch eine individuelle Auf- oder Abwertung vornehmen. Wie wir Tablet-Computer im Detail testen, können Sie an dieser Stelle nachlesen.
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Leistung
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Ausstattung
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Multimedia
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Einsortierung
Amazon Kindle Fire HDX 8.9 von Amazon wurde als Tablet-PC abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Die besten Kompakt-Tablets". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Mobile Computing, Android, Tablet-PC, Amazon, Amazon Kindle, Review und Kindle Fire .
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Das Modell kindle fire HDX 8.9 ist der neueste Tablet-Computer des Online-Versandhändlers amazon. Im Test überzeugt das überaus leichte Tablet mithilfe guter Rechenleistung und brillantem Display.
http://www.netzwelt.de/news/109051-amazon-kindle-fire-hdx-8-9-test.html
2013-11-21 12:06:58
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/amazon-fire-hdx-produktbild-114784.png
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